Entscheidung am Landgericht Bonn Zocker bekommt 95.000 Euro Spielschulden von Tipico erstattet

Bonn · Das Bonner Landgericht hat einem Spieler mit massiven Verlusten durch Sportwetten eine Erstattung von mehr als 95.000 Euro zugesprochen. Auch andere Verbraucher könnten ihr Geld zurückerhalten.

 Zahlreiche Verbraucher könnten ihre Verluste aus Sportwetten nach einem wegweisenden Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes zurückerhalten.

Zahlreiche Verbraucher könnten ihre Verluste aus Sportwetten nach einem wegweisenden Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes zurückerhalten.

Foto: dpa/Martin Gerten

In einem Verfahren am Landgericht Bonn hat ein Mann gegen den Sportwetten-Anbieter Tipico geklagt. Zwischen Juli 2013 und Oktober 2022 hatte der Mann, der nach Angaben seiner Rechtsanwaltskanzlei aus dem Zuständigkeitsbereich des Bonner Landgerichts stammt, insgesamt 95.302 Euro Schulden bei Online-Sportwetten und anderen Glücksspielen des Anbieters verzockt. Wie Sprecher Nils Leidloff von der vertretenden Kanzlei Goldenstein angibt, habe Tipico in diesem Zeitraum jedoch nicht über eine deutsche Konzession für Online-Glücksspiel verfügt, sondern lediglich über eine maltesische. Die Verluste seien demnach ungültig.

Wie das Landgericht Bonn bestätigte, wurde das Urteil in dem Verfahren am Montag verkündet und Wettanbieter Tipico zu einer Zahlung von 94.819 Euro nebst Zinsen sowie einer Zahlung für die Kosten der Rechtsverfolgung an den Kläger verurteilt. Noch ist das Urteil jedoch nicht rechtskräftig, sodass Einspruch eingelegt werden kann. Wie Sprecherin Gerlind Keller vom Landgericht bestätigte, war der tragende Grund für die Entscheidung des Gerichts die fehlende Konzession des Wettanbieters, über die dieser zum verhandelten Streitraum „unstreitig noch nicht verfügte“.

Wie Sprecher Leidloff erklärt, hätten Verbraucher aufgrund der fehlenden deutschen Lizenzen bei Hunderten Online-Glücksspielanbietern in den vergangenen Jahren eigentlich gar keine Verluste machen dürfen. Die Entscheidung des Bonner Landgerichtes sei demnach folgerichtig und nur eines von mehr als 650 Urteilen, welche die Kanzlei bereits im Sinne der Verbraucher erstreiten konnte. Über 4000 Mandate hat die Kanzlei nach eigenen Angaben bei der Rückverfolgung von Verlusten aus unzulässigem Online-Glücksspiel bereits erhalten.

Bundesgerichtshof mit wegweisendem Beschluss im März

Erst im Juli 2021 wurde der Online-Glücksspielmarkt in Deutschland bundesweit durch den Glücksspielstaatsvertrag liberalisiert. Ein Vollverbot für Online-Sportwetten wie etwa für Pokerseiten oder virtuelle Automatenspiele gab es zwar nicht, doch die ersten gültigen Lizenzen in diesem Bereich wurden erst im Oktober 2020 erteilt. Tipico erhielt diese erst im Oktober 2022. Geld von deutschen Verbrauchern hätte das Unternehmen vorher eigentlich nicht annehmen dürfen. Bis zu zehn Jahre rückwirkend könnten Kunden ihre Verluste zurückfordern, so Sprecher Leidloff.

„Da die deutschen Behörden kaum bis gar nicht gegen diese illegalen Aktivitäten vorgingen, konnten die verantwortlichen Online-Glücksspielanbieter bereits Jahre vor dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrages mit ihren Websites ohne wirksamen Spielerschutz Milliardensummen in Deutschland verdienen“, erklärt Rechtsanwalt Claus Goldenstein, der den Kläger vor dem Bonner Landgericht vertrat.

Einen wegweisenden Beschluss hatte es am 22. März vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegeben. Im ausgehandelten Fall hatte ein Verbraucher rund 12.000 Euro beim Wettanbieter Betano verloren, der zum Zeitpunkt der Verluste ebenfalls über keine gültige Lizenz verfügte. Der BGH hatte den Fall genutzt, um seine Einschätzung in der Sache deutlich zu machen und klare Leitlinien für vergleichbare Fälle zu setzen. Für bekannte Wettanbieter wie Tipico oder Bwin dürfte die Entscheidung erhebliche Folgen haben und das Urteil vor dem Bonner Landgericht sicher nicht das letzte in der Sache bleiben.

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