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Last-Minute-Shopping in Bonn: Kostümkauf auf den letzten Drücker

Last-Minute-Shopping in Bonn : Kostümkauf auf den letzten Drücker

So voll wie zuerst gedacht ist es gar nicht. Gut, Schlangen gibt es an den Kassen des Kostümausstatters Deiters in den ehemaligen Bouvier-Räumen gegenüber dem Universitäts-Hauptgebäude sind an diesem Samstag vor Rosenmontag durchaus, aber das sei laut Filialleiterin Marion Stelmaczak vergleichsweise entspannt.

"Sie hätten mal am Mittwoch hier sein müssen", sagt sie und lacht. "Da standen die Menschen bis in den ersten Stock." Echte Jecken sind eben schon an Weiberfastnacht gerüstet und gewandet. Dennoch sind auch jetzt noch viele Kunden auf der Suche nach der passenden Verkleidung für den Höhepunkt der Karnevalszeit und bereit, im Schnitt zwischen 25 und 60 Euro dafür auszugeben.

Piraten, Matrosen und Indianer, die Klassiker eben - daneben trägt der Narr von heute laut Stelmaczak besonders gerne Bauarbeiter-Look oder Jetpiloten-Anzug, während die Frauen eher auf den Pfauenfeder-Look setzen würden. Oder auf ein Einhorn auf dem Kopf.

Die meisten Kunden kommen von außerhalb. Wochenends-Jecken, die extra für die Umzüge angereist sind. "Ich wohne inzwischen im Ruhrgebiet, aber ganz ohne Karneval, das könnte ich nicht", sagt Doris Butscheidt, die für sich und ihre Begleitung nach einem Clowns-Kostüm sucht.

Doch der Last-Minute-Kauf hat seine Tücken: Die Suche nach der richtigen Größe gestaltet sich schwierig, "und die Bob-Marley-Perrücken sind wahrscheinlich auch schon ausverkauft", seufzt Butscheidt. Noch größer ist die Herausforderung, wenn man ein ganz bestimmtes Outfit im Sinn hat.

"Wir suchen Schneewittchen", sagt ein Männerquartett, bestehend aus drei Zwergen und einem Bierfass. Beder, Florian und Nico sind nur für den Karneval aus Mittelfranken nach Bonn gekommen, Kumpel Norman gewährt ihnen Unterschlupf. Die Zwergen-Kostüme haben sie mitgebracht, jetzt fehlt noch die passende Verkleidung für Normans Frau Carolin. Doch die hat ihr Auge auf eine Flugbegleiterinnen-Uniform geworfen.

Egal - passt schon. Stewardess-Schneewittchen, eine Kombination ähnlich wie die Business-Barbie. In der fünften Jahreszeit kann man eben alles verkaufen. "Wir können auch nicht zu viel Zeit hier verbringen", erklärt Carolin, "eigentlich wollten wir zum Zug in Königswinter, aber den haben wir bereits verpasst, und jetzt wollen wir wenigstens hier in der Innenstadt noch richtig feiern gehen."

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Dabei kann auch das Motto wie das des Kölner Geisterzugs ("Däm Agrippina ze Ihre: Lans dr römische Muur") ein Grund für einen Kostümkauf in letzter Sekunde sein. "Ich habe erst gestern vom Motto des Geisterzugs erfahren und mir gedacht, dass ich mich ja dann passend verkleiden könnte", erklärt der Bonner Rolf Kewitz. Er sucht nach einem römischen Wams. Oder zumindest einem, das als solches durchgehen kann und zugleich potenziellen Frostbeulen entgegenwirkt.

Kein Wunder, dass Ganzkörperkostüme recht beliebt sind. Vor allem für Kinder: Simon und Jonas fühlen sich auf jeden Fall als Monster und Tiger pudelwohl. "Eigentlich haben wir mehr als genug Verkleidungen, aber ich habe meinen Söhnen versprochen, mal mit ihnen in ein großes Karnevalsgeschäft zu gehen", erklärt Mutter Catrin, die es vom Rheinland aus nach Schwaben verschlagen hat. "Da gibt es natürlich auch Fasching, aber wenn man die Wahl hat..."

Schließlich gibt es noch jene, die aus der Not heraus durch die fünf Etagen streifen: "Ich habe auf der Arbeit ein Kostüm an, aber das ist jetzt voller Haare", sagt Friseurin Thaja Nündel, "und das gilt auch für ein anderes. Also bin ich in meiner Pause mal kurz hier rüber gerannt."

Sie zeigt ein silbernes Pailettenkostüm. "So etwas hatte ich schon seit Jahren im Auge und bin nie dazu gekommen, es mir zu kaufen." Manchmal braucht es eben die richtige Motivation. Und ein bisschen Zeitdruck. Wer übrigens jetzt immer noch ohne Kostüm ist: Deiters hat auch Rosenmontag bis 18 Uhr geöffnet.