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Kulturgarten Bonn: Fans feiern Auftritt von Nena

Konzert in Bonn : Fans feiern Auftritt von Nena im Kulturgarten

Nena ist am Montagabend im Kulturgarten in der Rheinaue in Bonn aufgetreten und hat gezeigt: Auch mit 60 kann sie noch rocken. Das Konzert war wie ein Familientreffen.

Die Aufforderung ist eindeutig. „Singt“, verlangt Nena bei ihrem Auftritt im gut gefüllten Kulturgarten, und die Menge ist nur zu gerne bereit, der ungekrönten Königin der deutschen Rock- und Pop-Musik Folge zu leisten. Unter freiem Himmel ist das auch alles kein Problem, und so bekommen sowohl Nena als auch das Publikum ihren Willen.

Erstere genießt es sichtlich, dass zumindest in gewissen Bereichen wieder alles normal ist, dass sie nicht länger gegen eine tausendköpfige Mauer des Schweigens ansingen muss und dass im Notfall ihr textsicheres Gefolge einspringt, wenn sie mal gerade wieder einen kleinen Hänger hat. „Kann ich mich nicht erinnern oder will ich mich nicht erinnern?“, fragt sie an einer Stelle, findet dann aber doch die Verse wieder – und gibt prompt Vollgas.

Ja, rocken kann Nena auch mit 60 Jahren noch wie eine Weltmeisterin. Mit der unbändigen Energie eines Derwischs wirbelt sie von links nach rechts, und man merkt ihr an, dass sie am liebsten hinunter ins Publikum springen würde, wenn nicht die lästigen Corona-Einschränkungen herrschen würden. Die sieht Nena offenbar kritisch, auch wenn sie dies nie explizit äußert, nur zwischen den Zeilen und mit ihrem Tonfall ihre Meinung kundtut. Gleichzeitig gibt sie sich optimistisch: „Ich glaube an das Gute, ich glaube an uns, und ich glaube, dass das alles bald vorbei sein wird“, sagt sie und sendet zur Sicherheit gleich noch etwas Licht in die Welt, so wie mit der gleichnamigen Single, die ihrem neuen Album vorausgeht.

Das Publikum verfällt zunehmend in Ekstase

Dabei lacht sie trunken vor Glück (oder was auch immer sie in diesem Moment erfüllt) und strahlt wie ein Honigkuchenpferd kurz vor dem Zieleinlauf, während ihre Band sicherstellt, dass sie auch ankommt. Beziehungsweise, dass sie überhaupt loslaufen kann.

Im Grunde ist ein Auftritt von Nena aber kein Derby, sondern ein Familientreffen. Sohn Sakias darf irgendwann „Weißes Schiff“ anstimmen, Töchterchen Larissa agiert als Background-Sängerin, und im Publikum sitzen ohnehin nur Brüder und Schwestern im Geiste, die angesichts des Spektakels auf der Bühne zunehmend in Ekstase verfallen. Kein Wunder, feuern Nena und ihre Crew doch aus allen Rohren.

Klassiker wie „99 Luftballons“ oder „Nur geträumt“ stehen natürlich zwangsläufig auf dem Programm und erhalten mitunter ein Update, werden noch ein bisschen punkiger, rotziger, kantiger. Dazu gesellen sich neuere Titel wie „Genau jetzt“ oder eben das esoterisch verschwurbelte „Licht“, die beide bei den Fans hervorragend ankommen. Und ja, bei „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ sowie bei vielen anderen Hits wird natürlich pflichtschuldig mitgesungen. Weil es hier eben geht, im Gegensatz zu den Hallen-Konzerten. Weil es zum Teil einfach Spaß macht und einen Hauch von Nostalgie versprüht. Und, weil Nena es will.