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Corona-Solidarität in Bonn: Lärmgeplagter Kneipen-Anwohner macht Wache-Wirt Epping Mut

Corona-Solidarität in Bonn : Lärmgeplagter Kneipen-Anwohner macht Wache-Wirt Epping Mut

In den vergangenen Wochen war es laut vor der Kneipe Wache in der Heerstraße, weil sich die Gäste draußen trafen. Ein Anwohner genießt nun die Ruhe, will aber auch nicht, dass Besitzer Tobias Epping Pleite geht und macht ihm Mut.

Man könnte es als Hassliebe bezeichnen, was Wirt Tobias Epping und einen seiner Nachbarn verbindet. Seit fast 20 Jahren setzen sie sich Woche für Woche auseinander. Immer dann, wenn es mal wieder zu laut vor der Kneipe Wache an der Heerstraße ist. „Dieser Monat wird wahrscheinlich der erholsamste, den ich je hatte“, sagt der ältere Herr. Aber er ist sich auch der Folgen bewusst. „Ich wünsche Herrn Epping aber keinesfalls, dass er nicht mehr öffnen kann.“

Die vergangenen Wochen seien anstrengend gewesen. Grund waren die Corona-Verordnungen. „Selbst als es kälter wurde, standen gut 30 Leute auf der Straße, weil es nicht anders ging“, so der Anwohner. Manche angetrunken, manche gesittet, manche laut. „Es reicht ja auch schon einer, der Radau macht.“ Von der anderen Gebäudeseite aus bollerte die neue Lüftung, die durch den Luftaustausch drinnen das Ansteckungsrisiko mindern sollte. „Egal auf welcher Seite das Fenster auf war, es war Lärm wie an einem Wasserfall“, sagt der Anwohner, der seinen Namen nicht nennen möchte. Dabei seien die kalten Monate immer eine gewisse Erholung gewesen, auf die man sich gefreut habe. „Aber wir müssen uns mit der Situation arrangieren.“

Schon im April, kurz bevor der erste Lockdown die Gastronomie traf, hatte der Anwohner seinem Nachbarn Mut gemacht und den eigentlichen Kontrahenten in Sachen Ruhe angerufen. „Ich wollte Ihnen nie das Leben unbegründet schwer machen, Sie mir umgekehrt natürlich auch nicht.“ Er wolle grundsätzlich niemandem das berufliche Aus wünschen. Und man habe sich schließlich aneinander gewöhnt. „Bevor dann jemand anders die Kneipe führt, bei dem ich mich mit denselben Sachen rumärgern muss, aber gegebenenfalls nicht reden kann, dann doch lieber Sie.“ Epping habe immer versucht, Rücksicht zu nehmen – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Aus Eppings Sicht hat die Corona-Krise die nicht immer einfache Beziehung mit seinem Nachbarn sogar verbessert. „Sonst war das immer ein schlechtes Gefühl, wenn ich die Nummer im Display hatte. Aber jetzt war das wirklich ein netter, liebe- und respektvoller Umgang.“ Der Lockdown habe die beiden Parteien unerwartet zusammengeführt. „Und das Verhältnis nachhaltig geprägt.“ Jetzt, in der Gastro-Zwangspause, mag das nicht so entscheidend sein. Allerdings, so hofft Epping zumindest, werde die Gastronomie auch wieder anlaufen. „Da ist es wichtig, miteinander zu reden, auf Augenhöhe und mit Menschlichkeit.“

Am Wochenende wird Epping deshalb Türsteher engagieren, die drinnen und draußen für Ruhe sorgen. Für den Umsatz würde er sich wünschen, dass man auch draußen bis 5 Uhr feiern könne. „Aber das geht nicht, da wird es auch bei der Grenze von 0 Uhr bleiben.“ Wenn der Betrieb wieder anläuft, werde es wie derzeit in so vielen Bereichen ein Herantasten sein. „Man muss nur immer miteinander reden.“