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Feier in der Alten VHS: Kulturzentrum sucht weiter nach neuem Standort

Feier in der Alten VHS : Kulturzentrum sucht weiter nach neuem Standort

Das Kulturzentrum in der Alten Volkshochschule soll einer Kita weichen und ist weiter auf der Suche nach einem neuen Standort. Am Wochenende feierte das Kollektiv seinen zweiten Geburtstag.

Ein bisschen schräg, ein bisschen alternativ, ein bisschen anders: All das trifft auf die Alte Volkshochschule (VHS) zu, jenes soziokulturelle Zentrum zwischen Wilhelm- und Kasernenstraße, das für viele Akteure der freien Bonner Kulturszene in den vergangenen zwei Jahren zu einem zweiten Zuhause geworden ist. Anlässlich ihres Jubiläums in dem Komplex haben der Verein Rhizom und die mehr als 30 assoziierten Gruppen zu einem Tag der offenen Tür eingeladen – und zugleich schon einmal Abschied gefeiert. Denn einen dritten Geburtstag wird es in den jetzigen Räumen nicht geben, die in eine Kindertagesstätte umgewandelt werden sollen. Die Kultur muss dafür weichen. Nur wohin? Denn zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Alternative zur Alten VHS nicht in Sicht.

Am frühen Samstagnachmittag ist der Andrang noch verhalten – kein Wunder bei dem regnerischen Wetter und in Corona-Zeiten. Doch das wird sich im Laufe des Tages ändern. „Vor der Pandemie sind wir regelmäßig an unsere Kapazitätsgrenzen gekommen“, erklärt Rhizom-Pressesprecherin Kira Lizza im „Salong“, der kleinen Kneipe im Erdgeschoss. „Jetzt müssen wir natürlich wie alle Einrichtungen die Besucherzahlen begrenzen, und zwar so, dass wir trotzdem als freies Haus wahrgenommen werden, in dem man von Raum zu Raum spazieren kann. Das klappt aber eigentlich ganz gut.“ Dabei hatte ursprünglich keiner mit dem durchschlagenden Erfolg gerechnet. Ursprünglich sollte der Verein die Alte VHS nur für drei Monate von der Stadt mieten können; daraus wurden 24 Monate. In dieser Zeit haben die verschiedenen Gruppen, die gemeinsam das Netzwerk Rhizom bilden, das Gebäude zu einem soziokulturellen Zentrum mit über 2000 Veranstaltungen im Jahr ausgebaut. Auch an diesem Tag ist einiges los: Konzerte, Vorträge und Workshops stehen auf dem Programm, ebenso Ausstellungen und Lesungen wie etwa die mit Nada Assaad, die trotz der frühen Uhrzeit bis auf den letzten Platz belegt ist. „Wir haben eine Alternative zur Hochkultur geschaffen und gehören damit ebenso zu dieser Stadt wie die etablierten Theater oder auch der Einzelhandel“, bekräftigt Lizza. „Daher ist es wichtig, dass dieses Zentrum weiterbestehen kann.“

Bislang keine Lösung bei der Standortsuche

Genau diese Perspektive fehlt allerdings. Zwar hat der Stadtrat am 26. September 2019 die Verwaltung beauftragt, „für die derzeitigen Zwischenmieter der Alten VHS bis zum Umbau der Immobilie als Kindertagesstätte geeignete, innenstadtnahe Räumlichkeiten für eine Folgenutzung als Zwischenmieter zu suchen“, doch passiert ist aus Sicht von Rhizom zu wenig. „Man hat uns zwar verschiedene Gebäude angeboten, aber ohne auch nur ein einziges Mal konkrete Kosten auf den Tisch zu legen“, bedauert Jo Hempel, Mitbegründer von Rhizom. „Teilweise haben wir zudem bei Besichtigungsterminen erfahren, dass überhaupt noch nicht klar ist, ob eine Zwischennutzung beziehungsweise Untervermietung durch die Stadt überhaupt möglich ist. Wir hoffen dennoch weiterhin auf eine Lösung.“  Entsprechende Überlegungen gäbe es seitens  Rhizom durchaus, wie Lizza hinzufügt. „Klasse wäre es natürlich, wenn wir das Viktoriaviertel gestalten könnten, auch wenn das aufgrund der Besitzverhältnisse schwierig sein dürfte. Es gibt natürlich noch andere Optionen – der Leerstand in Bonn ist ja offensichtlich.“ Nur drängt die Zeit: Im Juni 2021 muss Rhizom die Alte VHS verlassen.