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Erstes Buch vom Bonner Axel Horst: Kurzgeschichten von der Supermarktkasse

Erstes Buch vom Bonner Axel Horst : Kurzgeschichten von der Supermarktkasse

Der Bonner Axel Horst ist Sänger, Schlagzeuger, Conférencier und jetzt auch Buchautor. In seinem neuen, ersten Buch „Am saufenden Band“ erzählt er Kurzgeschichten – basierend auf den Einkäufen von Menschen an der Supermarktkasse.

Axel Horst ist sein bürgerlicher Name, bekannt ist er aber auch unter dem Pseudonym „Der Käpt’n“. Verliehen wurde ihm der Name in seiner Zeit als Schlagzeuger der Bonner Punkband “Uschis Haarmoden”, da er dort als Kostüm häufig eine Kapitänsmütze trug. Das Multitalent ist nicht nur für seine musikalischen Fähigkeiten dort und als Sänger bei der Pop-Punkband „Die Manfreds“ bekannt, sondern auch für seine humoristischen Texte, die er vor der Pandemie häufig bei Lesungen oder auch Kleinkunstbühnen vortrug. Zudem moderiert er die Kopfnuss Lesebühne in Bonn.

Erstes Buch vom Bonner Axel Horst: Kurzgeschichten von der Supermarktkasse
Foto: Marco Rauch

Während der Pandemie bastelte der Käpt’n mit seiner Band an einem neuen Album, was im Sommer veröffentlicht werden soll. „Wer lustigen und bunten Pop-Punk und Männer in knapper Kleidung mag, sollte da mal dranbleiben“, sagt er selbst darüber.

Zudem hatte er in der Corona-Zeit eine Idee, als er Mitmenschen beim Einkaufen beobachtete. „Naja was macht man in der Warteschlange an der Supermarktkasse? Ein bisschen Leute beobachten, ein bisschen langweilen“, erklärt Horst die Entstehung seines Buches. „Irgendwann fiel mir auf, dass viele Menschen ganz schön skurriles Zeug da vor sich auf dem Kassenband liegen haben“. Es sind diese Momente in denen er sich fragt, was diese Kunden mit den Einkäufen anstellen, wie der Abend aussehen wird und was sie für ein Leben führen. So entstand auch seine erste Kurzgeschichte über eine betrogene und verlassene Frau, die Rache übt. „Seither kann ich nicht mehr einkaufen, ohne dass ich reflexhaft die Einkäufe meines Vordermanns ins Visier nehme“, erklärt Horst.

Echte Einkäufe, ausgedachte Geschichten

Zwar liege nicht bei jedem Einkauf Alkohol auf dem Kassenband, dennoch hätten solche Einkäufe in Verbindung mit Rudi Carrells Show „Am laufenden Band“ zum Titel seines Buches geführt: „Am saufenden Band“. Es ist gefüllt mit zahlreichen Kurzgeschichten, die im Supermarkt entstanden sind. Zwar sind die Geschichten frei erfunden, der Käpt’n lässt sich aber tatsächlich vom Einkäufer inspirieren: Die Einkäufe, die in den Geschichten auftauchen, „sind alle 100 Prozent echt und wurden so von den Menschen gekauft“, betont er.

Die Ideen schreibt der zweifache Vater meist erstmal in einem groben Entwurf auf dem Smartphone nieder. „Das ist zwar unromantisch, aber ich kann einfach überall loslegen. Manchmal schreibe ich direkt auf dem Parkplatz vor’m Supermarkt“, so Horst. Dort habe er sogar schon einmal eine Stunde lang gestanden, damit er die Idee nicht verliert.

All diese Ideen hat er an seinem Schreibtisch überarbeitet und nun in seinem Buch verewigt, welches für 11,90 Euro beim Bonner Verlag „Disentertainment“, mehreren Buchhändlern und bekannten Internetshops zu erwerben ist.

Zielgruppe sind laut dem Autor „Menschen mit wenig Zeit, es sind ja Kurzgeschichten“. Auch Lesemuffel kämen auf ihre Kosten, da auch zahlreiche bunte Bilder auftauchen. Für Lesende sei „eine Vorliebe für schwarzen Humor und die schrulligen Skurrilitäten des Alltags perfekt“. In einer Geschichte wiederfinden würde sich jedoch jeder, der schon einmal im Supermarkt einkauft hat, so Horst.

Mit dem Buch will er die Lesenden sowohl zum Grinsen als auch zum Weinen und Lachen bringen. Zwar seien seine Lesungen meist eher lustig und bunt, seine Kurzgeschichten könnten aber auch mal bitter, tragisch oder sogar romantisch sein. „Und was bitte kann mehr komische Tragik vermitteln als so ein Feierabendeinkauf im Rewe im herbstlichen Nieselregen“, fragt der Käpt’n.

Gute Kritiken

Viele Reaktionen auf sein Buch sind äußerst positiv. So beschreibt der Bonner Autor, Journalist und Poetryslammer Nils Frenzel das Buch als „eine messerscharfe popkulturelle Beobachtung am Warentrenner. Nur geil“. Musikjournalist Nils Volkmann wurde laut eigenen Angaben von den lauten Lachern sowie der freundlichen Entertainer-Persönlichkeit des Käptn’s angelockt, „geblieben bin ich aber wegen den Zwischentönen, seiner immensen Fantasie und dieser zarten Melancholie hinter all den Späßen“. Autor Wolf Schmid sieht in den Kurzgeschichten „hellsichtige Konsumpsychogramme“. Seit er diese gelesen hat, müsse er „bei jedem Einkauf ein paar Artikel aufs Band legen, die ich partout nicht haben will. Sonst fühle ich mich völlig entblößt“, so Schmid.

„Ich halte diese Reaktionen für angemessen, weil das Buch ja auch wirklich super ist“, scherzt der Käpt’n selbstbewusst. Gerade letzteres Lob habe es ihm „besonders warm ums Herz“ werden lassen, gibt er preis. Auch die anderen positiven Kritiken freuen ihn „unfassbar“, am meisten freue er sich aber nach wie vor, „wenn Menschen bei einer Lesung laut lachen“. Vielleicht kann er ja auch sein neues Buch bald bei einer solchen vor echtem Publikum präsentieren.