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Kulturgarten und Konzerte in Bonner Rheinaue: Bewohner kritisieren Lärm

Kulturgarten und Co. : Anwohner kritisieren Konzertlärm in der Bonner Rheinaue

Kaum gibt es in der Rheinaue wieder Konzerte, häufen sich auch Beschwerden von Anwohnern über Lärm. Die Veranstalter des Kulturgartens suchen das Gespräch.

Ob Veranstaltungen in den Rheinauen oder kleine Gartenkonzerte: Es gibt wieder Kultur unter freiem Himmel, aber auch Kritiker, die sich am Lärm stören. So hat es Wolfgang Zerbs, Musiker der Band Klöbner, im April und Mai in seinem Garten erlebt. Er sang für die Nachbarschaft und hatte jeweils tags darauf ein Schreiben einer Nachbarin im Briefkasten: Er möge bitte den „zum Teil unerträglichen Singsang“ unterlassen.

In der Europastraße engagiert sich Michael Doering für mehr „Ruhe in der Rheinaue“. So heißt seine 2011 gegründete Initiative. Diese habe erreicht, dass dort die Lärmemissionen „sehr stark zurückgegangen“ seien. So steht es in einem Schreiben, das er an die Anwohner seiner Straße und des Kolumbusrings verteilt hat. Darin kritisiert er unter anderem den Lärm, den die sechswöchige Veranstaltungsreihe Kulturgarten mit einer Programmmischung aus Theater, Comedy und Konzerten auf der kleinen Blumenwiese seiner Ansicht nach zeitweise verursacht habe.

Lärmemissionen werden „erheblich überschritten“

Doering verweist auf die Lärmimmissionsschutzverordnung NRW, die etwa einen Höchstwert von 45 Dezibel im Zeitraum von montags bis samstags zwischen 20 und 22 Uhr vorgebe. Doering betont, dass vor allem Veranstaltungen in der ersten Kulturgarten-Woche sowie jene mit tiefen Bässen punktuell Probleme bereitet hätten, so etwa das „Panama Open Air“. Auftritte von Bands wie Höhner oder Brings seien weniger ein Problem gewesen.

Zudem verweist Doering darauf, dass die Kulturgarten-Reihe „zu zwei Dritteln“ aus Musikkonzerten bestehen würde. Dadurch würden „die genehmigten Lärmemissionen nach unseren Messungen teils erheblich überschritten“, sagt Doering. Mit dem Handy habe er Werte zwischen 65 und 75 Dezibel festgestellt. Er räumt ein, dass das Handy nicht geeicht sei. Das sei das Gerät der Stadt aber ebenso wenig gewesen, das diese während einer gemeinsamen Messung Anfang August verwendet habe.

In Puncto Anzahl der Konzerte ist Wolfgang Fischer-Keller, Bewohner des Kolumbusrings, anderer Meinung. Konzerte machten nicht einmal die Hälfte der 42 Kulturgarten-Events aus, teilt er in einem Brief an den GA mit. Und: „Wir können keine Lärmbelästigungen darin sehen, dass Musik- oder Kulturveranstaltungen stattfinden.“ Fischer-Keller hoffe, „dass die Veranstaltungsreihe erfolgreich zu Ende geführt werden kann und das Leben, zumal in diesen Pandemie-Zeiten, ein wenig bunter und abwechslungsreicher machen darf“.

Ein Zugehen der Veranstalter auf die Bewohner stelle Doering andererseits seit etwa einer Woche fest, teilt er am Sonntag mit. Sandro Heinemann, Geschäftsführer der Rheinevents GmbH, bestätigt ein Treffen mit Anwohnern Ende Juli – da noch ohne Doering. Dieser habe sich aber zwischenzeitlich mit der Veranstalterseite austauschen können.

Ausrichtung der Bühne sei verändert worden

„Sie haben uns ihr Leid mitgeteilt, und daraufhin haben wir schalltechnisch etwas verbessert“, sagt Heinemann. So sei die Ausrichtung der Bühne um 15 Grad in Richtung Südbrücke verändert worden. Zudem hätten die Techniker einen „Cut“ am Sound vorgenommen: Das bewirke, dass tieffrequente Bässe weniger ausstrahlen. „Wir sind bemüht, dass wir einen konstruktiven Austausch mit den Anwohnern haben“, sagt Heinemann.

Für Doering hätte die Stadt auf andere Flächen wie den „Kunst!Rasen“ bei der Genehmigung ausweichen müssen. „Der Kunstrasen ist in die Überlegungen einbezogen worden“, heißt es seitens der Stadt. Er sei aber nicht in Betracht gekommen. Zudem sei der Kulturgarten bezüglich des Lärms nach den Werten des Freizeitlärmerlasses NRW bis 22 Uhr genehmigt worden.

Aus Sicht von Heinemann sei der „Kunst!Rasen“ nie Thema gewesen. Allerdings habe es Überlegungen zu zwei weiteren Standorten gegeben. Das Amphitheater verfüge aber nicht über die nötige Logistik und bei der Blumenwiese hätte es Vermischungen mit der Soundkulisse des SWB-Sommerfestivals gegeben.