Museumsmeilenfest in Bonn Kultur zum Mitmachen

BONN · Etwas merkwürdig ist das Schild mit der Aufforderung schon: "Schreien Sie den Schrank an." Misstrauisch beäugen ein paar Erwachsene das klobige Ding, das in einer Ecke steht - vorsorglich einen Sicherheitsabstand wahrend. Nur die Kinder sind schließlich mutig genug, mit ihren hellen Stimmen die Akustik in der Eingangshalle des Kunstmuseums zu erproben und der merkwürdigen Anweisung nachzukommen.

Noch merkwürdiger ist allerdings, dass der Schrank ihnen prompt antwortet mit Licht, Gestöhne und Gepolter. Und das ist bei weitem nicht die einzige Kuriosität, die dem Besucher des 19. Museumsmeilenfestes von Fronleichnam bis zum Sonntag geboten wurde.

Wer auf den Hof des Kunstmuseums kommt, sieht sich einer Art überdimensionalen Puppenhaus gegenüber; lange Schlangen von Besuchern drängen sich in das "Narrow House", einer gewissermaßen gepressten Nachbildung des Elternhauses des Künstlers Erwin Wurm. Nicht weniger surreal muten auch die Akrobaten an, die in neongrünen und gestreiften Ganzkörperanzügen in mitten von Biertischen, einem Kinderkarussell und Essensständen Verrenkungen vorführen, mit Messern hantieren und dabei von einem schwarzgekleideten Riesen auf Stelzen umkreist werden.

Claudia und Stella gefällt das bunte Treiben: "Die Kultur ist in Bonn eher rückläufig, seit es die Rheinkultur nicht mehr gibt. Da ist das Museumsmeilenfest doch super, es ist interessant, nicht so voll und auch noch umsonst". Besonders gefallen hat den beiden das Irokesen-Langhaus. Architektin Karla Krieger hat daran mitgewirkt, sie gibt auch Führungen durch den Garten und zum Naturverständnis der Irokesen. "Uns war es wichtig, etwas mit den Irokesen zu machen, nicht über sie. Was nützt es, etwas über eine fremde Kultur nur zu lesen? Man muss es richtig erleben", findet sie.

Überhaupt stand das Mitmachen im Mittelpunkt des Museumsmeilenfestes: Ob eine Führung mit einer lebenden Schlange oder ein Tierquiz wie im Museum Koenig oder die Fahrt im typisch gelben amerikanischen Schulbus und den 40. Geburtstag der Sesamstraße wie im Haus der Geschichte - überall bemühte man sich, Wissen sinnlich erfahrbar zu machen, gerade für die kleinen Besucher. Das Konzept kam an. Oliver Schröder vom Haus der Geschichte zieht eine positive Besucherbilanz: "Donnerstag waren es 10.500 Besuchern, am Samstag um die 4200, dabei vor allem Familien mit Kindern", sagt er.

Wie zum Beispiel die Wehners, deren Kinder im Museum Koenig begeistert auf einem großen Nilpferd herumklettern. "Die Kinder finden es toll, besonders die Arktis-Ausstellung mit Polarnacht und -tag. Wir kommen immer gern zum Museumsmeilenfest". Auch im nächsten Jahr will er diese Familientradition fortsetzen.

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