Krischblüte in der Bonner Altstadt „Zuletzt war trotz des Wetters viel los – Die Stimmung war toll“

Bonn · Die Kirschbäume in Bonn stehen in voller Blüte – nur das Wetter spielt bislang nicht mit. Wie haben Geschäftsleute sowie Anwohnerinnen und Anwohner die ersten Tage der Kirschblüte erlebt? Wir haben in der Altstadt nachgefragt.

 Das gute Wetter an Ostern lockte zahlreiche Besucher zur Bonner Kirschblüte in die Bonner Altstadt.

Das gute Wetter an Ostern lockte zahlreiche Besucher zur Bonner Kirschblüte in die Bonner Altstadt.

Foto: Benjamin Westhoff

Vereinzelt fallen in der Bonner Altstadt noch Regentropfen von den Kirschbäumen. Menschen flanieren mit Handys und Kameras durch die Heerstraße und die Breite Straße und werfen sich vor den rosa Blüten in Pose. Vom angekündigten Regen lassen sie sich nicht aufhalten. „Das Wetter könnte ein bisschen besser sein, aber die Blüten sind wirklich schön“, sagen Pia Zimmermann und Lisa Denner. Für die beiden 20-Jährigen aus Bad Godesberg und Wachtberg stellt die Kirschblüte ein ganz besonderes Naturschauspiel dar. „Und es ist auch ein schönes Fotomotiv.“

Geschäftsleute ziehen unterschiedliche Bilanz

Victoria Harlos, Inhaberin der Leinwanddruckerei „Print & Paint“ an der Breite Straße, verkauft Touristinnen und Touristen, doch auch vielen Menschen aus Bonn, ihre Bilder von der Kirschblüte. „Ich habe mich gewundert, dass so viele Leute da sind, obwohl das Wetter schlecht ist“, berichtet die 50-Jährige. Sie fragt sich, wie lange die Blüten dem Regen noch standhalten können. „Die fangen ja schon an, langsam zu rieseln.“ Dessen ungeachtet freut sie sich auf Samstag: „Dann ist hier Flohmarkt.“

Das „Café Camus“ an der Breite Straße bleibt derweil am kommenden Samstag geschlossen. „Das ist zu viel“, erklärt Inhaber Basim Ghomorlou. Für ihn und sein Team sei die Zeit während der Kirschblüte ein regelrechter Marathon. „Dann ein bisschen Pause zu machen, ist für uns alle schön.“ Das Regenwetter macht dem 39-Jährigen keine Sorgen. Während der Kirschblüte sei unabhängig vom Wetter immer deutlich mehr los als sonst. „Unzufrieden sind wir nicht“, sagt er. „Es war bislang ganz normal. Aprilwetter kennt man ja.“

Ähnlich sieht das Fenja Niehof, eine Mitarbeiterin im „Love Your Local Store“ an der Breite Straße. „Zuletzt war trotz des Wetters viel los. Die Stimmung war toll“, berichtet sie. Auf das Wochenende blickt die 23-Jährige angesichts des angekündigten Sonnenscheins zuversichtlich: „Ich glaube, es wird richtig gut. Dann können wir die Türen offen halten, das macht immer viel aus.“

Kirschblüte in Bonn 2024: Bilder aus der Altstadt
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So schön ist die Kirschblüte 2024 in Bonn

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Foto: Benjamin Westhoff

Weniger positiv fällt unterdessen die Bilanz im „Banks van Liz“ an der Breite Straße aus. „Gemerkt haben wir das Regenwetter auf jeden Fall“, sagt die 32-jährige Inhaberin Lisa Zilch. „Wäre das Wetter ein bisschen wärmer und freundlicher, wäre momentan wahrscheinlich doppelt so viel los. Aber das kann ja noch kommen.“

Parkverbot und Sperrungen sorgen teils für Ärger

Auch für Anwohnerinnen und Anwohner ist die Bonner Kirschblüte eine Zeit des Ausnahmezustands. Zuletzt sorgte insbesondere das geplante Parkverbot in der Heerstraße und der Breite Straße bei einigen für Ärger. Auch Birgit Monschau und Marco Hermann aus Castell blicken kritisch auf das Parkverbot. „Wir haben Freunde in der Altstadt, die schauen müssen, wo sie dann parken. Aber ich glaube, für die Besucher ist es wesentlich schöner“, sagt Hermann. „Ich weiß auch nicht, ob das sein muss“, ergänzt Monschau. Zwar seien für die Anwohnerinnen und Anwohner vergünstigte Parkplatze in der Stadthausgarage und im Beethovenparkhaus reserviert - „aber gerade im Hinblick darauf, dass die Anwohnerparkausweise so teuer geworden sind, ist das schon ein bisschen ein Schlag in die Magengrube.“

Maricriz Memedovski findet die Sperrungen in der Altstadt schwierig. Ihr Mann fahre sonst immer mit dem Auto zur Arbeit, berichtet die an der Breite Straße wohnhafte 30-Jährige auf Englisch. „Nächste Woche hat er aber Urlaub, das ist gut“, sagt sie und lacht. Dass während der Kirschblüte so viele Menschen vor ihrer Haustür unterwegs sind, ist für die junge Mutter manchmal zu viel. Es sei aber auch schön zu sehen, wie sich die Besucherinnen und Besucher über das Spektakel freuten. Memedovski schaut sich die Bäume selbst immer wieder gerne an.

Auch Ursula Schönershoven freut sich jedes Jahr aufs Neue über die Kirschblüte. Die 80-Jährige lebt bereits seit 1981 in der Bonner Altstadt und hat miterlebt, wie die Stadt einst die Kirschbäume pflanzte und diese sich schließlich zum weltweiten Hype entwickelten. Genervt habe sie der Ansturm nie. „Ich habe das gerne“, sagt sie. „Es sind andere Leute da: bei schönem Wetter manchmal Brautpaare, und viele Kinder.“ Die Seniorin geht auch während der Kirschblüte gern in der Altstadt spazieren. Da sie kein Auto hat, stören sie das Parkverbot und die Sperrungen nicht. „Ich bin wunschlos glücklich. Ich bin froh, wenn ich Leute sehe. Morgens mache ich das Fenster auf und sehe die Blüten“, berichtet sie und lächelt. „Ich habe erst gedacht, dieses Jahr wird es wegen des Wetters nicht gut. Aber dann war es auf einmal doch wieder schön.“

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