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Löschen von Elektrobussen: „Kühlen, bis der Arzt kommt“

Löschen von Elektrobussen : „Kühlen, bis der Arzt kommt“

Auf der Beueler Feuerwache demonstrierte Markus Weber von den Bonner Stadtwerken, was im Havariefall beim Löschen der neuen Elektrobusse zu beachten ist. Den die Hochvoltanlage birgt besondere Gefahren.

Auch die Feuerwehr muss sich regelmäßig an Neues gewöhnen. Normale Busse – also solche mit Verbrennungsmotor – zu löschen ist ja Routine. Aber auch dieser Fahrzeugbereich geht mit der Zeit: Drei elektrisch betriebene Gelenkbusse haben die Bonner Stadtwerke seit 15. März in Betrieb, vier Standardbusse werden voraussichtlich in der zweiten Aprilhälfte folgen. Und da gibt es aus Brandschutzsicht einiges Neues zu beachten. Auf dem Gelände der Beueler Feuerwache stellte Markus Weber vom Werkstattteam des Verkehrsbetriebes vor, was es dabei zu beachten gilt.

Maximale Sicherheit von Kunden, Personal und Rettern stehe im Vordergrund, sagte Weber, der selbst auch Freiwilliger Feuerwehrmann ist. Und dafür muss man wissen: Die Elektrobusse fahren mit Hochvoltleitungen. Die arbeiten mit 600 bis 700 Volt und können im Ernstfall gefährlich werden, erklärte Weber einigen Feuerwehrleuten der Wache. Deshalb sei es immer wichtig, im Falle einer Havarie zunächst die Hochvoltanlage zu trennen. Er zeigte ihnen, wie man das an einem Schalter an der Außenseite des Busses auf Fahrerhöhe macht.

„Der zweite neuralgische Punkt, um die Anlage zu trennen, ist die Batterie.“ Die sei immer temperatur- und spannungsüberwacht, werde im Sommer gekühlt und im Winter aufgeheizt, und bei einer Störung schalte sich das System eigentlich selbstständig ab. Dass die Batterien in sicheren Boxen verkapselt sind, bezeichnete Weber als ein Problem beim Löschen. Deshalb solle man viel Löschwasser verwenden „und kühlen, bis der Arzt kommt“. Oder vielmehr ein Bergungsunternehmen, das den Bus zu einem Quarantäneplatz bringt. Die Hitzeentwicklung müsse mit Wärmebildkameras im Blick behalten werden. Eine wichtige Regel: Alles, was im Innenleben der Bustechnik orange ummantelt ist, ist Hochvolt.

Passagiere schützt man am besten, indem man sie evakuiert. Manchmal ist das bei schwer verunfallten Personen nicht möglich. Rettungskräften stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um die Bustüren von außen zu öffnen: Eine an der Front des Busses und eine an der vorderen Einstiegstür. Sind die Türen offen, ist das Vorgehen Standard: Feststellbremse betätigen, Zündung aus- und Warnblinker einschalten, den Antrieb deaktivieren und sicherstellen, dass im Fahrzeug kein Strom mehr fließt.

Hauptlast der Batterieanlage liegt auf dem Dach des Busses

Es gab für die Feuerwehrleute noch weitere wichtige Hinweise. Die Elektrobusse, die bis zu 200 Kilometer ohne Aufladen fahren können, sind schwerer als die herkömmlichen – die Batterieanlage nimmt alleine 4,5 Tonnen Gewicht ein. Die Hauptlast liegt bei den Modellen, die die Stadtwerke angeschafft haben, auf dem Dach. Deshalb müsse man, wenn man Seitenscheiben herausnimmt, darauf achten, dass das Dach an der Stelle gestützt wird. Aus dem gleichen Grund müsse man bei den Niederflurfahrzeugen auch immer für eine Abstützung sorgen, wenn man unter dem Bus arbeiten müsse, erklärte Weber. Darüber hinaus stellten die Reifen mit einem Luftdruck von 8,5 bar bei großer Hitzeentwicklung eine Gefahr dar. Wenn die platzen, könnte es für den, der daneben steht, tödlich enden.

Die Zusammenarbeit zwischen SWB und Feuerwehr empfanden beide Seiten als wichtig. Etwa im Falle der Hochvoltleitungen, sagte Eric Lambertz, Aus- und Fortbildungsleiter der Feuerwehr, müsse man ja wissen, wo man schneiden kann und wo besser nicht. Er betonte aber: „Die Brandwahrscheinlichkeit ist bei Elektrobussen nicht höher als bei den normalen.“

Und was kann man als Passagier eines havarierten Elektrobusses tun? Das Gleiche wie in einem normalen Bus, sagten Weber und Lambertz: „Auf die Anweisungen des Busfahrers hören.“ Dessen Priorität sei es, die Menschen zu evakuieren. Und für den schlimmsten Fall sind die Scheiben ganz klassisch als Notfallausstieg markiert.