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Nachschlag bewilligt: Kosten für Oper und Schauspiel in Bonn steigen stetig

Nachschlag bewilligt : Kosten für Oper und Schauspiel in Bonn steigen stetig

Die Ausgaben für Oper und Schauspiel steigen stetig weiter. Der Stadtrat hat einen Tarif-Nachschlag von 186.000 Euro für die abgelaufene Spielzeit bewilligt. Experten sehen den Zuschussbedarf ab 2023 bei 33 Millionen Euro.

Die Zuschusskürzung beim Euro Theater Central steht seit langem im Raum. Hintergrund ist, dass die Stadt seit Jahren von der Bezirksregierung Köln immer wieder aufgefordert wird, ihre Kulturausgaben zu reduzieren. Die liegen bei rund 60 Millionen Euro im Jahr, wovon knapp 30 Millionen an Oper und Schauspiel fließen. Die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP sowie die Stadtverwaltung müssen die Ermahnungen aus Köln schon deshalb ernst nehmen, weil die Kommune – mit rund 1,7 Milliarden Euro verschuldet – im Haushaltssicherungsverfahren (HSK) steckt. Bis 2021, so die Vorgabe, müssen Ausgaben und Einnahmen ausgeglichen sein.

Zwar hat das städtische Theater unter Generalintendant Bernhard Helmich den Gürtel schon enger geschnallt. Harte Einschnitte trafen bisher aber nur kleine, private Einrichtungen: Das Frauenmuseum etwa, das Euro Theater Central und auch das Kleine Theater in Bad Godesberg, das die Förderung von rund 80.000 Euro verliert. In Godesberg will eine Gruppe um den früheren Generalintendanten Klaus Weise das Haus kaufen und den Betrieb fortführen.

Kämmerin wollte weitere Kürzungen

Wenn es nach Kämmerin Margarete Heidler gegangen wäre, hätte die Stadt in der freien Szene noch stärker gekürzt. Im Entwurf des aktuellen Doppelhaushalts war vorgesehen, die jährlich 2,54 Millionen Euro für alle freien Träger auf 2,4 und dann 2,26 Millionen Euro zu reduzieren. Das machte die Koalition allerdings nicht mit. Die kleinen, privaten Bühnen erreichen nach Angaben des Fachbüros Actori, das im Stadtauftrag mehrere Gutachten im Kulturbereich erstellt hat, etwa 400.000 Zuschauer im Jahr. Oper und Schauspiel kommen demnach zusammen auf rund 190.000 Besucher.

Eigentlich harrt noch ein Ratsbeschluss der Umsetzung, bei den Kulturkosten ab 2023 (nach Ablauf der Vertragslaufzeit für Generalintendant Helmich) 3,5 Millionen Euro zu kürzen. Bei Oper und Schauspiel, so die Actori-Gutachter, sei das aber nur mit massiven Abstrichen bei Qualität und Quantität zu machen. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat bei der Präsentation des Gutachtens bereits deutlich gemacht, dass er einen solchen Schnitt ablehnt. Entscheiden muss nun die Ratskoalition, wie sie mit dem eigenen Beschluss umgehen will.

Unterdessen steigen die Ausgaben für Oper und Schauspiel stetig weiter, da die Stadt die Tarifsteigerungen beim Personal voll zu übernehmen hat. Vor wenigen Tagen genehmigte der Finanzausschuss zusätzliche 186.000 Euro für die Spielzeit 2017/2018. Für die laufende Spielzeit ist eine Tarifsteigerung von rund 700.000 Euro geplant, die erfahrungsgemäß aber höher ausfallen dürfte. Nach Actori-Berechnungen steigt der Zuschussbedarf von Oper und Schauspiel bis 2023 auf rund 33 Millionen Euro.