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Urteil in Bonn: Ladendiebin bekommt in zweiter Instanz Bewährung

Urteil in Bonn : Ladendiebin bekommt in zweiter Instanz Bewährung

Eine 24-Jährige aus Köln hatte in einem Bonner Textildiscount Kleidung im Wert von 530 Euro gestohlen und war dafür im vergangenen Jahr zu einer Haftstrafe von acht Monaten verurteilt worden. Nun ging die Mutter in Berufung – mit Erfolg.

Es war für jeden etwas dabei: Bunte Baby- und Kinderbekleidung für die zwei und sieben Jahre alten Sprösslinge, modische Hosen und Hemden für den Ehemann und auch einige schöne neue Stücke für ihren eigenen Kleiderschrank. Insgesamt 66 Kleidungsstücke im Wert von zusammen 530 Euro hatte eine 24-jährige Mutter aus Köln in ihrem Warenkorb derart fein säuberlich zusammengelegt, dass ihr Einkauf exakt mit der Oberkante des Behältnisses abschloss. So passte der Korb haarscharf in eine Aussparung des mitgeführten Kinderwagens, und ein Gang zur Kasse war offenbar von vornherein nicht eingeplant gewesen.

Das ungewöhnliche Gratis-Shopping war allerdings dem Ladendetektiv der Bonner Filiale einer großen Textilkette, in dem die junge Mutter mit einer Freundin unterwegs war, nicht verborgen geblieben, und so verurteilte ein Bonner Amtsrichter die Diebin am 2. Dezember vergangenen Jahres zu einer Haftstrafe von acht Monaten. Und zwar ohne Bewährung, was trotz der Vorstrafen der 24-Jährigen am oberen Rand des Möglichen liegt. Gegen diese Entscheidung war die Angeklagte in Berufung gegangen. Am Donnerstag hat eine Bonner Berufungskammer das erstinstanzliche Urteil dahingehend abgeändert, dass die Frau sich nun doch bewähren darf.

Freundin kommt mit Geldstrafe davon

Es könnte durchaus sein, dass die junge Frau in größeren kriminellen Strukturen „gearbeitet“ hat. Sicher nachweisen ließ sich das aber nicht. Jedenfalls machte sich die junge Mutter an einem Junimorgen vergangenen Jahres gemeinsam mit den beiden Kindern, einer Freundin sowie deren Sprösslingen auf den Weg von ihrem Wohnort in der Domstadt zu dem Textildiscounter in der Nähe des Bonner Hauptbahnhofs. Die Freundin ging nach demselben Schema vor und sammelte ihrerseits sogar 114 Teile zum Gesamtpreis von stolzen 904 Euro ein. Weil sie nicht vorbestraft ist, kam sie im Rahmen eines Strafbefehls mit einer Geldstrafe davon.

Vor Gericht trat die junge Mutter ohne anwaltliche Unterstützung auf. Sie müsse sich doch um ihre Kinder kümmern und wolle im Interesse ihrer Familie jede Möglichkeit nutzen, eine Haftstrafe zu vermeiden. So lerne sie derzeit deutsch, um einen Job zu finden und ohne Grundsicherung auszukommen. Was allerdings letztlich den Ausschlag gab, war nicht das weiche Herz der Berufungsrichter, sondern die Tatsache, dass die junge Mutter trotz einiger kleinerer Vorstrafen noch nie zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Nachdem die geständige Angeklagte ihre Berufung auf die Rechtsfolgen beschränkt hatte, entschied die Kammer, ihr mit der Bewährung eine letzte Chance zu geben.