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Klimaschutz: Bonn soll mehr Solaranlagen bekommen

Stadt nimmt Bauherren in die Pflicht : Bonn soll mehr Solaranlagen bekommen

Der Bonner Umweltausschuss hat Fördertöpfe beschlossen, mit denen die Klimapolitik verbessert werden soll. Solaranlagen und Dachgrün stehen dabei im Fokus. Bauherren sollen verpflichtet werden, ab 2021 Photovoltaikanlagen zu installieren.

Mit einem Bündel von Maßnahmen bessert die scheidende Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP unmittelbar vor der Kommunalwahl 2020 in Bonn ihre klimapolitische Bilanz auf. Vor allem soll der Anteil von Solaranlagen im Stadtgebiet steigen. Dazu hat der Umweltausschuss maßgebliche Beschlüsse gefasst.

Einerseits sollen Bauherren verpflichtet werden, ab 2021 auf allen Grundstücken, die die Stadt veräußert, Photovoltaikanlagen auf den dort entstehenden Gebäuden zu installieren. Diese Pflicht gilt  sowohl für gewerbliche wie für Wohnimmobilien. Ausnahmen sind unter anderem möglich bei begrünten Dächern, einer alternativen Solarthermieanlage oder wenn sich kein Betreiber für die Anlage findet.

Mit einer Werbekampagne unter dem Titel „Solares Bonn“ soll die Stadtverwaltung in den kommenden drei Jahren bei Unternehmen und Privatleuten für die Solarenergie werben. Rund 2,6 Millionen Euro stellten alle Ratsfraktionen mit Ausnahme der Linken aus dem Haushalt der Stadt für das Vorhaben zur Verfügung.

Investoren sollen zudem mit einem stadteigenen Förderprogramm mit einem Finanzvolumen von einer Million Euro unterstützt werden. Anträge können für Anlagen gestellt werden, die auf Dächern oder an Fassaden im Stadtgebiet installiert werden, solange das nicht im Rahmen der oben genannten Installationspflicht geschieht. Bei einer Höchstleistung von je 1000 Watt werden jeweils 150 Euro Zuschuss gewährt, bis die Fördersumme aufgebraucht ist.

Das Potenzial für Solarenergie in Bonn an sich ist riesig. Wie das Solarkataster nachweist, könnte bei Nutzung aller geeigneten Dach-, Fassaden- und Freiflächen gut die Hälfte des in der Stadt verbrauchten Stroms aus Sonnenenergie gewonnen werden. Tatsächlich sind Solaranlagen aber kaum präsent. Derzeit stammt nicht einmal ein Prozent des Stroms aus hiesigen Photovoltaikanlagen.

Damit steht Bonn im bundesweiten Vergleich ziemlich abgeschlagen da. Deutschlandweit werden inzwischen 7,4 Prozent des verbrauchten Stroms aus Solarenergie erzeugt. Auch die Stadt selbst kommt in der Sache nur langsam voran. Wie eine Große Anfrage der Ratskoalition ergibt, hat das Städtische Gebäudemanagement seit März 2018 lediglich 13 städtische Neubauten vor allem den Stadtwerken zur Aufstellung von Solaranlagen angeboten. Elf Verträge seien geschlossen worden. Eine neu eingestellte Mitarbeiterin werde künftig aber auch Bestandsgebäude auf ihre Tauglichkeit überprüfen, heißt es in der Antwort der Stadtverwaltung.

Um die sommerliche Wärmebelastung in den dicht bebauten Bereichen der Stadt zu verringern, schlug die Verwaltung außerdem ein Programm zur Förderung von Dach- und Fassadenbegrünungen vor. Diese sind bei flachen und flach geneigten Dächern ab 200 Quadratmetern Fläche seit 2010 in Bonn bereits grundsätzlich Pflicht.

 Allerdings kann die Stadt das innerhalb bereits bebauter Ortsteile rechtlich nicht durchsetzen. 100.000 Euro Fördergeld sollen jetzt Bauherren überzeugen. Auch vorhandene Flachdächer auf Häusern, Garagen oder Carports können mit städtischer Hilfe bepflanzt werden. Die Entsiegelung überbauter oder wasserundurchlässig befestigter Flächen zu Grünflächen ist ebenfalls förderfähig.