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Stadt zahlt nur Sprachförderung: Keine Schule für Flüchtlingskinder

Stadt zahlt nur Sprachförderung : Keine Schule für Flüchtlingskinder

Bonn und NRW werden der Zahl zugereister Kinder kaum Herr. Stadt zahlt nur einen Teil für Ersatz-Sprachförderung

"Die Gesamtzahl der schulpflichtigen Schülerinnen und Schüler in Bonn, die nach Zuwanderung und Flucht noch nicht in Schulen der Stadt Bonn unterrichtet werden, beträgt zurzeit 31." Diese nüchterne Aussage der Bezirksregierung auf GA-Anfrage birgt Zündstoff. Denn Karin Ahrens, der Vorsitzenden des Vereins Ausbildung statt Abschiebung (AsA), liegen Informationen vor, "dass in Bonn sogar um die 60 minderjährige Flüchtlinge seit Monaten ohne Schulplatz sind." Ein Dringlichkeitsantrag von CDU, Grünen und FDP will deshalb die Zahlen und das Handeln der Stadt im Schulausschuss am 11. März hinterfragen. AsA selbst packt das Problem schon seit dieser Woche konkret an: Der Verein hat für 20 unbeschulte Flüchtlinge eine ersatzweise adäquate Sprachförderung anlaufen lassen. Und zwar mit Hilfe von selbst gesuchten Sponsoren. "Denn nach Gesprächen mit dem Schulamt war diese wichtige Maßnahme zuvor gescheitert", so Ahrens.

Damit wäre diesen 20 Flüchtlingskindern in Bonn das Recht auf Bildung, das laut UN-Kinderrechtskonvention uneingeschränkte Geltung unabhängig vom Aufenthaltsstatus habe, verwehrt gewesen. Ahrens erzählt vom AsA-Angebot, von Februar bis Juni vormittags Schulungen für 20 Flüchtlinge der Sekundarstufe II durchzuführen, vorausgesetzt, die Stadt übernehme die Finanzierung. Doch die habe nur 4900 Euro unter der Voraussetzung zahlen wollen, dass die Gesamtfinanzierung von 8810 Euro von AsA selbst gesichert sei. Wie die Lücke geschlossen werden soll, sei Sache von AsA. "Wir machten darauf aufmerksam, dass Sprachförderung eine klar definierte staatliche Aufgabe ist und es daher auch schwierig sein wird, Sponsoren dafür zu finden", berichtet Ahrens. Doch die Stadt mache offensichtlich ihr Problem, keine Schulplätze für Flüchtlingskinder einrichten zu können, weiterhin zum Problem der Träger der freien Jugendhilfe, ohne diese finanziell ausreichend zu unterstützen.

Denn seit zwei Jahren finanziere AsA die Sprachförderung für junge Flüchtlinge bereits in Eigenregie durch private Sponsoren. "Diese werden aber keine weiteren Kosten mehr übernehmen", so Ahrens. Als Lösung habe die Stadt kostenneutrale Ehrenamtliche der Freiwilligenagentur angeboten. Doch AsA arbeite nur mit qualifizierten Fachkräften mit Deutsch als Fremdsprache, so Ahrens. "Ein solches Projekt ehrenamtlich zu besetzen, würde die Kontinuität und Qualität des Unterrichts nicht gewährleisten." In dieser ausweglosen Situation hätten schließlich doch noch einmal der Rotary Club und der Verein Sterntaler mit der nötigen Spende von 3890 Euro ausgeholfen, so dass der Kursus für 20 Flüchtlingskinder pünktlich startete. Was in der Sache generell jedoch nicht weiterbringe, meint Ahrens: Beschulung auch von Flüchtlingskindern sei doch Aufgabe der Stadt.

Die verweist auf die Zuständigkeit des Landes. "Die Stadt hat trotzdem Lösungsmöglichkeiten für die Erteilung von Sprachunterricht im Sinne dieser Jugendlichen gefunden und den Verein AsA unterstützt, diesen Unterricht durchzuführen, zum Beispiel durch das Angebot eines Zuschusses von 4900 Euro", bestätigt Stadtsprecherin Monika Hörig. Aber: "Weitere Hilfe kann nur vom Land kommen." Grundsätzlich setze sich die Stadt von Beginn an intensiv dafür ein, gerade jungen Flüchtlingen den Weg in die Stadtgesellschaft und das Schulsystem zu ebnen und die jungen Menschen dabei zu unterstützen.

Die Bezirksregierung wiederum antwortet, dass in den zurückliegenden Jahren viele Bonner Schulen immer wieder Flüchtlingskinder ins Schulsystem integriert hätten. In weiterführenden Schulen würden derzeit in 21 Vorbereitungsklassen jeweils 15 bis 18 Schüler unterrichtet. Sprecher Dirk Schneemann macht aber auch klar, dass aufgrund der aktuell hohen Zahlen neu zugereister Schüler nicht immer direkte und sehr zeitnahe Zuordnungen an Schulen möglich seien. "Der spürbar enorme Zuwanderungsstrom ist eine quantitative Veränderung, deren Bewältigung die Schulen und Kommunen vor erhebliche Problemlagen stellt. Es kann zu Wartezeiten kommen, die dann mit Priorität schulamtsbezogen gelöst werden."

So arbeitet der Verein AsA mit jungen Flüchtlingen

Den Kursus besuchen überwiegend Schulpflichtige aus Syrien, Albanien und Eritrea, berichtet Bastian Zillig, Leiter des AsA-Lernzentrums. "Manche sind nicht alphabetisiert, die meisten können keine lateinische Schrift." Dazu komme, dass die Jugendlichen einen erschreckenden Leidensweg hinter sich hätten. Das AsA-Team baue deshalb erst einmal Vertrauen auf. "Wir beraten sie. Aber wir bohren nicht nach, sondern lassen sie selbst entscheiden, was sie wann und wem erzählen wollen."

AsA arbeitet laut Zillig mit Gruppenstunden und Einzelförderung durch Bezugspersonen und habe schon zahlreiche junge Flüchtlinge so präpariert, dass sie später den Schulabschluss schafften. So auch ein Afghanenjunge, der anfangs ohne ein Wort Deutsch innerhalb von zwei Jahren den höheren Realschulabschluss absolvierte. Und dann habe er dankbar wieder bei AsA angeklopft, weil er endlich in Deutschland Fuß gefasst hatte.