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Kriminalstatistik in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis: Entwicklung der Zahlen im Überblick

Kriminalstatistik 2020 : So hat sich die Zahl der Straftaten in Bonn und der Region entwickelt

In NRW und in Teilen des Rhein-Sieg-Kreises ist die Zahl an Straftaten im Jahr 2020 gesunken, im Bereiche des Polizeipräsidiums Bonn hat sie zugenommen. Wir zeigen, wie die Zahlen sich entwickelt haben, wo es Auffälligkeiten gibt und wie die Polizei das Thema Kinderpornografie weiter in den Fokus nimmt.

Weniger Raub und Wohnungseinbruch, mehr Diebstahls- und Betrugsdelikte: Die Corona-Pandemie spiegelt sich auch in der Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Bonn wieder. Entgegen des NRW-Trends haben die Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um etwa 1800 zugenommen und bewegen sich mit insgesamt 37073 Fällen etwa auf dem Niveau des von 2018. Besonders auffällig ist die Anzahl der Sexualdelikte, was vor allem an der erfolgreichen Bekämpfung von Kinderpornografie liegt. „Dieser Bereich wurde bei uns personell und materiell erheblich verstärkt. Das führt zu einer intensiveren und schnelleren Bearbeitung der Straftaten und zeigt erste Erfolge“, sagte Bonns Polizeipräsident Frank Hoever bei einer Pressekonferenz am Montag.

Kinderpornografie künftig Schwerpunkt bei der Polizei

Kinderpornografie ist bei der Bonner Polizei künftig ein Schwerpunktgebiet. Seit dem vergangenen Jahr wurde die Ermittlungsgruppe für Sexualdelikte auf 19 Mitarbeiter verstärkt, neun davon sind auf kinderpornografische Inhalte spezialisiert. 182 Fälle wurden 2020 aufgedeckt, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Für den Bonner Kripo-Chef Achim Spröde ist das vor allem der Polizei zu verdanken: „Je intensiver wir uns damit beschäftigen, desto mehr Querverbindungen entdecken wir.“ Dabei gehe es weniger um organisierte Netzwerke, sondern vielmehr um die Auswertung von Datensätzen, die dann zu neuen Verdächtigen führten. Spröde weist dennoch darauf hin, dass das Dunkelfeld weiterhin riesig sei. „Aber es wird kleiner.“ Mittlerweile komme es zudem immer häufiger vor, dass Jugendliche und Kinder selbst Nacktfotos machten und über das Handy verschickten. „Eltern sollten ruhig mal gucken, was ihre Kinder verbreiten.“ Spröde geht davon aus, dass die Zahl der Delikte in den kommenden Jahren steigen werde. Bald würden landesweite Ermittlungen an die Polizeipräsidien weitergegeben, mehr als 3000 Fälle liegen noch beim Landeskriminalamt. Bei sexuellem Missbrauch sind die Fallzahlen rückläufig, um 23,9 Prozent auf 140 Fälle.

Noch nie gab es so viele Diebstähle aus Keller- und Abstellräumen. 892 Fälle wurden registriert, 536 mehr als 2019. Hoever sieht einen direkten Zusammenhang mit der Corona-Pandemie: „Es dürfte sich dabei größtenteils um Beschaffungskriminalität handeln.“ Autos zu entwenden (hier nahmen die Fälle um fast 26 Prozent ab) oder in Wohnungen einzubrechen sei immer schwieriger geworden, ein Bretterverschlag mit Schloss im Mehrfamilienhaus sei ein leichteres Hindernis. „Und man kann dennoch hochwertige Beute machen, zum Beispiel teure E-Bikes.“ Die Aufklärungsquote ist mit 5,7 Prozent gering, die Täter bleiben meist unerkannt.

Einbrüche in Wohnungen gehen zurück

Wohnungseinbrüche sind zurückgegangen und scheitern immer häufiger im Versuch. 1213 Fälle gab es 2020, der traurige Höhepunkt wurde 2013 mit 2700 Fällen erreicht. Rund 57 Prozent der Einbrecher lassen von ihrem Vorhaben ab. Achim Spröde führt unter anderem auf gute Aufklärungsarbeit und mehr Wachsamkeit zurück. Nachbarn würden besser aufeinander achten, das gekippte Fenster werde beim Verlassen der Wohnung geschlossen. Zudem seien viele Menschen coronabedingt zu Hause geblieben.

