Herausforderung für Stadtreinigung Laub am Straßenrand wird zur Gefahr für Radfahrer in Bonn

Bonn · Wenn im Herbst die Tage kürzer und dunkler werden, steigt auch die Gefahr für Verkehrsunfälle. Regen und Blätter machen die Fahrt für Radfahrer schnell zur Rutschpartie. Damit die Wege frei bleiben, sind auch die Anwohner gefordert.

Ein Mann entfernt mit einem Laubbläser das Herbstlaub von einem Gehweg.

Ein Mann entfernt mit einem Laubbläser das Herbstlaub von einem Gehweg.

Foto: dpa/Marcus Brandt

Stadtbäume kann es im Grunde nicht genug geben. Wo die Schattenspender und natürlichen Klimaanlagen im Sommer jedoch wichtige Dienste tun, wird ihr Laub im Herbst schnell zum Ärgernis für den Straßenverkehr. Gerade Fahrradfahrer müssen auf Radwegen und Schutzstreifen aufpassen, die mit den bunten Blättern gesäumt sind. Vor allem an nassen Tagen kann der Laubuntergrund schnell zur Rutschbahn werden.

Zuständig für die zügige Beseitigung des Laubs ist der Bonner Stadtreinigungsdienst Bonnorange, der im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben insgesamt 1540 Tonnen Blätterwerk eingesammelt und kompostiert hat. Per Hand und maschinell versuchen die Mitarbeiter der Stadtreinigung den nachfallenden Blättern Herr zu werden. Auf Bürgersteigen und gemeinsamen Geh- und Radwegen sind die anliegenden Grundstückeigentümer dafür verantwortlich, erklärt Pressesprecher Jérôme Lefèvre.

Laub in Kurven und Steigungen für Radfahrer besonders gefährlich

Leider komme es dabei immer wieder vor, dass Anlieger das Laub auf die Fahrbahn oder auf Baumscheiben kehren. „Das ist nicht erlaubt und wird umso mehr zur Gefahr für andere Verkehrsteilnehmende, wenn das Laub kurz nach unserer Reinigung auf die Straße gefegt wird, und dann mehrere Tage liegen bleibt oder verweht wird“, sagt Lefèvre.

Wer das Laub vor Ort nicht sinnvoll entsorgen könne, für den gebe es die Möglichkeit, das Blattwerk bei Sammelstellen von Bonnorange oder auf Wertstoffhöfen abzugeben. Anlieger, die sich ob ihrer Reinigungspflichten nicht sicher seien, fänden auf der Homepage zudem ein Überblick über die Zuständigkeitsregelungen.
Werden diese nicht eingehalten, ist das besonders für Radfahrer gefährlich. Rutschiger Untergrund führt nicht selten zu Unfällen. Vor allem in Kurven und Steigungsbereichen wird es laut Axel Mörer gefährlich.

ADFC sieht Überlastung in einigen Gebieten

In Bonn sei es offensichtlich, dass sich Bonnorange bemühe, das Laub zu beseitigen, sagt der Pressesprecher des ADFC Bonn/Rhein-Sieg. Gerade in Bereichen mit vielen und großen Bäumen, etwa in den Villenvierteln in Bad Godesberg und der Südstadt, komme der Stadtreiniger jedoch kaum hinterher und das Laub würde sich in den Randbereichen der Fahrbahnen sammeln, wo die Radfahrer unterwegs sind.

Wenn die Politik möchte, dass mehr Leute Radfahren, dann müssen auch die Verkehrswege gepflegt werden, so wie das beim Auto selbstverständlich ist. Deshalb müssten auch Radwege im Herbst und Winter rechtzeitig von Laub und Schnee befreit werden, findet Mörer.

Bei keinem anderen Verkehrsmittel hänge die Nutzung so stark von der Jahreszeit ab wie beim Fahrrad, sagt der ADFC-Sprecher und bezieht sich dabei auf eine Studie von Christian Holldorb von der Hochschule Karlsruhe. Holldorb kommt zu dem Ergebnis, dass in Städten ohne oder mit schlechtem Winterdienst bis zu 70 Prozent der Radfahrer ihr Rad an Wintertagen stehenlassen. Um mehr Menschen auch in den kalten Jahreszeiten zu motivieren, brauche es daher ganzjährig eine sichere und komfortable Infrastruktur.

Radfahrer ebenfalls in der Verantwortung

Auch die Stadt habe sich mit dem 2021 verabschiedeten Bonner Radentscheid zu diesem Ziel bekannt, verweist Mörer auf den sechsten verkehrspolitischen Punkt des Bürgerbegehrens, dem sich der Stadtrat mit breiter Mehrheit anschloss. „Die Stadt Bonn schafft neue Standards und setzt diese um, damit Geh- und Radwege jederzeit nutzbar sind“, heißt es dort. Auch die ganzjährige Instandhaltung der Infrastruktur von Rad- und Gehwegen ist festgehalten.

Aus der Verantwortung für die Verkehrssicherheit nehmen könne man Fahrradfahrer deshalb jedoch nicht, weiß auch Mörer. Auch Radfahrer seien selbstverständlich in der Pflicht, sich auf die veränderten Wetterbedingungen und Straßenverhältnisse einzustellen, etwa durch geeignete Kleidung und eine angepasste Fahrweise. Darüber hinaus könnten Fahrradfahrer grobstollige Reifen aufziehen, die mehr Grip bieten und mit vermindertem Luftdruck fahren, um die Auflagefläche der Reifen zu vergrößern. „Das ändert aber nichts daran, dass man auf einem Radweg mit mehreren Schichten feuchten Laubs oder gar mit Schneeauflage kaum sicher fahren kann“, betont der Pressesprecher.

Besseres Radnetz wichtigster Faktor für mehr Sicherheit

Um das Radfahren sicherer gestalten zu können, wünscht er sich, dass Anwohner Laub und Schnee nicht einfach auf den Radweg oder die Randbereiche der Straße schieben. Sei ein Schutzstreifen blockiert, müssten Radfahrer auf den für Autos vorgesehenen Straßenbereich ausweichen und die Gefahr von Unfällen steige. Auch das Abstellen von Mülltonnen auf Rad- und Fußwegen sei eine Unsitte, die zusätzliches Risiko berge.

Das größte Problem in der dunklen Jahreszeit sei aber das Fehlen eines durchgängigen und sicheren Radwegenetzes, findet Mörer. „Wer bei regennasser Straße und Dunkelheit im Mischverkehr mit dem Kfz-Verkehr fahren muss, überlegt sich das zweimal.“ Ein internationaler Vergleich zeige, dass bei gut ausgebauter Infrastruktur die Radfahrer auch in der kalten Jahreszeit gerne unterwegs sind.

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