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Koblenzer Tor in Bonn: Extinction Rebellion protestierte am Samstag

Demo am Koblenzer Tor in Bonn : Extinction Rebellion protestierte mitten auf der Straße

Mitglieder von Extinction Rebellion haben am Samstag die B 9 am Koblenzer Tor blockiert und fordern eine autofreie Innenstadt. Die Reaktionen der Autofahrer fielen sehr unterschiedlich aus.

Die Fußgängerampel über die B 9 am Koblenzer Tor schaltete auf Grün, aber die Autofahrer konnten nicht losfahren. Denn auf der Straße standen noch die Mitglieder der Bonner Extinction-Rebellion-Gruppe mit Spruchband, Schildern und Fahnen und hielten den Verkehr auf. Und die Polizei am Fahrbahnrand achtete nicht nur darauf, dass die Demonstranten sich bei ihrer „Swarming-Aktion“ nicht daneben benahmen, sondern sorgte auch dafür, dass die Autofahrer brav warteten.

Es war wieder der erste Samstag im Monat, Zeit für zivilen Ungehorsam, auch wenn es ein Feiertag war. Es ging den Rebellen um eine Verkehrswende. Eine autofreie Innenstadt forderten sie. „Der Beitrag des Autoverkehrs zu den Treibhausgasen ist in den letzten Jahren konstant geblieben und sogar angestiegen“, sagte Niko Froitzheim, der mit dem Megafon die wartenden Autofahrer darüber informierte, um was es den Demonstranten geht. Weitere Mitglieder gingen die Autoreihe ab und suchten das Gespräch mit den Leuten. Sie sperrten aber nur die Fahrbahn in Richtung Bertha-von-Suttner-Platz ab und achteten darauf, dass Fahrradfahrer nicht behindert wurden.

Die Reaktion der Autofahrer war sehr unterschiedlich. Zwei Männer aus Essen, die sich die Bonner Innenstadt anschauen wollten, warteten entspannt ab. „Wir haben Zeit“, sagte der Fahrer. Und mit der Zeit ging das Verständnis für die Aktion einher. Ein anderer Autofahrer hatte zumindest teilweise Verständnis, „im Großen und Ganzen, aber ich muss zur Arbeit“. Da saß er ein wenig auf heißen Kohlen, aber die Blockade hielt immer nur wenige Minuten an. Er sei Pendler von weiter weg und auf das Auto angewiesen, sagte er. Was eine autofreie Innenstadt betrifft, ist er eher skeptisch. Er fände es besser, wenn der Staat künftig mehr Zuschüsse für Elektroautos geben würde.

Dann gab es auch die Autofahrer, die demonstrativ die Fensterscheibe hochfuhren und die Musik lauter drehten, als die Extinction-Rebellion-Mitglieder auf sie zukamen. Andere versuchten, die Wartezeit durch Betätigen der Hupe zu verkürzen. Ein Pizzalieferant gestikulierte verzweifelt im Gespräch mit den Demonstranten, aber es half nichts, der Kunde musste warten. Und dann war da noch der 71-Jährige im Transporter, gebürtiger Ruhrpottler: „Ich rede Klartext.“ Er könne in seinem Alter nicht einfach auf ein Fahrrad mit Transportkasten umsteigen, und überhaupt könne man doch niemandem verbieten, mit dem Auto von A nach B zu fahren. „Das sind Spinner, die sollen mal aufwachen!“ Deutschland sei eben eine Autofahrernation. Aber er regte sich freundlich auf, Menschen aus dem Ruhrpott können das.

Sie hätten vereinzelt aggressive Reaktionen erhalten, sagten die beiden Rebellinnen, die die Autofahrer ansprachen. Überwiegend treffe man aber auf Verständnis, einige würden sich sogar entschuldigen, dass sie mit dem Auto unterwegs seien – wegen des Nieselregens. Aber es reiche nicht, auf der Seite der Klimaaktivisten zu sein, meinten sie. Eine autofreie Innenstadt sei möglich, sagte Froitzheim. „Andere Städte machen mutige Maßnahmen. Bonn hängt hinterher.“ Die Mitglieder setzten jetzt Hoffnungen in die grüne Oberbürgermeisterin Katja Dörner.

Die Aktion dauerte zwei Stunden und war bei der Polizei mit dem Ziel der Erregung von Aufmerksamkeit angekündigt. Die Beamten überwachten alles, mussten aber nicht maßgeblich eingreifen.