 Während in NRW die Straftaten 2020 gesunken sind, haben sie im Bereiche des Polizeipräsidiums Bonn zugenommen. Besonders auffällig ist die Anzahl der Sexualdelikte.
Während in NRW die Straftaten 2020 gesunken sind, haben sie im Bereiche des Polizeipräsidiums Bonn zugenommen. Besonders auffällig ist die Anzahl der Sexualdelikte. Foto: GA

Betrugsdelikte haben um 18,7 Prozent zugenommen. „Die Kriminalität verlagert sich ins Internet“, sagte Hoever. Es hätte viele Fälle gegeben, bei denen online in Fake-Shops bestellt und bezahlt wurde, aber die Ware nie ankam. Der Warenbetrug stieg von 500 auf 705 Fälle.

Älteren Menschen um ihr Erspartes zu bringen, ist weiterhin ein lukratives Geschäft für Betrüger. Sie lassen sich immer neue Maschen einfallen, vom Enkeltrick, über falsche Polizisten bis zu vermeintlichen Corona-Impfungen. 2800 Fälle gab es im vergangenen Jahr in Bonn, 2500 waren es 2019. Laut Höver waren zwar nur 28 Betrüger erfolgreich, dabei wurde jedoch ein Schaden von rund drei Millionen Euro verursacht. Die Polizei arbeite deshalb weiterhin verstärkt mit Partnern wie Banken zusammen, um ältere, aber auch jüngere Menschen zu sensibilisieren. „In Hamburg gab es einen Slogan, der mir gefiel: ‚Rettet euer Erbe‘.“ Er geht davon aus, dass viele Fälle nicht bekannt werden, weil Opfer sich schämen.

Neues Deliktsfeld: Unbefugter Gebrauch von Fahrrädern

Ein Deliktsfeld, das erstmals aufgefallen ist, ist der unbefugte Gebrauch von Fahrrädern – was an den Leihrrädern von Nextbike liegt. Anders als beim Diebstahl werden sie nicht gestohlen, sondern ihre Schlösser aufgebrochen und damit herumgefahren. 230 Fälle wurden angezeigt, 2019 waren es gerade einmal zehn.

Die Straßenkriminalität, die laut Hoever maßgeblich für das Sicherheitsgefühl der Bürger ist, bewegt sich seit drei Jahren bei rund 10.000 Delikten und ist leicht zurückgegangen. Darunter sind Straftaten zu verstehen, die sich überwiegend auf öffentlichen Straßen und Plätzen abspielen.

Immer weniger Polizisten werden angegriffen. 251 Fälle registrierte man, was einem Rückgang von 16 Prozent entspricht. „Ob das mit unserer Respekt-Kampagne zu tun hat, können wir noch nicht sagen“, so Hoever. Man müsse nun abwarten, ob sich dieser Trend fortsetze.

Während die leichten Körperverletzungen weniger werden, haben die gefährlichen und schweren Körperverletzungen stark zugenommen, um 20,6 Prozent auf 1051 Fälle. „Die Gründe ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Achim Spröde. Allerdings gebe es ein geändertes Anzeigenverhalten. Die Bürger seien sensibler für Gewaltdelikte geworden und nähmen sie nicht mehr so einfach hin.

Die Zahl der Rauschgiftdelikte ist seit drei Jahren auf einem ähnlich hohen Niveau, 2020 gab es 2268 Fälle. Ebenso hoch ist die Aufklärungsquote von knapp 90 Prozent. Die Polizei machte immer wieder Razzien, die auch über die Grenzen des Polizeipräsidiums hinausgehen. Ein wichtiger Bestandteil sei die Ermittlungsgruppe Tannenbusch, die laut Hoever auch weiterhin bestehen soll.

