KunstRasen-Konzert Sting begeistert 9000 Fans auf ausverkauftem KunstRasen

Bonn · Nach krankheitsbedingtem Ausfall und Absagen wegen der Pandemie konnte das Konzert des britischen Musikers auf dem Bonner KunstRasen endlich stattfinden. In gelber Lederjacke brachte Sting alte und neue Songs mit auf die Bühne.

Sting auf dem KunstRasen in Bonn - Bilder vom Konzert
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Rund 9000 Fans feiern bei Sting-Konzert auf dem KunstRasen

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Foto: Ingo Firley

Hilft Gute-Laune-Musik gegen Corona? Wahrscheinlich nicht - aus virologischer Sicht. Aber die trüben, bösen Geister kann man damit vertreiben. So gesehen war es clever, dass Sting bei seinem Bonner Auftritt das Corona-Album „The Bridge“, sein 14. Studioalbum, das im Sommer 2020 auf seinem Weingut in der Toskana entstand und 2021 herauskam, erstmal im Rucksack ließ. Dafür mit dem Police-Knaller „Message in a Bottle“ und dem „Englishman in New York“ loslegte und dann noch den Police-Song „Every little Thing She Does is Magic“ nachlegte. Einfach und genial. Der richtige Stoff, um die Bonner auf dem KunstRasen auf Touren zu bringen. Rund 9000 erschienen auf dem ausverkauften KunstRasen und feierten Sting, der sich mit einem fulminanten Konzert revanchierte.

Lange genug haben sie warten müssen. Eine virale Halsinfektion hatte den heute 70-Jährigen 2019 aus der Bahn geworfen. Auftritte in Bonn, Gent und München wurden damals kurzfristig abgesagt. Nachholkonzerte rückten coronabedingt in weite Ferne. Nun ist er da, auf USA- und Europatour „My Songs“, vor drei Jahren konzipiert und um die drei neuen Stücke von „The Bridge“ erweitert. Am Samstag war er im niederländischen Weert, am Dienstag in Saint-Malo in der Bretagne. Bis November ist Sting noch unterwegs, rund 80 Konzerte stehen auf dem Tourplan.

Auf dem KunstRasen ist die Stimmung nach wenigen Takten voll da, alle singen mit. Der ganze Rasen eine wogende Masse. Sting läutet, braungebrannt in gelber Lederjacke und Ringel-T-Shirt, nach der Police-Ouvertüre die 1980er mit „If you Love Somebody Set Them Free“ ein, schnürt wie ein Raubtier am Bühnenrand hin und her.

Dann kommen die Stücke vom neuen Album. Sting pfeift das Intro von „If It’s Love“, ein smarter, leichtgängiger Popsong, dem das klasse Mundharmonika-Solo von Shane Sager Tiefe verleiht. Das rockige „Rushing Water“ ist eine Nummer von der simplen Sorte, die Sting den Dichter zu zum waghalsigen Dichten verführt – wenn sich „Couch“ auf „ouch“ reimt ("I'll see my shrink on an analyst couch / Hit me with a hammer and I'll say, ouch"). „The Bridge“ ist in der Kritik nicht so gut weggekommen. Bonn fremdelt erst etwas. Doch bald ist auch hier das Eis gebrochen. Sting hat sein Publikum im Blick, gibt den Animateur, alles macht mit, klatscht. Einen Scherz mit dem kleinen goldenen Beethoven auf der Bühne gibt es auch.

Nach dem Brücken-Block ist Sting wieder in der 90er-Spur. „Fields of Gold“ zelebriert der Brite fast solo mit einem Gitarrensolo von Rufus Miller. „Brand new day“ hat die Anmutung einer spontanen Jam-Session mit einem fulminanten Mundharmonika-Solo. Die Schmuse- und Sehnsuchtsnummer „Shape of my heart“ begleitet Dominic Miller auf der Akustikgitarre, herrlicher Soulgesang grundiert Stings Stimme. „Wrapped around your finger“ lebt seine Reggae-Wurzeln aus. Sting dehnt die Takte wie Kaugummi, schafft Spannung, lässt „Walking on the moon“ und „So Lonely“ inklusive Bob-Marley-Insert folgen. „Desert Rose“ und „Every Breath you take“ schließen sich an. Der KunstRasen tobt.

Diese unverwüstlichen Police-Songs aus der Ära der späten 1970ern und frühen 1980ern mit ihrer unverwechselbaren, tanzbaren Mischung aus Reggae-, Punk- und Ska-Elementen ziehen einfach, funktionieren. Damit diese musikalischen Schätzchen, die mitunter 40 Jahre auf dem Tacho haben, keine Patina ansetzen und The Police nicht etwa zur Bespaßung im Seniorenheim eingesetzt wird, ist Vorsorge getroffen. Da wird arrangiert, musikalisch aufgepeppt, neu instrumentiert. Sting selbst ist da an vorderster Front tätig, haucht den Evergreens neues Leben ein. Mit grandiosen Mitmusikern wie Gitarrist Dominic Miller, seit 32 Jahren an Stings Seite, wie er im Konzert sagt, „meine rechte Hand“, Millers Sohn Rufus und Joe Sumner, Sohn von Gordon Matthew Thomas Sumner, wie Sting bürgerlich heißt, klappt das.

Der KunstRasen war hingerissen und überglücklich, Sting spendierte noch „Roxanne“ in einer sehr originellen, extended Version und schickte die Bonner mit „Fragile“ solo ins Bett.