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Kirche Sankt Sebastian in Poppelsdorf: Schieferstücke lösen sich

Sankt Sebastian muss saniert werden : Schieferstücke fallen von Kirchturm in Poppelsdorf

Die Entdeckung verhieß nichts Gutes. Vom Turm der Kirche Sankt Sebastianus haben sich Schieferstücke gelöst. Eine Begutachtung zeigt, dass der Schaden größer ist als erwartet. Jetzt wartet die Gemeinde auf die Kostenschätzung für die Sanierung.

Im Nachhinein ist Pfarrer Bernd Kemmerling dankbar, dass zwei Schieferschindeln im Kirchgarten von Sankt Sebastian in Poppelsdorf ein Zeichen gaben. Zunächst habe man gerätselt, wo die wohl herkommen, aber dann wurde klar, sie waren ein Alarmsignal, dass mit dem Kirchendach etwas nicht in Ordnung ist. „Und es besteht durchaus die Gefahr, dass weitere Platten herabfallen“, sagt Kemmerling.

Also wurde direkt nach dem verstörenden Fund Mitte Juni als naheliegende Sicherheitsmaßnahme der Weg durch den Kirchgarten gesperrt. Die Schulkinder beispielsweise nutzen ihn als Abkürzung von der Kirschallee zur Clemens-August-Schule. „Die Entdeckung machten wir an einem Freitag, also haben wir aus Vorsicht auch die Gottesdienste am Wochenende abgesagt.“ Die Botschaft machte schnell die Runde, und um drei Ecken wurde daraus sogar das Gerücht, die Kirche sei einsturzgefährdet.

Tunnelgang zur Kirchenpforte

Wahr ist, die Turmhaube macht Sorgen. Schleunigst wurde eine erste Begutachtung mit Hublift und dem Einsatz einer Kamera-Drohne vorgenommen. Festgestellt wurde, dass die Schieferdeckung Unregelmäßigkeiten zeigt. Einige Schindeln fehlen, andere sind locker. Damit Gläubige nicht Gefahr laufen, am Kirchenportal von einem herabfallenden Schieferstück getroffen zu werden, wurde vorsichtshalber auch der Eingang gesperrt – zunächst einmal. Denn die gewohnten Messen sollten nicht auf Dauer ausfallen. Der hinzugezogene Architekt ließ als Schutzvorkehrung einen Tunnelgang zur Kirchenpforte bauen.

 Besucher können die Kirche geschützt von einem Gerüsttunnel erreichen.
Besucher können die Kirche geschützt von einem Gerüsttunnel erreichen. Foto: David Bongartz

Für eine detaillierte Schadensbilanz war eine weitere Besichtigung per Lift mit höherer Reichweite notwendig. Auch Pfarrer Kemmerling wollte mit eigenen Augen sehen, wie stark der Turm angegriffen ist. Der 62-Jährige überwand seine Höhenangst und ließ sich mit den Fachleuten in die luftige Höhe – immerhin über 70 Meter – heben. Zum einen bot sich ihm ein wunderschönes Panorama bis zum Kölner Dom, zum anderen wurde sichtbar, „dass der Schaden größer ist als erwartet“. Denn das Kreuz auf der Spitze und der aufgesetzte Hahn waren überhaupt nicht mehr standfest.

„Da war Gefahr im Verzug“, sagt der Pastor. Umgehend wurde beides abgebaut – keine einfache Sache bei einem drei Meter hohen Metallkreuz. Kemmerling wunderte sich, dass der Hahn Löcher hatte, und erfuhr von alten Poppelsdorfern, dass dies Einschüsse von Zielübungen der Amerikaner im Zweite Weltkrieg sein müssen.

Kirche steht unter Denkmalschutz

Wie geht es weiter? Auf jeden Fall haben die Untere Denkmalschutzbehörde und das Erzbistum ein Wörtchen mitzureden. Sankt Sebastian, im Baustil eine Mischung aus neoromanischen und neogotischen Elementen, steht unter Denkmalschutz. Chor und Mittelschiff wurden 1890 fertiggestellt, Joch und die Fassade mit Glockenturm 1908. Das Erzbistum trägt einen Teil der Finanzierung, den Rest die Kirchengemeinde.

„Wir haben Rücklagen für solche Fälle“, sagt Kemmerling. Aber ihm wäre wohler, wenn er bereits eine Kostenschätzung hätte. Die hängt zunächst von der Prüfung ab, ob das notwendige Gerüst von unten über die gesamte Kirchenfront aufgebaut werden muss, oder ob die Galerie unterhalb des Turms ein Gerüst tragen kann. Das wäre weniger aufwendig und damit kostengünstiger. Kemmerling würde sich zudem wünschen, dass die ganze Sache bis Weihnachten erledigt ist.