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Kitas in Bonn: Nachfrage für Notbetreuung steigt

Familien in Bonn : Nachfrage für Notbetreuung in Kitas wächst

Das Land hat den Kreis der Eltern erweitert, die einen Anspruch auf Notbetreuung haben. Nun gehören auch Alleinerziehende dazu. In den Kitas ist das zu spüren.

Franziska Ziegler hat am Montag vor allem eins gemacht: telefoniert. Die Leiterin des evangelischen Kindergartens Kleiner Lukas am Kaiser-Karl-Ring sagt: „Die Anfragen nach Kinderbetreuung nehmen deutlich zu.“ Die Landesregierung hat per Verordnung am Freitag den Kreis jener ausgeweitet, die eine Notbetreuung während der Corona-Pandemie in Anspruch nehmen können.

Zu dieser Gruppe zählen nun etwa auch erwerbstätige Alleinerziehende. Ebenso wurde schon in der vergangenen Woche jener Berufskreis erweitert, der sich zur sogenannten kritischen Infrastruktur zählen darf. Waren das zu Beginn beispielsweise Pfleger, Ärzte, Busfahrer oder Apotheker so sind ihnen nun Mitarbeiter aus der Chemie-Produktion, der Textilwirtschaft und auch aus dem juristischen Bereich gefolgt.

Prüfungen erfordern viel Zeit

Die Prüfung dieser Angaben, für die eine Arbeitgeber-Bescheinigung vorzuliegen hat, erfordere viel Zeit, sagte Ziegler. Derzeit umfasse die betreute Gruppe etwa acht Kinder. Die Kita Kleiner Lukas werde ab einer Gruppengröße von mehr als zehn Kindern eine zweite Gruppe öffnen. Laut Ziegler sei die Betreuung derzeit zu bewältigen. Wenn weitere Kinder hinzukämen, würde es schwieriger: „Von insgesamt 13 Mitarbeitern dürfen bei uns derzeit fünf arbeiten. Die anderen gehören aus Altersgründen oder wegen Vorerkrankungen zur Risikogruppe.“

Die Stadt bemerkt einen deutlichen Anstieg der Nachfrage: „Es war eine kontinuierliche Steigerung der Besuchszahlen zu verzeichnen. Gegenüber dem Beginn der Notbetreuung hat sich die Zahl der betreuten Kinder etwa verdoppelt“, sagte Markus Schmitz aus dem Bonner Presseamt. Zum 23. April seien in Bonner Kitas 742 Kinder und bei Tagesmüttern und -vätern 79 Kinder betreut worden.

Zahl der notbetreuten Kinder in der Region steigt

Für die fünf Kitas in Bonn, Rheinbach und Sankt Augustin des Bonner Studentenwerks  haben die Koordinatorin Frances Peters weitere Anfragen erreicht, darunter auch welche von Alleinerziehenden. „Wir halten uns an die Empfehlungen der Leopoldina-Akademie und betreuen fünf Kinder in einer Gruppe“, erklärte Peters. Nun mehr Personal einzusetzen, sieht Peters nicht problematisch: „Viele stehen mir schon auf den Füßen. Sie wollen wieder das tun, was originär zu ihren Aufgaben zählt: erziehen.“

Gleiches gilt in Bad Godesberg: Wurden in zwölf von 13 Einrichtungen des katholischen Kita-Netzwerkes zu Beginn der Corona-Krise höchstens fünf Kinder betreut, hat sich die Zahl nun verdoppelt oder gar verdreifacht, sagt Kindergartenkoordinatorin Sonja Velten. Die schrittweise Öffnung der Kindergärten sei der richtige Weg. Denn: „Der Betreuungsrahmen ist sehr viel enger, als zum Beispiel in der Schule“, ergänzt ihr Kollege Niklas Mast-Jendrzewski. Von den rund 160 Mitarbeitern dürften derzeit circa 20 Prozent wegen Vorerkrankungen oder wegen ihres Alters nicht in den Einrichtungen arbeiten. Um Infektionsketten im Auge zu behalten, müssten kleinere Gruppen gebildet werden. Das aber bedinge einen höheren Personalschlüssel, erläutert Velten.

Es gelte: Alles, was umgesetzt werde, komme über das Jugendamt und das Ministerium. Von diesen Stellen fühle man sich gut informiert, sagt Velten. Und Mast-Jendrzewski sagt: „Wir stehen in engem Kontakt, sind aber selbst nicht die Entscheider. Wir machen das möglich, was wir möglich machen können.“