Bonner Schützenbruderschaften Keiner will mehr König werden

Bonn · Kein Ergebnis: Beim Königsschießen der Sankt-Hubertus-Bruderschaft von 1450 hat keiner der zehn Schützen den Rumpf getroffen. Nicht, weil es an Treffsicherheit mangelte: Keiner wollte König werden. Ein Phänomen, das es bei Bonns ältester Bruderschaft in den vergangenen Jahren schon einmal gab und auch bei anderen Schützenvereinen der Stadt schon vorgekommen ist.

 In grüner Tracht mit Eintracht: Umzug der Schützen bei der Kuhle Kirmes.

In grüner Tracht mit Eintracht: Umzug der Schützen bei der Kuhle Kirmes.

Foto: Horst Müller

Ein Grund dafür: Es mangelt an Nachwuchs. Aus der Not eine Tugend machte letztlich Peter Braun: Der Hubertus-Schützenkönig verlängerte seine Amtszeit um ein weiteres Jahr. „Es gibt viele Faktoren, die eine Rolle spielen können“, sagt Vereinssprecherin Karin Fassbender. „Es ist auch eine finanzielle Frage.“ Bei der Hubertus-Bruderschaft gibt der König zu Anfang seiner Amtszeit einen Empfang, am Ende eine Abschiedsrunde. Während des Jahres repräsentiert er die Bruderschaft, indem er Schützenfeste und Königsbälle benachbarter Bruderschaften besucht. „Aber wie viel man ausgibt, ist einem selbst überlassen“, sagt Braun. Fassbender bestätigt, dass immer weniger junge Leute mitmachen. „Und die Alten können beim Festzug teilweise gar nicht mehr mitlaufen.“

Die Sankt-Sebastianus-Schützengesellschaft Ippendorf 1956 hat fünf Mitglieder im Alter von 16 bis 24 Jahren. „Die Schützen haben nicht unbedingt einen guten Stand“, sagt Präsidentin Gertrud Strahl. Amokläufe würden schnell mit der Mitgliedschaft in einem Schützenverein verbunden. So fehle bei einigen Menschen Verständnis für die Arbeit der Vereine. Ein weiterer Grund für den Nachwuchsmangel sei das Turbo-Abitur. „Die Kinder sind bis nachmittags in der Schule. Das Schießen ist aber ein Konzentrationssport“, sagt sie. Viele würden dann Sportarten wie Fußball vorziehen. Auch die Gesetzeslage ist ein Problem: Das Schießen ist erst ab zwölf Jahren erlaubt. Danach können Kinder mit Einverständniserklärung der Eltern an Luftgewehre herangeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten aber schon Hobbys gefunden. „Inzwischen gibt es ein paar Vereine, die Lasergewehre haben“, weiß Strahl. Damit dürfen auch Jüngere schießen.

Jugendlichen erscheint das Brauchtum aber auch veraltet. Laut Strahl wollten manche etwa keine grüne Tracht tragen. „Bei uns werden sie trotzdem als Schützen involviert. Nachdem sie eingestiegen sind, waren die meisten doch bereit, eine Tracht zu tragen.“ Obwohl die Schießsportfreunde Lengsdorf 1975 keine Trachten, sondern nur grüne Clubjacken tragen, geht auch hier der Nachwuchs zurück. Jugendwart Wolfgang Bungartz hat derzeit sechs Jugendliche bei sich in der Abteilung. „Davon sind aber nur vier wirklich aktiv“, sagt er.

Während andere gar keine Aspiranten für den Königstitel haben, hat die Sankt Sebastianus-Schützenbruderschaft Pützchen mehr als genug davon. Bei ihnen gibt es sogar eine Regel: Wer einmal König gewesen ist, darf nicht mehr auf den Rumpf schießen, zumindest fünf Jahre lang. „Jeder, der Mitglied ist, soll es einmal schaffen, an der Spitze zu stehen“, sagt Brudermeister Willi Wester. Die Schützenbruderschaft Pützchen hat vergleichsweise viel Nachwuchs: In ihrer Schülerschützenabteilung sind 15 bis 20 Jungs. „Es besteht immer noch großes Interesse daran“, sagt Wester. „Denn die Aktivitäten gehen über das Schießen hinaus: Die Jugendlichen fahren zum Beispiel zusammen zelten oder zu Besichtigungen.“ Außerdem organisierten die Jungschützen jedes Jahr „Pützchen Wetten, dass..?!“ Dass Brauchtum und Traditionen bei den Aktivitäten immer mitlaufen, sei für die Jugendlichen selbstverständlich.

Peter Braun bleibt jetzt noch ein Jahr lang Schützenkönig der Bonner Sankt Hubertus Bruderschaft. Er sagt: „Wir werden bald mal mit dem Vorstand darüber reden, wie wir uns verjüngen können.“ Für ihn ist die verlängerte Amtszeit allerdings kein Problem. „Ich freue mich darüber.“ Im nächsten Jahr findet sich vielleicht wieder ein Schütze, der sich auch an den Rumpf traut.

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