Entwicklung der Straftaten auf dem Gebiet der Kreispolizei Rhein-Sieg

Die Straftaten sind im Gebiet der Kreispolizei Rhein-Sieg im Jahr 2020 gesunken, die Aufklärungsquote ist gestiegen. Trotz positiver Zahlen nutzten Landrat Sebastian Schuster und Direktionsleiter Dirk Schuster die Pressekonferenz zur Kriminalstatistik am Montag zur eindringlichen Warnung vor Betrügern. Die Hälfte aller bekannt gewordenen Betrugsstraftaten, die oft zu Lasten älterer Menschen gehen, wird von Tätern aus dem Ausland verübt. Falsche Polizeibeamte und Anrufer, die Senioren mit dem sogenannten Enkeltrick um Wertsachen und Erspartes bringen, waren im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizei 32 Mal erfolgreich. Außerdem gab es 760 Versuche.

Neu ist, dass sich die Täter auch die Angst vor der Corona-Pandemie zunutze machen und Senioren mit angeblich verfügbaren Impfangeboten betrügen. Die Polizei hingegen hatte es im vergangenen Jahr schwerer, weil sie kaum Präventionsveranstaltungen anbieten konnte. Sie verteilt deshalb ihr Infomaterial im Ruhebereich des Impfzentrums in Sankt Augustin an ihre Zielgruppe. „Sprechen Sie mit Angehörigen über die Maschen der Betrüger“, appellliert Landrat Schuster an die Bürgerinnen und Bürger. Sind die Täter erfolgreich, geht damit bei den Opfern oft nicht nur ein hoher materieller Schaden einher. „Die Menschen verlieren auch ihren Glauben an ihre Eigenständigkeit und an die Gesellschaft“, sagte Kriminaldirektor Schuster.

Es gab aber auch einen Ermittlungserfolg: Den Fall einer 85-Jährigen aus Sankt Augustin, der im August 2019 angezeigt wurde, konnte die Polizei im vergangenen Jahr lösen. Betrüger hatten über einen früheren Teppichkauf Kontakt zu der Seniorin gesucht. Ende Oktober 2020 kam es unter Federführung der Polizei Siegburg zu überregionalen Durchsuchungen und Festnahmen. Der Tätergruppe konnten 23 Delikte mit einem Gesamtschaden von mehr als 400.000 Euro zugeordnet werden, die Polizei stellte Luxusuhren, Bargeld und Teppiche im Wert von 118 000 Euro sicher. Drei Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Generell sei die Gefahr, im Rhein-Sieg-Kreis Opfer einer Straftat zu werden, um ein Drittel geringer als im NRW-Landesdurchschnitt, berichtete der Direktionsleiter. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Straftaten um vier Prozent zurück. Insgesamt wurden 16.891 Straftaten registriert, 8907 Fälle wurden aufgeklärt. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren es im Zuständigskeitsgebiet der Kreispolizei, dem rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis ohne Königswinter und Bad Honnef, noch 23 114 Straftaten.

