Zugvögel fliegen Richtung Südwesten Tausende Kraniche fliegen über Bonn und die Region

Bonn · Zu Tausenden sind Kraniche in den vergangenen Wochen über Bonn und die Region geflogen. Seit dem neuesten Kälteeinbruch fliegen wieder viele Kraniche weiter – aber auf einer anderen Route.

 Am Donnerstag (16.November) flogen Tausende Kraniche über Bonn und die Region, hier über Bad Honnef.

Am Donnerstag (16.November) flogen Tausende Kraniche über Bonn und die Region, hier über Bad Honnef.

Foto: Darius Stiels

Nach einem besonders aktiven Vogelzug mit Tausenden Kranichen über NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz in der Vorwoche fliegen aktuell weiterhin viele Kraniche in großen Verbünden in warme Regionen im Süden Europas. Darauf lassen die neuesten Meldungen von Vogelbeobachtern schließen. Die Kraniche über Deutschland ziehen aktuell vor allem über die sogenannte Hessen-Route Richtung Südwesten.

Laut Beobachtungen von mehreren Vogel-Interessierten haben sich wieder viele Kraniche auf den weiteren Weg in ihre Winterlager gemacht. Einen Grund für den der Weiterflug der Kraniche dürfte das kalte Wetter in Deutschland sein. Seit Mittwoch sind die Temperaturen deutlich abgesunken. Die Kältewelle veranlasst Kraniche dazu, ihre Rastplätze nach Pausen zu verlassen und weiterzufliegen.

Kraniche aktuell auf der Hessen-Route

Auf dem Portal Nabu-Naturgucker.de häuften sich am Mittwoch vor allem Meldungen aus Hessen. Harald Ristau, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Limburg-Weilburg, meldete beispielsweise um die 900 Kraniche, die über die Gemeinde Villmar an der Lahn Richtung Südwesten flogen. Damit reisten die Tiere etwa 100 Kilometer von Bonn entfernt und östlich von Koblenz über die sogenannte Hessen-Route. Auch weitere Vogelbeobachter hatten große Gruppen der Kraniche in dem Bundesland gesehen und teilweise mit Fotobeleg gemeldet. Die Gruppengrößen der Kraniche variierten dabei von einigen Dutzend Tieren bis hin zu großen Zuggruppen mit mehreren Hundert Vögeln. Nur wenige Kraniche wurden beim Überflug von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gesichtet.

Kraniche über Bonn in der Vorwoche gesichtet

In der vergangenen Woche erfüllte ihr trompetenartiges Geschrei den Himmel über Bonn und der Region. Das haben unter anderem Ornithologen vom NABU und von der nordrhein-westfälischen Ornithologengesellschaft mit Sitz in Bad Honnef beobachtet – und auch einige Menschen aus Bonn und der Region, wie die sozialen Medien zeigen. Wer die trompetenartigen Laute nicht zuordnen kann, erkennt die Züge der Kraniche an ihrer charakteristischen V-Formation, in der sie ihren Weg bestreiten. Auch am Freitagvormittag konnte man einzelne Vogelformationen über Bonn beobachten.

Die großen, grau-schwarzen Vögel, deren Flügelspannweite mehr als zwei Meter betragen kann, brüten in den wärmeren Monaten im Norden und Osten Deutschlands, in Skandinavien, dem Baltikum und in Russland. Nun sind sie auf dem Weg in ihre Winterquartiere in Spanien und Frankreich, erklärt Ornithologe Darius Stiels von der nordrhein-westfälischen Ornithologengesellschaft. Dabei würden sie bevorzugt eine Route wählen, die über Nordrhein-Westfalen und oft auch über Bonn führe. „Anders als andere Zugvögel fliegen die Kraniche nicht in einem Rutsch, sondern legen unterwegs Pausen ein“, sagt der Experte. Die Anzahl der Pausen hänge jedoch von den Wetterbedingungen ab – bei guten Bedingungen ohne Gegenwind können die Vögel problemlos hunderte Kilometer am Stück zurücklegen.

Fast 70.000 Kraniche könnten über NRW fliegen

Das nächste bekannte Rastgebiet der Vögel liegt in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Hier wurden in diesem Jahr rund 68.000 Kraniche gezählt, die allesamt weiter in den Süden ziehen werden oder schon gezogen sind. Von hier aus sind die Vögel am Donnerstagmorgen gestartet und ab vormittags über Bonn und die Region geflogen. Das nächste traditionelle Rastgebiet, das die Tiere wohl ansteuern, liegt am Lac du Der-Chatecoq in Frankreich unweit des Saarlandes.

Der Donnerstag sei ein „Massenzugtag“ gewesen, so Stiels. Er schätzt, dass bereits eine fünfstellige Zahl an Kranichen an diesem Tag über Bonn und die Region gezogen sei. „Die Zugbedingungen waren ideal“, meint er. „Die Nacht zuvor war kalt und am Vormittag gab es kaum Wind.“ Am Freitag seien die Bedingungen aufgrund des Regens nicht ganz so gut für die Vögel, weshalb es möglich sei, dass weitere Tiere eher einen anderen Weg wählen, beispielsweise über Aachen. Eine Regenfront aus dem Südwesten könnte bereits am Donnerstag einige Vögel zum Umkehren gezwungen haben. In der Eifel am Ulmener Jungferweihers hätten zudem einige Vögel eine wahrscheinlich ungeplante Rast eingelegt.

Mehr Kraniche über Bonn und der Region erwartet

Die ungünstigen Wetterbedingungen machen es schwierig, die erwartete Anzahl der Vögel über Bonn vorherzusagen. „Wir gehen aber davon aus, dass in den nächsten Tagen noch mehr Kraniche über Bonn zu sehen sein werden“, sagt Stiels. Am Freitag wurden schon einige Vögel gesichtet und gehört. Wer eine Formation beobachten kann, sollte einmal genau hinhören: Unter den Trompetenrufen der älteren Vögel könne man auch häufig ein höheres „Fiepsen“ vernehmen, das von den Jungtieren stamme.

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