Nahverkehr im Visier Köln, Madrid, London: Terrorattacken auf Busse und Bahnen in Metropolen

BONN · Der Anschlagsversuch am Bonner Hauptbahnhof weckt unweigerlich Erinnerungen an das fehlgeschlagene Attentat auf zwei im Großraum Köln regional verkehrende Züge im Jahr 2006 und vor allem auf die verheerenden Attentate auf Pendlerzüge in Spanien sowie die Attentate von London 2005.

Bei der Explosion von vier Sprengsätzen starben in Spanien am 11. März 2004 über 190 Menschen. In London töteten vier Attentäter am 7. Juli 2005 bei einer Serie von Anschlägen in öffentlichen Verkehrsmitteln 52 Menschen und sich selbst.

Die sogenannten Kofferbomber von Köln hatten am 31. Juli 2006 in Rollkoffern versteckte Bomben in zwei Regionalbahnzügen deponiert. Ein Koffer befand sich im Regioexpress 1 von Aachen nach Hamm, die zweite in einer Regionalbahn von Köln nach Koblenz. Beide Bomben wurden entdeckt. Es stellte sich heraus, dass sie letztlich nicht sprengfähig waren.

Die im Zug nach Koblenz gefundene Bombe enthielt eine Elf-Liter-Flasche mit Butangas, 4,5 Liter Benzingemisch sowie eine Zündvorrichtung. Eine Untersuchung des Bundesamtes für Materialforschung ergab, dass die Bombe einen Feuerball von 15 Meter Durchmesser erzeugt hätten. Durch umherfliegende Metallsplitter wären Menschen im Umkreis von 100 Metern getötet oder verletzt worden.

Bei der Fahndung halfen der Polizei die Überwachungskameras am Kölner Hauptbahnhof. Beide Attentäter konnten so identifiziert werden. Der Libanese Youssef Mohamad al-Hajdib wurde am 19. August 2006 in Kiel festgenommen, sein Komplize Dschihad Hamad stellte sich unter dem Fahndungsdruck wenige Tage später im Libanon den Behörden. Hamad wurde dort zu zwölf Jahren Haft verurteilt, Al-Hajdid in Düsseldorf zu lebenslanger Haft.

Bei der Anschlagsserie in Spanien hatten die Täter am 11. März 2004 im morgendlichen Berufsverkehr in vier Pendlerzügen Sprengsätze gezündet. 191 Menschen starben dabei, etwa 1800 wurden verletzt. Bei einer Polizeirazzia drei Wochen später in einem Madrider Vorort sprengten sich die Täter vor dem Zugriff der Polizei in die Luft. Die Täter beriefen sich auf die Terrorgruppe Al-Kaida, die allerdings eine direkte Verantwortung für die Tat dementierte. Bei den Madrider Anschlägen handelte es sich um den schwerwiegendsten Terrorakt in Europa seit dem Lockerbie-Attentat 1988, bei dem ein Jumbojet zum Absturz gebracht worden war.

Im Jahr nach der Anschlagsserie in Spanien war der Nahverkehr in der britischen Hauptstadt London Ziel militanter Islamisten. Die Attentäter lösten am 7. Juli 2005 während des morgendlichen Berufsverkehrs Explosionen in drei U-Bahn-Zügen und einem Doppeldeckerbus aus. Die Bomben waren in Rucksäcken versteckt, die die Selbstmordattentäter bei sich trugen. Sie und 52 weitere Menschen starben, über 700 wurden teilweise schwer verletzt. Drei der vier Täter waren Briten pakistanischen Ursprungs, was eine Diskussion über die Radikalisierung von muslimischen Zuwanderern in Großbritannien nach sich zog.