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Kommunalwahl in Bonn: Oberbürgermeister-Kandidaten diskutieren

GA-Wahlpodium in Bonn : OB-Kandidaten für Bonn liefern sich einen Schlagabtausch

Die sechs Oberbürgermeister-Kandidaten haben auf Einladung des GA ein letztes Mal vor der Wahl teils kontrovers über Themen wie Verkehr und die Melbbad-Bebauung diskutiert. OB Ashok Sridharan fühlte sich irgendwann wie im Kreuzverhör.

Countdown im Kommunalwahlkampf der Bonner Oberbürgermeister-Kandidaten. Ein letztes Mal heißt es für sie: Bühne frei zum Schlagabtausch. Punkt 16 Uhr sitzen sie tatsächlich auf einer Bühne. Auf einer Kabarettbühne. Der General-Anzeiger hat zur Podiumsdiskussion ins Haus der Springmaus in Endenich geladen. Das Theater hat nach monatelanger Schließung seit dieser Woche wieder geöffnet. Anders als bei der Vorstellung wenige Stunden später bleibt der Saal allerdings ohne Publikum. Nur Techniker und Journalisten sitzen verteilt an den kleinen Tischchen, um die sich sonst das Publikum quetscht. Stattdessen laufen Kameras mit, die die Runde live im Internet übertragen.

Während vor der Tür der Berufsverkehr durch die Frongasse rauscht, nehmen Amtsinhaber Ashok Sridharan (CDU) und seine Herausforderer Lissi von Bülow (SPD), Katja Dörner (Grüne), Werner Hümmrich (FDP), Michael Faber (Linke) und Christoph Manka (BBB) Platz. Die Sitzordnung ist – fairnesshalber – ausgelost. Was für ein Zufall: Ausgerechnet Sridharan und Dörner sitzen in der goldenen Mitte nebeneinander. Nach einer Umfrage von Infratest Dimap könnte es zu einer Stichwahl zwischen Sridharan und Dörner kommen. Demnach würde keiner der OB-Kandidaten im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erzielen. Sridharan soll auf 39 Prozent kommen, auf Platz zwei sehen die Meinungsforscher Katja Dörner mit 26 Prozent.

Beim Thema Verkehr bilden sich zwei Lager

Apropos Verkehr. Ein Thema, das laut Umfrage den Bonnern am meisten auf den Nägeln brennt. So starten die Moderatoren – GA-Chefredakteur Helge Matthiesen und GA-Lokalchef Andreas Baumann – mit einem ganzen Strauß an Fragen zum Verkehr. Ein Thema, bei dem sich schnell zwei Lager bilden – wie man es auch aus den Debatten im Stadtrat kennt. Dörner und Faber würden die Innenstadt am liebsten autofrei sehen. Sridharan und Hümmrich plädieren für die Verkehrspartnerschaft mit Autofahrern.

Von Bülow fordert ein steuerfinanziertes ÖPNV-Ticket und Manka lässt an der bisherigen Verkehrspolitik kein gutes Haar. Um alle zu Wort kommen zu lassen, ist eine Redezeit von jeweils einer Minute vereinbart. GA-Mitarbeiterin Angelika Engel stoppt die Zeit und zeigt 15 Sekunden vor Ende dem jeweiligen Redner die gelbe Karte und die rote, wenn Schluss ist. Manka unterbricht seinen Redefluss, als er die gelbe Karte sieht. „Irgendwie irritiert mich das“, sagt er und lacht.

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Kultur und Finanzen: Der Ton wird schärfer

Beim Thema Wohnen verbünden sich – was Seltenheitswert hat – Linkskandidat Faber und der Liberale Hümmrich. Beide lehnen die umstrittene Bebauung am Melbbad ab. „Im Melbbad haben schon so viele Kinder ihre Sommerferien verbracht“, sagt Faber. Lissi von Bülow ist auch gegen Wohnungsbau am Melbbad. Anders als ihre Partei, was die Venusbergerin freimütig einräumt. Mittlerweile lässt die Disziplin nach. Die Redezeit wird teils kräftig überzogen. Von allen. Schließlich ist das Thema Wohnen auch ein Reizthema. Mangelt es doch – und das stellt keiner in Abrede – an preisgünstigen Wohnungen in Bonn.

Beim Thema Kultur und Finanzen wird der Ton schärfer. Baumanns Frage, warum die Stadt bisher nicht wie vom Rat beschlossen 3,5 Millionen Euro beim Theater eingespart habe, ärgert Sridharan sichtlich. Er reagiert empfindlich. Matthiesen mahnt, sich an die Redezeit zu halten. Auf die Frage nach dem Haushalt sagt Manka unter anderem, es sei viel Geld in die Gesamtschulen gesteckt, der Rest sei aber vergessen worden. Die Mienen der anderen lassen keinen Zweifel übrig: Da liegt Manka wohl ziemlich daneben. Das Thema Finanzen nutzen von Bülow, Dörner und Faber, Sridharan schlechtes Projektmanagement vorzuwerfen. Stichwort Residualkosten beim Urban-Soul-Projekt am Hauptbahnhof, was die Stadt Millionen kosten wird. Das ist der berühmte Stich ins Wespennest. Jetzt hagelt es an Kritik an Sridharan. „Ich komme mir wie in einem Kreuzverhör vor“, sagt der amtierende Verwaltungschef. Er verspricht: Kein Vertrag mehr, der nicht mindestens nach dem Vier-Augen-Prinzip abgeschlossen werden soll.

Mit Blick auf die Uhr beendet Matthiesen den Disput. Schließlich haben Leser über Facebook und per E-Mails Fragen geschickt. Warum das Meßdorfer Feld nicht bebaut wird, fragt einer. Da schmunzeln alle. Und die Einigkeit ist wieder hergestellt. Der größte Teil des Feldes steht unter Naturschutz. Und da darf nicht gebaut werden.