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Karstadt in Bonn: Politiker kritisieren Entgegenkommen bei Mietvertrag

Kaufhausrettung in Bonn : Politiker kritisieren Entgegenkommen bei Galeria Karstadt Kaufhof

Um die Karstadt-Filiale in Bonn zu retten, wollen die Stadt Bonn und der Eigentümer der Immobilie beim Mietvertrag entgegenkommen. Galeria Karstadt Kaufhof hat auf das Angebot bislang nicht reagiert. Dafür gibt es Kritik aus der Politik.

Auf das Angebot der Aachener Grundvermögen an das Essener Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof, für die Karstadt-Immobilie an der Poststraße die Miete für die nächsten 20 Jahre um gut 50 Prozent zu senken, gab es seitens des Warenhauskonzerns am Mittwoch noch keine Reaktion. Das teilte die Pressestelle der Aachener Grundvermögen mit. Eine Anfrage des GA bei Karstadt und bei Rechtsanwalt Frank Kebekus, Sachverwalter im Karstadt-Schutzschirmverfahren, blieben unbeantwortet.

Stadt Bonn hat Galeria Karstadt Kaufhof Angebot gemacht

Die Stadt Bonn hatte als Eigentümerin des Karstadt-Grundstücks der Aachener Grundvermögen, die Besitzerin der Kaufhausimmobilie ist, ihrerseits das Angebot gemacht, den Pachtzins zu senken, um ebenfalls einen Beitrag zur Rettung der von Schließung bedrohten Filiale in der Poststraße zu leisten. Nach Informationen des General-Anzeigers beträgt dieser normalerweise 750.000 Euro im Jahr, er soll um 250.000 gesenkt werden. Die Miete soll bisher 2,5 Millionen Euro betragen haben. Sie soll nun, so erfuhr der GA weiter aus gut informierten Kreisen, nur noch 1,2 Millionen Euro betragen. Die Zahlen bestätigen wollten weder Stadt noch Aachener Grundvermögen mit dem Hinweis, es handele sich um Vertragsangelegenheiten.

Hinsichtlich der Pachtzinsreduzierung hatte Oberbürgermeister Ashok-Sridharan nach Rücksprache mit den Ratsfraktionsspitzen eine Dringlichkeitsentscheidung gefasst. Die FDP trägt diese allerdings nicht mit, wie ihr Ratsfraktionschef und Oberbürgermeister-Kandidat Werner Hümmrich am Mittwoch mitteilte. „Während der Corona-Krise haben viele Beschäftigte ihren Job verloren, wurden in Kurzarbeit geschickt oder bangen noch immer um ihre Zukunft. Geschäfte in der Innenstadt mussten schließen und hatten dabei keine Chance auf städtische Unterstützung. Umso unverständlicher ist, dass ein millionenschwerer Deal zu Lasten der Stadt ein Unternehmen unverhältnismäßig bevorzugt“, erklärte Hümmrich.

Schließung von Karstadt könnte Bonn vor große Probleme stellen

Die Bedeutung des Standortes und die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter seien der FDP durchaus bewusst. „Es bleibt aber die Frage, ob wirklich nur die Corona-Krise der Grund der Schieflage ist. Vielmehr besteht die Gefahr, ein kränkelndes Geschäftsmodell von der Stadt subventionieren zu lassen“, so Hümmrich, der das Angebot an Karstadt auch wettbewerbspolitisch bedenklich findet.

Johannes Schott (BBB) meldete ebenfalls Bedenken gegen den Verzicht auf einen Teil des Pachtzins an. „Wir sehen aber andererseits auch die Sorgen der Arbeitnehmer“, sagte er, deshalb habe der BBB sich quasi enthalten. Hinzu komme, dass niemand eine leerstehende Immobilie an der Poststraße haben wolle.

SPD-Ratsfraktionschefin Angelika Esch spricht auch eher von einem „sauren Apfel“, in den die Stadt beißen müsse. Aber es gehe ja vor allem um die Erhaltung von Arbeitsplätzen. Auch müsse man sehen, dass die Schließung Karstadts die Stadt vor weit größere Probleme stellen könnte. „Durch einen jahrelangen Stillstand würden der Stadt viel höhere Einnahmen wegbrechen.“

Karstadt-Betriebsrat hofft, dass Kaufhaus in Bonn bleiben kann

Sridharan und CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Klaus-Peter Gilles sehen in der Lösung dagegen „einen guten Weg“, die Bonner Karstadt-Filiale zu retten und damit 120 Arbeitsplätze zu erhalten. „Damit geben wir dem Konzern auch eine Perspektive, um die durch die Corona-Pandemie entstandene Talsohle zu überstehen“, kommentierte Gilles die Entscheidung, die in engem Schulterschluss mit dem Einzelhandelsverband und dem Gewerbeverein City-Marketing getroffen worden sei.

„Wir wären natürlich froh, wenn unser Unternehmen das Angebot annimmt und wir nicht wie vorgesehen zum 31. Oktober schließen müssen“, sagte Betriebsratsvorsitzende Therese Thrun am Mittwoch. Offiziell habe sie allerdings noch nichts von der Geschäftsleitung erfahren. Die Zitterpartie dauere für sie und ihre Kollegen weiter an.