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"Demokratisches Bankett": Kinkels Leben in drei Akten

"Demokratisches Bankett" : Kinkels Leben in drei Akten

Damen in altmodischen Kleidern, Herren in ungewöhnlichen Hemden und an jedem Tisch hutbedeckte Köpfe - die Menschen im Theater am Ballsaal schienen am Sonntag irgendwie aus der Zeit gefallen.

Der Förderverein Poppelsdorfer Geschichte hatte zur Zeitreise in das Jahr 1849 eingeladen, silberne Kerzenleuchter auf den Tischen und schwarz-rot-goldene Flaggen an den Wänden inklusive. Mit einem Festspiel in drei Akten sollte der 200. Geburtstag Gottfried Kinkels gewürdigt werden. Den historischen Rahmen bildete das "Demokratische Bankett", das zum ersten Jahrestag der Märzrevolution von Kinkels "Demokratischem Verein" organisiert worden war und in genau dem gleichen Saal stattfand wie das Festspiel gestern.

"Wir haben versucht, ein möglichst vollständiges Bild von Kinkels Leben und Wirken zu erschaffen", sagte Wolfgang Alt vom Förderverein Poppelsdorfer Geschichte, der das "Demokratische Bankett" organisiert hatte. Alle Besucher waren zugleich Teil des Banketts zu Ehren des Dichters, Theologen und Revolutionärs. Mehrere Schauspieler - unter ihnen auch Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch in der Rolle des damaligen Oberbürgermeisters Carl Edmund Josef Oppenhoff - führten durch die Abschnitte von Gottfried Kinkels Leben.

Szenen aus seiner Zeit als Dozent an der Bonner Universität, demokratischer Revolutionär oder Gefängnisinsasse wurden nachgespielt, Briefe und Gedichte von ihm und seiner Frau, Johanna Kinkel, wurden vorgelesen und rezitiert. Außerdem sang man - begleitet von Gitarren und Mundharmonika - Lieder, die auch zum Original-Bankett von 1849 gepasst hätten: Darunter das "Badische Wiegenlied" von Ludwig Pfau und das "Demokratenlied" von Johanna Kinkel.

Gottfried Kinkel wurde am 11. August 1815 in Oberkassel geboren, ging in Bonn zum Gymnasium und studierte hier auch an der Fakultät für evangelische Theologie, an der er später lehrte.

Als er 1843 Johanna heiratete, eine geschiedene Katholikin, war das ein gesellschaftlicher Skandal und er musste an die philosophische Fakultät der Bonner Universität wechseln. Er spielte eine wichtige Rolle im Rheinland während der Revolution 1848/49, weswegen er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Er floh 1850 mit seiner Frau zunächst nach England und lebte dann in Zürich, wo er 1882 starb.

Die Revolution 1848/49

Angetrieben von der Februarrevolution in Frankreich verbreiteten sich im Frühjahr 1848 Proteste gegen die Vormacht des Adels in den südwestlichen deutschen Staaten, schließlich in Preußen, Österreich und im gesamten Deutschen Bund. Die Revolutionäre forderten Volksbewaffnung, Pressefreiheit und die Gründung eines Nationalstaats. Die Revolution scheiterte, als der preußische König Friedrich Wilhelm IV. ablehnte, der Kaiser jenes Staates zu werden.