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Kirchenkreis Bonn beschließt Klimaschutzkonzept

Für Gebäude und Veranstaltungen : Kirchenkreis Bonn beschließt Klimaschutzkonzept

Mit einem 50.000 Euro teuren Umweltmanagement wollen die Bonner Vorreiter in der Landeskirche werden. Aber es gab auf der Synode auch Kritiker, die schnelleres Handeln forderten.

Das Fazit der zwei Vertreter von „Fridays for Future Bonn“ bei ihrem ersten Auftritt am Samstag auf einer Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bonn konnten die 81 Gemeindevertreter aus Bonn, Bornheim und Alfter durchaus als Kompliment auffassen. „Das kann ja richtig was mit Ihnen werden“, meinten Frederik Beyer, 16, und Max Bensberg, 21, und ließen sich nebst „Fridays for Future“-Flagge mit Superintendent Dietmar Pistorius ablichten. Der Kirchenkreis werde Mitglied im Netzwerk „Churches for future", beschlossen die Synodalen. Und man werde ganz praktisch die vom Klimawandel schwer betroffenen Menschen im tansanischen Partnerkirchenkreis unterstützen.

Da hatten die beiden Umweltaktivisten die zweitägige Synode schon mit klaren Worten zur Klimakrise und der daraus folgenden sozialen Ungerechtigkeit aufgerüttelt. Ihre Klimaschutzforderungen seien ja letztlich schon in der Bibel festgeschrieben, hatten Beyer und Bensberg argumentiert. „Und jetzt fordern wir Sie auf, Ihre Stimme in der Stadt auch dafür zu erheben. Werden Sie laut.“

Worauf die Synode mit ihrem Beschluss reagierte, in den nächsten Jahren für 50.000 Euro ein Umweltmanagement einzusetzen: Mit Hilfe eines Klimaschutzkonzepts sollen so alle Gemeindeprozesse von der Gebäudeentwicklung bis zum klimaneutralen Veranstaltungsmanagement strategisch geplant werden. Damit wolle Bonn „ein Vorreiter und Motor in der Evangelischen Landeskirche" werden, kündigte Pistorius an. In der lebhaften Diskussion meldeten sich jedoch nicht nur Stimmen zu Wort, die lobten, was im Kirchenkreis schon alles an Aktivitäten für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ geleistet wird. Kritisiert wurde durchaus, dass noch in viel zu wenigen kirchlichen Gebäuden praktisch gehandelt werde: etwa Gasheizungen abzuschaffen oder in Photovoltaikanlagen zu investieren. Eine Synodale nahm die Aufforderung der jungen Aktivisten auch insofern ernst, dass sie dazu aufrief, direkt vor Ort laut zu werden: gegen eine mögliche Sechsspurigkeit der Stadtautobahn A 565.

Ebenfalls fast einstimmig beschloss das Kirchenparlament dann, gemeinsam mit der Diakonie und der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit die zwei Koordinationsstellen für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer für weitere zwei Jahre mit 40.000 Euro pro Jahr fortzuführen. „Wir werden diese Arbeit noch lange brauchen", erklärte Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher. Wegen der Neuausgaben, aber auch für die Jugend- und Stadtkirchenarbeit vor der Kreuzkirche war aber bei der Verabschiedung des Doppelhaushalts erstmals eine Entnahme aus der Rücklage nötig. Doch beispielhaft für andere Kirchenkreise sei hier inzwischen die neue Fundraisingarbeit „zu einer festen Säule unserer Finanzierung geworden", lobte Pistorius.

Diskutiert wurde am Freitag in der Aussprache zum Superintendentenbericht auch die aktuelle Situation der Ökumene in Bonn nach der Terminkollision des evangelischen Reformationsgottesdiensts mit der katholischen Münstereröffnung (der GA berichtete). „Wir werden weiter auf Augenhöhe miteinander reden,“ versprach Pistorius. Und das von seiner Seite her „mit klarem evangelischen Profil“. Schließlich ging er auch auf die aktuelle Corona-Krisensituation ein. „Das dynamische Infektionsgeschehen wird uns Mitte der Adventszeit mit voller Wucht treffen, damit müssen wir verantwortungsvoll umgehen“, mahnte Pistorius. Die Presbyterien mögen sich auf das Szenario ebenso in Bezug auf die Weihnachtsgottesdienste vorbereiten.