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Guido Kreuzberg: Kessenicher Ultra-Läufer ist von Wiesbaden nach Bonn unterwegs

Guido Kreuzberg : Kessenicher Ultra-Läufer ist von Wiesbaden nach Bonn unterwegs

320 Kilometer, das ist in etwa die Autostrecke zwischen Bonn und der niederländischen Nordseeküste. Je nach Verkehrslage fährt man drei bis fünf Stunden. Es sei denn man läuft diese Distanz.

Guido Kreuzberg aus Kessenich macht das: Am Mittwochabend startete er, nicht in Rotterdam, aber von Wiesbaden aus über den Rheinsteig nach Bonn. Der "WiBoLT" ist der längste Landschafts-Trail, den Deutschland zu bieten hat.

Kreuzberg läuft Ultra-Marathon, genauer gesagt Ultra-Trail: Das ist eine lange Distanz nicht über Straßen, sondern bergauf und bergab durch die Landschaft. Das ist es, was dem 43-Jährigen daran gefällt: "Es ist landschaftlich toll." Und das ist ihm wichtig, denn er will nicht in Bestzeit ankommen. "Es geht um das Erreichen des Ziels." Für diese 320 Kilometer hat er 90 Stunden Zeit, und das beinhaltet, dass er zwischendurch übernachtet. Aber ansonsten läuft er nur, und läuft und läuft.

Vor acht Jahren hat der Vater von zwei Mädchen erst damit angefangen, vorher war er Fußballer und Motorsportler. "Ich habe Laufen wirklich gehasst", sagt er. Aber dann habe er das ausprobiert, und seitdem wurden seine Laufstrecken immer länger. Seit zwei Jahren betätigt er sich als Ultra-Läufer - die Definition sei nicht eindeutig festgelegt, aber im Prinzip gehe es um Strecken, die länger als die 42 Marathon-Kilometer sind.

Ihn reize die Extremerfahrung, aber er überschreite seine körperlichen Grenzen nicht. Der WiBoLT ist einer von vier Läufen des "Millennium Quest German Cup", zu dem auch die "TorTour de Ruhr" durchs Ruhrgebiet gehörte: 230 Kilometer entlang der Ruhr von der Quelle bis zur Rheinmündung. Bei Kilometer 203 war Schluss.

"Vorher habe ich keinen Gedanken ans Aufgeben verschwendet, aber unterwegs 100 Mal." Diese Strecke hat er nicht geschafft. "Da habe ich gemerkt: Jetzt wird's gesundheitsgefährdend." Hauptgründe waren die Hitze und ein Magen-Darm-Problem. Die 320 Kilometer, die vor ihm liegen, traut er sich trotzdem zu.

Der Weiterbildungsmanager bei der Zürich Gruppe trainiert täglich, und zwar meistens nachts: Er steht um 3 Uhr auf, läuft rund zehn Kilometer und geht danach zur Arbeit. "Es ist toll, wenn man erlebt, wie die Rheinauen erwachen." Warum nachts laufen? Um Job, Familie und Training unter einen Hut bringen zu können. Eine längere Strecke sei nicht nötig, um den Körper ans Laufen zu gewöhnen: "Wenn ich 20 oder mehr Kilometer laufe, bin ich nicht fitter." Sonntags macht er Athletiktraining, und das bedeutet: lange Strecken mit vielen Steigungen, und das Ganze mit Gewicht auf dem Rücken.

In den nächsten Tagen konzentriert er sich nur aufs Laufen. Wasser, Geld, Telefon darf er mitnehmen, an bestimmten Stationen gibt es Verpflegung und Übernachtung. Kreuzbergs Team verfolgt ihn via GPS. Er überlasse es seinem Team zu entscheiden, wie es ihm geht - das könne er irgendwann nicht mehr selber einschätzen.

Zieleinlauf ist am Sonntag um 12 Uhr auf dem Marktplatz vorm Alten Rathaus. In diesem Fall geht es für Kreuzberg aber doch auch ein wenig um die Geschwindigkeit: "Ich will am Samstag zum Deutschlandspiel zurück sein." Und danach freue er sich auf ein ordentliches Steak und Bier, Dinge, auf die er vor dem Lauf verzichten muss.