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Buchpräsentation in Oberkassel: Kurenbach stellt "Bibel" für Udo Lindenberg vor

Buchpräsentation in Oberkassel : Kurenbach stellt "Bibel" für Udo Lindenberg vor

In der "Station 66" präsentiert Stephan Kurenbach seine "Udographie" über die Rocklegende. Der Sänger selbst ist nicht dabei - obwohl er sich noch am Samstag in Bonn aufgehalten haben soll.

"Kommt Udo Lindenberg oder kommt er nicht?" – das war am Sonntagnachmittag die große Frage in Oberkassel. In der Gaststätte "Station 66" stellte Lindenberg-Fan Stephan Kurenbach zusammen mit dem Heel-Verlag aus Königswinter im Rahmen einer Lesung seine mehr als 2,5 Kilogramm schwere "Udo-Bibel" vor. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Sebastian Smolka von der Band "Druckluft". Das Buch greift das gesamte musikalische Schaffen des Ausnahmekünstlers auf – kein Wunder also, dass auch die Rocklegende eingeladen war. Diejenigen, die auf den 73-jährigen Musiker hofften, wurden allerdings enttäuscht: Er folgte der Einladung in die "Station 66" nicht. Dabei hat sich Lindenberg nach GA-Informationen an diesem Wochenende in Bonn aufgehalten. "Wir haben uns am Samstag getroffen", sagte Kurenbach dem GA, ohne einen konkreten Ort zu nennen. Lindenberg, der auch malt, eröffnet am Donnerstag eine Ausstellung mit einigen seiner Bilder in Leipzig.

"Udo ist von dem Buch begeistert. Es nennt viele Details – sein musikalisches Lebenswerk habe er so noch nicht gesehen", sagte Frank "Franky" Bartsch dem GA. Bartsch ist die rechte Hand des Sängers und kennt ihn ganz genau. Bartsch zeigte sich auch von dem Ambiente der "Station 66" begeistert. Überall hingen Udo Lindenberg-Plakate, CD-Cover, Fotos und natürlich stand überall gut sichtbar die "Udo-Bibel". Kurenbach hat die Örtlichkeit nicht ohne Grund ausgesucht. "Wir haben hier zusammen Döner gegessen – ist aber schon etwas her", sagte Kurenbach lachend. Der heute 39-Jährige war nämlich 2005 bei der Konzeption der Ausstellung "Keine Panik. Udo Lindenbergs bunte Republik" im Haus der Geschichte beteiligt. "Im Rahmen dessen haben wir hier gegessen", so der Lindenberg-Fan, der im Hauptberuf eine Kita in Linz leitet. Kurenbach kann sich mit Lindenberg so gut identifizieren, weil es auch in seinem Leben viele Höhepunkte, aber auch viele Tiefpunkte gab.

In Thomasberg betrieb Kurenbach in seinem Haus "Kuris Panik-Museum". Mehr als 600 Exponate zeigte der 39-Jährige dort auf knapp 15 Quadratmetern, bis seine Lebensgefährtin bei der Geburt des dritten Kindes darauf bestand, dass Udo Lindenberg ausziehen muss. "Nun ist dort der Kärcher", sagte Kurenbach lachend. Einmal habe sogar ein Bus bei ihm vor dem Haus gehalten, weil gleich eine ganze Gruppe eine Führung haben wollte. "Ich war gerade in einer Kneipe, bin nach Hause und habe ihnen dann meine Sammlung gezeigt – die wussten wohl aus dem Internet von dem kleinen Museum", erinnerte sich Kurenbach. Seine ausführliche "Udographie" ersetzt nun gewissermaßen das Museum.

Dabei war das 342 Seiten starke Buch eher dem Zufall geschuldet, bei dem auch der General-Anzeiger seine Finger im Spiel hatte. Der GA hatte im Januar berichtet, dass Kurenbach eine Sammler-Diskografie in 14 Teilen herausgeben möchte. Der erste Teil, der 28 Seiten umfasste und die musikalischen Jahre Udo Lindenbergs von 1965 bis 1970 abbildete, war in einer Auflage von 2500 Exemplaren erschienen und erwies sich als begehrtes Sammlerstück. Verkauft habe Kurenbach die Diskografie über das Internet. Franz-Christoph Heel, Chef des Heel-Verlags in Königswinter, las den GA-Bericht und hatte die Idee für das Buch. Er beauftragte seine Lektorin Ulrike Reihn-Hamburger damit, Kurenbach ausfindig zu machen und ihm von der Idee zu erzählen. "Sie konnte ihn dank Internet schnell finden und ihn vom Projekt begeistern", so Heel. Innerhalb von acht Monaten entstand das Buch. "Es war sehr viel Arbeit, da ich jedes Cover einscannen musste und die Texte geschrieben habe. Ich war einige Nächte mit dem Buch beschäftigt", so Kurenbach.

Das Buch bildet die Zeitspanne von 1971 bis 2016 komplett ab und geht auf jedes einzelne Album und jede LP Lindenbergs ein. Fans finden außerdem Informationen zu den CDs und dem aktuellen Sammlerwert – außerdem gibt es Rezensionen. Auch Insiderwissen und Anekdoten werden zum Besten gegeben, wie zum Beispiel die Verhaftung von Lindenberg 1985 in Moskau. Zu der Lesung kamen nicht nur Lindenberg-Fans aus Bonn und der Umgebung, sondern auch aus Berlin, München und Hamburg. "Ich habe in dem Buch ein wenig geblättert und finde es toll. Es ist wohl einmalig, dass man anhand der Diskografie eine Biografie von Udo Lindenberg geschrieben hat", sagte Martin Deppner, der aus Lachendorf bei Celle nach Oberkassel anreiste.

"Udographie" von Stephan Kurenbach, Heel-Verlag, 39,95 Euro