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Don Bosco: Kindersoldatin findet Schutz in Bonn

Don Bosco : Kindersoldatin findet Schutz in Bonn

Die kolumbianische Kindersoldatin Claudia findet Schutz bei Don Bosco. In der Bonner Uni berichtet die 20-Jährige von den Qualen und der Flucht.

„Die Jungen wurden ausgebildet, zu töten und Leichen zu zerstückeln. Die Mädchen wurden von Offizieren missbraucht und viele hatten Abtreibungen“, fasst Pater Rafael Bejarano, Direktor der Ciudad Don Bosco im kolumbianischen Medellín seine Erfahrung mit den Kindersoldaten Kolumbiens zusammen. Die Jugendlichen wüssten, wie es sich anfühlt, nur noch sterben zu wollen. Erst wenn es ihnen gelänge, diese Traumata zu bewältigen, könnten sie die Chance auf ein neues Leben haben.

Anlässlich des Don Bosco-Forums „Leben zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ in der Bonner Uni am Samstag berichtete die 20-jährige Claudia (Name zum Schutz vor der kolumbianischen Guerilla geändert) über ihre Zeit als Kindersoldatin. Ihr Werdegang lässt sich kaum besser als mit dem Motto des Forums beschreiben. Der Wunsch nach einem besseren Leben, nach einer Ausbildung mit der es gelingen könnte, der Armut zu entfliehen, brachte sie dazu, den angepriesenen Verlockungen der Guerillas zu folgen, die den Großteil ihrer Kindersoldaten in den ländlichen Gebieten rekrutierten.

Claudia nennt weder ihren wahren Namen, noch den Ort ihrer Herkunft. Trotz des inzwischen nach bald 50-jährigem Krieg eingetretenen Friedensabkommens zwischen Regierung und Guerilla hat sie immer noch Angst, wegen ihrer Flucht bestraft zu werden. Nach einem Jahr und drei Monaten ergriff sie als 16-jährige Kindersoldatin bei dem Auftrag eine Besorgung zu machen die Gelegenheit, sich von Regierungstruppen gefangen nehmen zu lassen. Vor die Alternative gestellt, Jugendhaft oder Resozialisierung innerhalb einer Familie zu wählen, entschied sie sich für den zweiten Weg, der sie letztlich in das Kinderschutzzentrum Ciudad Don Bosco in Medellín führte.

Aktuell leben dort 1223 Kinder und Jugendliche, unter denen sich 120 ehemalige Kindersoldaten befinden. Mehr als 320 Mitarbeiter der Salesianer Don Boscos kümmern sich um die psychische und physische Heilung von Straßenkindern und Kindersoldaten. Von den ursprünglich fünfzehn Einrichtungen in Kolumbien sind heute lediglich die beiden Don Bosco-Zentren in Medellín und Cali erhalten, die den Kindern vor allem Schutz bieten und darüber hinaus ein weites Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten.

Hinter dem Bild von einer modernen jungen Frau, immerzu lächelnd und herzlich zugewandt, mit roten Strähnen im schwarzen langen Haar, lässt sich das Drama ihres noch jungen Lebens nur erahnen. Claudia spricht von der Ausbildung zum Töten, vermeidet aber, ihr eigenes Erleben zu schildern. „Sexuelle Gewalt“ habe sie nicht erfahren, sie sei immer beschützt worden. Pater Rafael ergänzt, dass die Mädchen zu sexueller Gewalt gezwungen wurden und damit jedoch ihren „Beschützer“ hatten. Sie sagt, dass es vieles gibt, was sie nie vergessen kann. Aber sie habe gelernt, es zu überwinden. Noch lebt sie im Ciudad Don Bosco, in dem sie schneidert. Nachmittags studiert sie Gesundheitsmanagement. Sie hofft darauf, bald ihre Familie und die vier Brüder wiedersehen zu können.