1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Kinos in Bonn: So bereiten sie sich nach der Corona-Pause vor

Vorhang auf nach Corona-Pause : Wie sich Bonner Kinos auf die Öffnung vorbereiten

Ab Samstag dürfen die Kinos in NRW wieder öffnen. In Bonn sind die ersten Filme aber erst ab Mitte Juni zu sehen. Die Kinomacher freuen sich trotzdem schon darauf.

Es gibt diesen einen Moment, auf den hat Felix Bresser zehn Wochen lang gewartet. „Wenn der Vorhang aufgeht und der Projektor läuft – das ist magisch“, sagt der Theaterleiter des Wokis. Am 14. März mussten die Kinos in NRW wegen des Coronavirus schließen, ab Samstag dürfen sie wieder Filme zeigen. Dann will sich Bresser mit den Zuschauern in den Kinosaal setzten. Mitte Juni soll es soweit sein. Bis dahin ist aber noch einiges zu erledigen.

Für ihn geht gerade eine „ganz schlimme Zeit“ zu Ende. Auch wenn das Woki wieder öffnen darf, ist sie nicht ganz ausgestanden. „Es heißt noch lange nicht, dass wir gerettet sind“, sagt Bresser. Ab Samstag gelten neue Bestimmungen des Landes. Sie sehen etwa vor, dass die Kinosäle nur bis zu einem Viertel gefüllt seien dürfen, vorausgesetzt, es sind nicht mehr als 100 Zuschauer. Die Betreiber müssen dafür sorgen, dass sich die Gäste in der Schlange oder im Foyer nicht zu nahe kommen und dass sie sich die Hände desinfizieren können. Zuschauer müssen im Kinosaal keine Maske tragen, aber eineinhalb Meter von anderen Gästen entfernt sitzen.

Für das Woki bedeuten die neuen Regeln etwa, dass nun ein Hygienekonzept erstellt werden muss. In ein, zwei Tagen wollen sie es der Stadt vorlegen. Die Mitarbeiter müssen geschult werden – und weil sie vom Verkauf von Süßigkeiten und Getränken leben, müssen an der Kasse Scheiben aus Plexiglas angebracht werden. „Die Leute fragen uns schon, wann sie endlich wieder unser Popcorn bekommen“, sagt Bresser. Er sieht noch weitere Probleme auf sich zukommen. „Mit den geringen Besucherzahlen können wir uns nicht sanieren“, sagt er. Der größte der drei Säle im Woki hat 248 Sitzplätze. Wie viele Leute letztendlich hineindürfen, hänge auch davon ab, wer kommt: Eine vierköpfige Familie darf direkt nebeneinander sitzen. „Bei Einzelpersonen müssten bei uns links und rechts drei Plätze frei bleiben“, sagt Bresser.

Und dann gibt es da auch noch das Problem mit den Filmen. „Hollywood hat alle Produktionen gestoppt. Filme, die für 2021 geplant waren, sind auf 2022 verlegt“, sagt er. „Das werden wir auch noch in den nächsten Jahren spüren.“ Im Woki wollen sie erst mal Filme von vor der Krise zeigen, außerdem haben sie eine Reihe mit Filmklassikern – etwa „Dirty Harry“ oder „Die Vögel“. Zudem ist eine weitere Reihe geplant, dich sich an Kinder richtet. „Das wird eine spannende Zeit“, sagt Bresser. „Wir wollen das nicht nur negativ sehen, sondern schauen, was wir den Leuten bieten können“, fügt er hinzu.

Auch Dieter Hertel ist froh, dass er endlich wieder aufmachen kann. Er betreibt das Rex in Endenich und die Filmbühne in Beuel. „Die Heimat des Films ist das Kino“, sagt er. „Ich freue mich, dass der Film wieder dort spielen kann, wo er hingehört.“ In beiden Kinos sollen die Projektoren am 11. Juni wieder angehen. Bis dahin kommt noch einiges an Arbeit auf ihn zu. Bisher gab es keine Sitzplatzreservierungen, die sind nun notwendig. Sie technisch einzurichten, sei kein Problem. Er und seine Mitarbeiter müssen dafür aber noch Nummern an den Sitzen anbringen. Gäste können dann online oder telefonisch reservieren, auch einen Verkauf an der Kasse wird es geben.

Durch die neuen Regeln können nur noch 80 statt 330 Gäste ins Rex, in die Filmbühne nur 54 statt 180. Hertel sieht es aber relativ gelassen. „Im Sommer sind die Kinos eh nicht voll“, sagt er. Deswegen hält er die Auflagen für eine gewisse Zeit für vertretbar. Im Herbst, wenn mehr Menschen in die Kinos gehen, werde es aber dann schon kritisch. Er hofft, dass bis dahin der Mindestabstand von eineinhalb Metern auf einen Meter reduziert wird. Für ihn würde das bedeuten, dass neben einem besetzten Platz links und rechts nicht zwei, sondern nur ein Sitz frei bleiben muss. Außerdem könnte er dann jede Reihe besetzen und nicht nur jede zweite.

Für kleinere Kinos, wie er sie betreibt, ist Hertel optimistisch. Er habe ein sehr treues Publikum, das sich auch Filme anschaut, die schon ein paar Wochen alt sind. Die Verleiher hätten zudem einige kleinere Produktionen im Angebot, die er zeigen könne. „Aber die kommerziellen Kinos brauchen die Blockbuster.“ Um die macht er sich Sorgen. „Gerade kommen nur ganz wenige raus“, sagt er. Die Blockbuster würden in der Regel zuerst in den Staaten veröffentlicht. Damit seien die großen Kinos in Deutschland auch von der Lage dort abhängig. „Die Frage ist: Wann öffnen da die Kinos? Und bekommen sie das Virus unter Kontrolle?“, sagt Hertel. „Wenn nicht, werden die Kinos hier ausgeblutet.“