Stadt Bonn Kindergärten sind überbelegt, das Personal am Limit

BONN · Wer in Bonn einen Kita-Platz für seine Kinder sucht, läuft Gefahr, leer auszugehen. Neu daran ist, dass sich diese Lage für Kinder über drei Jahren (Ü3) nun drastisch zugespitzt hat.

 Karin Scherer ist während der Mittagspause in der Kita St. Joseph in Geislar ins Gespräch mit den Kindern vertieft, die sich vor allem über die Pommes gefreut haben.

Karin Scherer ist während der Mittagspause in der Kita St. Joseph in Geislar ins Gespräch mit den Kindern vertieft, die sich vor allem über die Pommes gefreut haben.

Foto: Moritz Rosenkranz

Das hat dazu geführt, dass die Stadt mit katholischen Trägern für neun Einrichtungen eine Zusatzvereinbarung getroffen hat, die eine Überbelegung der entsprechenden Kindergärten vorsieht. Sie gilt bis 2015. "Eigentlich ist es Aufgabe der Stadt, den Bedarf an Plätzen zu decken", sagt Reinhard Sentis vom Katholischen Stadtdekanat. "Aber wir als Kirche kommen der Stadt entgegen, weil wir eine Verantwortung für die Kinder haben."

Es werden künftig also mehr Kinder an den neun Standorten betreut, als vorgesehen. Zwei Tagesstätten könnten noch dazu kommen. Damit soll die Versorgung mit Kita-Plätzen sichergestellt werden. Sechs bis maximal zehn Kinder soll jede der Einrichtungen demnach zusätzlich betreuen. Das Problem: Zusätzliches Personal gibt es oft nicht.

Im Kindergarten St. Joseph in Geislar ist der Extremfall bald schon die Regel. Leiterin Karin Scherer betreut dort mit den Erzieherinnen zwei Gruppen, die im Regelfall aus 20 Kindern bestehen, je sechs davon unter drei Jahren. So sieht es der Gesetzgeber vor. Allerdings sind ab Sommer 50 Kinder in der Kita angemeldet - zehn über dem Soll, weil zwölf Kinder unter drei Jahren (U3) nachrücken müssen.

Zum Hintergrund: 2010 wollten die katholischen Kindergärten auch den Umbau vornehmen, der die Betreuung von unter dreijährigen Kindern möglich macht. Dadurch sind aber die Kapazitäten in den Einrichtungen gesunken, weil die ganz jungen Kinder betreuungsintensiver sind. Also haben die katholischen Träger der Stadt zugesagt, ihre Einrichtungen mit Kindern überzubelegen und im Gegenzug von der Stadt mehr Geld für Personal zu bekommen. Denn den Wegfall der Kita-Plätze - rund 2500 bieten allein die katholischen Träger - hätte zu großen Versorgungsengpässen geführt.

Zurück zur Gegenwart: Die Versorgungsengpässe sind nun doch da, weil sehr viel mehr Kinder in Bonn leben und einen Kindergartenplatz brauchen, als 2010 noch angenommen. Das hat die nun geschlossene Zusatzvereinbarung nötig gemacht, mit der die katholischen Träger der Stadt aus der Patsche helfen.

Die evangelischen Kitas würden ohnehin schon überbelegt, sagt Sabine Lente, Leiterin der Evangelischen Fachberatung Kindertagesstätten in Bonn und der Region.

Verschärft wird der Notstand an Kita-Plätzen vor allem durch den Rechtsanspruch auf einen U3-Platz, der seit vergangenem Jahr gilt. Die Regelung ist zum Bumerang geworden. Denn die Kitas sind dazu verpflichtet, die mit viel Geld für Umbaumaßnahmen geschaffenen U3-Plätze auch mit unter Dreijährigen zu belegen.

Dass diese aber irgendwann drei Jahre alt werden und in der Regel weiter in der Kita bleiben, hat zu folgender Situation geführt: Da die Plätze im U3-Bereich, die durch zu alt gewordene Kinder freigeworden sind, auch wieder mit U3-Kindern belegt werden müssen, werden die Plätze für Kinder über drei Jahren automatisch knapp, sollten nicht genug Mädchen und Jungen auf die Grundschule wechseln. Für Eltern, die ihre Kinder also erst im dritten oder vierten Lebensjahr in die Kita schicken wollen, besteht somit kaum die Chance auf einen Platz.

So wie in Geislar im kommenden Sommer: 13 Mädchen und Jungen verlassen den Kindergarten und gehen in die Grundschule. Zwölf Plätze müssen an U3-Kinder vergeben werden, sechs pro Gruppe. Bleibt ein Platz für ein dreijähriges Kind. "Die bleiben dann auf der Strecke", sagt Scherer. Auf ihrer Warteliste stehen aber 35 Namen. "Ich werde von Eltern bedroht oder bekomme Geld geboten", sagt sie. Denn viele sind verzweifelt, weil sie nach der Elternzeit wieder arbeiten möchten, aber keinen Kita-Platz finden.

Was das bedeutet, weiß auch Sabine Lente. Die Fachleiterin hat den Überblick auf die evangelischen Einrichtungen. "Es fehlen einfach Kita-Plätze in Bonn. Wir würden gerne neue Einrichtungen bauen, aber das gestaltet sich im Stadtgebiet äußerst schwierig." Teilweise gehen bei ihr 250 Anmeldungen für zwölf verfügbare Plätze ein. "Das Personal ist an der Leistungsgrenze, der Krankenstand hat sich um 20 Prozent erhöht. Ein Hoch auf jeden, der einen Platz hat."

Und die städtischen Kitas? Diese haben ihre Kapazitäten erweitert und sind zusätzlich teilweise auch überbelegt. Dies sei in Einzelfällen möglich, sofern das Landesjugendamt als Aufsichtsbehörde zustimme und mehr Personal zur Verfügung stünde, teilt das Presseamt mit. Klagen auf einen Platz lägen der Stadt derzeit nicht vor.

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