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Sportstättennutzungsgebühr gefordert: "Kriegserklärung" an den Bonner Sport

Sportstättennutzungsgebühr gefordert : "Kriegserklärung" an den Bonner Sport

Der Vorschlag von Kämmerin Margarete Heidler zur Einführung einer Sportstättennutzungsgebühr stößt auf harsche Kritik des Stadtsportbundes.

Harsche Kritik muss sich Stadtkämmerin Margarete Heidler vom Stadtsportbund Bonn (SSB) gefallen lassen. Der SBB bezeichnet ihren Vorschlag, mittelfristig eine Sportstättennutzungsgebühr einzuführen, als „Provokation“ und „Kriegserklärung an den Bonner Sport“.

Die Kämmerin hatte im Zuge der Einbringung des Doppelhaushalts angekündigt, ab 2021 schrittweise eine Sportstättennutzungsgebühr einführen zu wollen (der GA berichtete). „Die Stadt bekommt bei der laufenden Sportentwicklungsplanung gerade schwarz auf weiß bescheinigt, dass Bonn im Bundesdurchschnitt zu den Städten gehört, deren Sportstätten den schlechtesten baulichen Zustand aufweisen. Und statt alles zu tun, das schnellstmöglich zu ändern, will man nun noch eine Sportstättennutzungsgebühr einführen“, kritisierte SSB-Vorsitzender Michael Scharf. „Es geht auch um eine Frage des Respekts.

Da sitzt man regelmäßig mit dem Beigeordneten und der Amtsleitung zusammen, um Probleme im Sinne des Sports zu lösen, und dann bekommt man urplötzlich eine Ankündigung um die Ohren geschlagen, die eine Vielzahl von Vereinen vor existenzielle Probleme stellen kann“, so Scharf. Der SSB habe angeboten, der Stadt beim Sparen zu helfen, indem städtische Anlagen unter Vereinsregie geführt werden sollten. Dieser Prozess sei allerdings gescheitert, weil bisher keine transparente Zahlen auf dem Tisch lägen. „Der Sport hat immer betont, gesamtstädtisch Verantwortung übernehmen zu wollen“, so Scharf, Bisher sei die Stadt darauf nicht eingegangen. Er erinnerte auch an an die Situation vor sechs Jahren, als die Verwaltung schon einmal eine Sportstättennutzungsgebühr einführen wollte. „Unsere Vereine mit ihren knapp 100 000 Mitgliedern haben sich damals innerhalb kürzester Zeit solidarisch zusammengeschlossen und sind gegen dieses Ansinnen auf die Straße gegangen.“ Die Gebühr kam nicht.

CDU-Vizefraktionschef Georg Fenninger hatte erst aus der Haushaltsrede Heidlers von dem Vorschlag erfahren: „Das ist völlig unausgegoren“, kanzelte er ihn umgehend ab. FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich sagte: „Das werden wir nicht unterstützen. Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis.“ Gegenwind bekommt Heidler auch von der Linksfraktion. „Unsere Fraktion lehnt die Einführung einer Nutzungsgebühr für Sportstätten ab“, sagte Tobias Haßdenteufel. Denn die Gebühr zahlten letzten Endes die Vereinsmitglieder.

Die SPD-Fraktion habe die Sportstättennutzungsgebühr stets kritisch gesehen. Das werde sich allein aus sozialen Gründen eher nicht ändern, sagte deren sportpolitische Sprecherin Gabi Mayer. Dennoch müssten die freiwilligen Leistungen finanzierbar sein. „Ein gegeneinander Aufwiegen von unterschiedlichen Bereichen führt zu einer Neiddebatte und Spaltung der Stadtgesellschaft. Das machen wir nicht mit“, sagte sie und erinnerte an den damaligen Streit zwischen Sport und Kultur.

„Wir sind der Meinung, dass auch der Sportbereich seinen Sparbeitrag zur dringend notwendigen Haushaltskonsolidierung beitragen muss“, erklärte Johannes Schott (BBB). Ob die Sportstättennutzungsgebühr der richtige Weg ist, müsse geprüft werden.