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Kommentar zur Stadthalle Bad Godesberg: Katastrophale Versäumnisse

Kommentar zur Stadthalle Bad Godesberg : Katastrophale Versäumnisse

Ein vernachlässigtes Gebäude wie die Stadthalle kann lebensgefährlich sein. Es ist dringend Zeit, den Zustand aller städtischen Gebäude zu erfassen und den Sanierungsstau nach einer Prioritätenliste zu beheben, findet GA-Redakteur Andreas Baumann.

Um es brutal auf den Punkt zu bringen: Bonn ist über Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte hinweg nur mit Glück einer tödlichen Katastrophe in der Godesberger Stadthalle entgangen. Das neue Gutachten zum großen Saal lässt daran keinen Zweifel: Die gefährlichen Schäden betreffen große Teile der Decke, und das Gebäude hätte jederzeit ohne jedes Warnsignal einstürzen können – und das bei einer beliebten Veranstaltungsstätte, in der wie bei der Bauernschwoof-Party im vergangenen Dezember Hunderte von Menschen gefeiert haben.

Besonders irritierend ist, dass sich das Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) spätestens seit Februar intensiv mit der Saaldecke befasst haben muss. Damals hatte die Stadt nach einer Routineuntersuchung Netze aufspannen lassen, um abstürzende Deckenteile aufzufangen. Das Presseamt bezeichnete dies als „reine Vorsichtsmaßnahme“. Es dauerte noch bis Mai, bis SGB-Chef Lutz Leide aufgrund neuer Erkenntnisse die Halle sperren ließ. Im Nachhinein nur gut, dass in der Zwischenzeit wegen der Corona-Krise sowieso niemand mehr in den Saal konnte.

Die Beinahe-Katastrophe in Bad Godesberg beweist überdeutlich, dass der über Jahrzehnte angeschwollene Sanierungsstau städtischer Gebäude die Kommune nicht nur finanziell teuer zu stehen kommt. Ein vernachlässigtes Gebäude kann auch lebensgefährlich sein. Es ist deshalb höchste Zeit, den Zustand aller Häuser exakt zu erfassen, eine Prioritätenliste zu erstellen und konkrete Entscheidungen zu treffen. Nicht überall droht Gefahr, aber weiteres Warten vergrößert den Schaden – ob es nun ums Stadthaus, die Schulen oder die Godesburg geht.

Ob das Opernhaus saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden soll, hätte schon längst in einem Bürgerbeteiligungsverfahren geklärt werden sollen. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat das Projekt jedoch gestoppt, um erst die Lehren aus der missglückten Sanierung der Beethovenhalle ziehen zu können. Die Fehler der Stadt in diesem Baudenkmal liegen aber längst offen: Boden und Bausubstanz nicht ausreichend untersucht, mit unvollständiger Planung gestartet, unter zu großem Zeitdruck – und mit einem SGB-Team, das dem Großprojekt nicht gewachsen war.