  • Wohnungseinbrüche: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist seit 2014 stetig gesunken. In der aktuellen Statistik tauchen 463 Fälle auf, im Jahr 2019 waren es noch 519. „Durch vielfältige Maßnahmen und Schwerpunktsetzung konnte eine massive Steigerungsphase mit einem Spitzenwert von 1276 Taten im Jahr 2014 umgekehrt werden“, freute sich Landrat Schuster. Laut Dirk Schuster war der Schwerpunkt der Polizeiarbeit so erfolgreich, dass das Sicherheitsprogramm 2020 auf die Bekämpfung von Gewalt- und Straßenkriminalität umgestellt werden konnte.
  • Straßenkriminalität: Zur Straßenkriminalität gehören nicht nur Graffiti und Sachbeschädigung, sondern auch Fahrraddiebstähle, die alleine im vergangenen Jahr einen Schaden von 774.510 Euro verursacht haben. Die im Sommer 2020 gegründete Einsatzgruppe Pedale konnte aber bereits erste Erfolge verbuchen. Jeder fünfte Fahrraddiebstahl wurde aufgeklärt. Die Beamten kamen durch Kaufangebote auf Ebay-Kleinanzeigen einer Tätergruppe auf die Spur, die vor allem an Bahnhöfen rund um Troisdorf 80 hochwertige Fahrräder gestohlen hatte. „Der Wert der gestohlenen Fahrräder ist insgesamt deutlich gestiegen. Er lag im Durchschnitt bei 924 Euro“, berichtete Dirk Schuster.
  • Internetkriminalität: Hier verzeichnet die Kreispolizei im Jahr 2020 eine Zunahme von 5,6 Prozent. Von 301 Delikten wurden 81 aufgeklärt. „Die Kriminalität verschiebt sich von der Straße ins Netz“, erklärte Dirk Schuster. Deshalb rüstete die Polizei auf und schaffte drei neue Stellen zur Sicherung aus Auswertung von Datenträgern.
  • Gewaltdelikte: Hier liegt die Zahl der Straftaten seit Jahren konstant bei etwa 600 Delikten pro Jahr, im Jahr 2020 waren es 625. Die häusliche Gewalt ist im Corona-Jahr nur unwesentlich von 58 auf 59 Fälle gestiegen.
  • Kinderpornografie: Hier steigen die Zahlen seit 2016 (19 Fälle) deutlich an, 2020 gab es 67 Fälle. „Wir haben im vergangenen Jahr eine Sonderkommission eingesetzt und wollen diese Straftaten mit Nachdruck und Schnelligkeit verfolgen“, sagte der Direktionsleiter. Die Kreispolizei arbeite eng mit dem Landeskriminalamt zusammen. Die Aufklärungsquote bei Kinderpornografie ist hoch, weil die Täter oft Spuren im Netz hinterlassen, sie lag 2020 bei 92,5 Prozent. Es gibt auch immer wieder Fälle, in denen Kinder und Jugendliche selbst zu Tätern werden, wenn sie Bilder und Videos weiterleiten. Für die Polizei ist wichtig, dass auch solche Fälle gemeldet und nicht aus Scham gelöscht werden. Nur so kann sie Jugendliche gezielt schulen. „Ignorieren ist immer das Schlechteste“, so Schuster.
  • Besondere Fälle: Die Polizei konnte den Foltermord an einem Mann in einer Lohmarer Unterkunft aufklären, die beiden Täter wurden kürzlich zu langen Haftstrafen verurteilt. Der Prozess zum Mord in Eitorf läuft noch. Nach einer Serie von Bränden in Niederkassel-Lülsdorf ermittelte die Polizei einen 38-Jährigen, der die Taten aus Frust und Alkoholsucht begangen hatte. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auch fünf Tatverdächtige, die 13 Raubüberfälle auf Tankstellen und Spielhallen im Rheinland verübt haben sollen, gingen den Beamten ins Netz, ebenso wie Kokainhändler in Sankt Augustin.
  • Opferschutz: Die Opferschutzbeauftragten der Kreispolizei haben im vergangenen Jahr 3803 Personen erreicht, davon waren 263 Opfer von Straftaten und weiteren Unglücksfällen. Sie betreuten unter anderem eine Frau, die von ihrem ehemaligen Lebensgefährten über Stunden misshandelt worden war. Außerdem mehrere Opfer von Betrügern: Bei einem falschen Gewinnversprechen verlor der Geschädigte 40.800 Euro. Ein Liebesbetrüger, angeblich Arzt der Vereinten Nationen im Jemen, erbeutete von einer Frau 74.050 Euro. Eine 80-Jährige übergab falschen Polizeibeamten Goldschmuck im Wert von 18.000 Euro. Auch für ein Opfer des Enkeltricks waren die Opferschutzbeauftragten da. Der Geschädigte hatte einen Anruf erhalten, in dem behauptet wurde, seine Tochter haben bei einem Verkehrsunfall einen Menschen getötet und könne nur durch eine Kaution vor dem Gefängnis bewahrt werden. Der Mann übergab den Betrügern 32.000 Euro. Diesen Tricks sagt die Polizei 2021 den Kampf an.