1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Frauenbild bei Flüchtlingen: Keine Vorfälle in Bonner Unterkünften

Frauenbild bei Flüchtlingen : Keine Vorfälle in Bonner Unterkünften

Weit mehr als 3000 Flüchtlinge leben in städtischen Unterkünften, dazu kommen rund 1000 Flüchtlinge in den beiden zentralen Aufnahmeeinrichtungen des Landes in Muffendorf und der Ermekeilkaserne. Einige Männer weisen ein patriarchalisches Weltbild auf, doch es herrscht auch Entsetzen über die Vorfälle in Köln.

Bis auf wenige Streitereien zwischen Bewohnern sind der Polizei bisher keine besonderen Vorkommnisse bekannt. Viele haupt- und ehrenamtliche Helfer aus unterschiedlichen Flüchtlingsunterkünften können diese Aussage bestätigen. Über die Vorfälle in Köln und das Geschehen auf einem Bonner Partyschiff im November zeigen sich deshalb viele erschrocken und betroffen.

Michael Thomas leitet die vom DRK im Auftrag der Stadt betriebene Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle der Duisdorfer Musikschule am Schieffelingsweg. 63 überwiegend junge Männer leben dort seit Anfang Dezember. "Sie waren entsetzt, als sie von Köln hörten", erzählt Thomas. "Da sollen auch Flüchtlinge wie wir dabei gewesen sein. Das wäre ja schrecklich", habe einer zu ihm gesagt.

Thomas kann das auch nicht glauben. "Die meisten Männer hier sorgen sich um ihre Familien, wollen endlich Frau und Kinder nach Deutschland holen", weiß er. Allerdings fände er es wichtig, wenn deutlich mehr Integrationsarbeit geleistet würde, gerade bei Männern mit ausgeprägt patriarchalischem Rollenverständnis. Das bedeute nicht, dass sie Frauen etwas antun würden. "Einer hat mir zum Beispiel erzählt, er könne unmöglich dort arbeiten, wo eine Frau das Sagen hat. Ich habe ihm nur gesagt, dass er das lernen muss". Ähnliche Erfahrungen mit männlichen Flüchtlingen machen auch andere Helfer.

Leben in einem neuen Kulturkreis

Das Leben in einem völlig anderen Kulturkreis, der Umgang mit demokratischen Grundwerten, all das sei "ein schwieriges Lernfeld" für alle Flüchtlinge, sagt Clemens Rieger, Koordinator der Godesberger katholischen Flüchtlingshilfe in der ehemaligen Michaelschule. "Da müssen wir mit unseren Ehrenamtlichen viel Neues vermitteln. Hier sehen wir, wie schwierig Integration sein wird." Er habe in der Unterkunft aber noch keine Gewalttätigkeiten erlebt, mit Ausnahme einer Situation, in der ein Mann seine Ehefrau schlug. Der Mann sei in eine andere Unterkunft gebracht worden.

Christoph Nicolai von der evangelischen Flüchtlingshilfe Syrien in Bad Godesberg wundert sich etwas über die "Naivität" von Organisatoren, die Partys für Menschen veranstalteten, die aus Kriegsregionen kämen. Es sei "unbedarft", ihnen etwas "Lustiges" bieten zu wollen. Er warnt vor ähnlichen Projekten in der Karnevalszeit. "Wie sollen Flüchtlinge verstehen, was dann bei uns läuft? Sie brauchen Beziehungsarbeit, das ist Kleinarbeit, die sich mit jedem einzelnen Schicksal ernsthaft auseinandersetzt", mahnt der Pfarrer im Ruhestand.

Verbindliches und professionelles Verhaltenskonzept

Karin Ahrens, Vorsitzende von Ausbildung statt Abschiebung (AsA) mit Sitz in Bad Godesberg, hat gute Erfahrung mit einem verbindlichen und professionellen Verhaltenskonzept ihrer Organisation gemacht: "Übergriffe oder Respektlosigkeit gegenüber dem Personal wie auch den Ehrenamtlichen hat es in den 14 Jahren unseres Verein nicht gegeben." Helena Henrich-Nguyen von der Flüchtlingshilfe im Endenicher Paulusheim mit mehr als 240 Bewohnern setzt bei ihrem Engagement ebenfalls auf verbindliche Regeln, die alle einhalten müssten. So müssten Männer lernen und anerkennen, dass Frauen hierzulande gleiche Rechte hätten.

Jörg Zimmermann, evangelischer Pfarrer in Röttgen, wo in einer Kita 40 Flüchtlinge betreut werden, rät: "Die Flüchtlinge müssen, so weit es geht, in das gesellschaftliche Leben eingebunden werden und sollten nicht zu viel nur unter sich sein." So könnten sie die Kultur in Deutschland besser kennen und könnten sich schneller integrieren.

"Wir tun alles, um den Flüchtlingen in Bonn Sicherheit zu vermitteln, auch wenn das nicht in jeder Minute und jeder Situation möglich sein wird", erklärt Oberbürgermeister Ashok Sridharan zur Debatte um die Vorfälle in Köln. "Ich warne aber dringend vor generellen Verdächtigungen, denn es gibt überall Menschen aller Art. Deshalb müssen wir aufmerksam sein und nötigenfalls auch deutlich reagieren."