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Kinderarmut in Bonn-Tannenbusch: Sozialbericht zeigt gespaltene Stadt

Sozialbericht von Caritas und Diakonie in Bonn : In Tannenbusch herrscht teils extreme Kinderarmut

Caritas und Diakonie zeichnen mit ihrem Sozialbericht für Bonn das Bild einer gespaltenen Stadt: Während die Stadt insgesamt wohlhabend ist, herrscht etwa in Tannenbusch teils extreme Armut - die auch und vor allem Kinder betrifft.

Dass in Bonn Licht und Schatten oft nur Straßenzüge auseinander liegen, ist ein offenes Geheimnis. Wie dramatisch die Situation vieler Bewohner in den Stadtteilen mit den größten Problemen ausfällt, blieb dagegen stets diffus. Mit einem ersten Bericht zur sozialen Lage der Stadt seit mehr als zwei Jahrzehnten machen die beiden kirchlichen Sozialverbände Caritas und Diakonie auf eigene Initiative die extreme soziale Spreizung nun auch in validen Zahlen sichtbar.

Caritas-Direktor Jean-Pierre Schneider und Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher stellten das von der Caritas-Stiftung mitfinanzierte Werk am Freitag gemeinsam vor. Beim Blick auf die Gesamtstadt steht Bonn vergleichsweise gut da. Nur 6,1 Prozent der Bewohner sind arbeitslos. 12,5 Prozent beziehen Sozialleistungen, unter Kindern und Jugendlichen ist es jeder Fünfte. 26 194,50 Euro hat jeder Bonner statistisch im Jahr zur Verfügung.

Die Dramatik zeigt sich jedoch, wenn man einzelne Indikatoren der Stadtteile hinzuzieht. Dann ergibt sich ein Bild zersplitterten Wohlstands. Im Bonner Talviertel – gemeint ist ein statistischer Bezirk rund um den Bonner Talweg – liegt die Arbeitslosenquote unter den 7418 Bewohnern bei minimalen zwei Prozent. Nur jedes 20. Kind lebt hier von Hartz IV. Und die jährliche Kaufkraft liegt durchschnittlich bei fast 36.000 Euro.

In Neu-Tannenbusch am anderen Ende der Skala dagegen sind 16,6 Prozent der 10 .98 Bewohner arbeitslos, 68,2 Prozent und damit mehr als zwei Drittel der Kinder unter 18 Jahren leben von Hartz IV, und die Kaufkraft liegt im Schnitt bei unter 20 000 Euro. „Diese Dramatik hat sich in den letzten Jahren auf jeden Fall verschärft“, sagt Diakonie-Chef Hamacher. Das belegten Studien der Bertelsmann-Stiftung aus den Jahren 2011 und 2015.

Um die Viertel noch umfassender vergleichen zu können, haben die Autoren des Sozialforschungsunternehmens xit aus Nürnberg aus den Teilaspekten Einkommen, Arbeit, soziale Beziehungen, Wohnsituation, Bildung und Kriminalität einen Teilhabe-Index entwickelt und diesen auf die 62 Stadtteile angewandt. Während das Bonner Talviertel bei maximal möglichen 100 Punkten auf 89,2 kommt und das Villenviertel in Bad Godesberg auf 84, landet Neu-Tannenbusch abgeschlagen bei 14,4. Auch Medinghoven, Dransdorf, und Alt-Tannenbusch stehen mit Werten zwischen 20 und 30 kaum besser da. Als problematisch werten die Autoren zudem Auerberg, das Ellerviertel, Pennefeld und Lannesdorf.

Natürlich solle die Datensammlung weder Stadtteile stigmatisieren, noch sage sie etwas über die persönlichen Verhältnisse des einzelnen Bewohners aus, betont Hamacher. „Wir brauchen diese Daten als Grundlage für unsere sozialen Hilfsangebote und für Forderungen an die Politik“, ergänzt Schneider. In den genannten Problemvierteln müsse – wo noch nicht geschehen – ein konzertiertes Quartiersmanagement aufgebaut werden. Mehr Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment und Schritte gegen die Kinderarmut sehen beide als zentrale Hebel zur Verbesserung. „Die Stadt hat da jahrelang nicht genug getan“, betont Schneider. Die aufgezeigte Spreizung könne auf Dauer nicht gesund für das soziale Miteinander sein.

Der Sozialbericht steht unter www.soziales-bonn.de zum Download bereit.