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Geplante Ausstellung polarisiert: Leichenschau in Buschdorf

Geplante Ausstellung polarisiert : Leichenschau in Buschdorf

„Echte Körper – von den Toten lernen“ steht auf Plakaten. Und ähnlich wie Gunther von Hagens mit seinen Körperwelten polarisiert auch die Präsentation präparierter Leichenteile, die von Freitag, 23. Juni, bis Dienstag, 18. Juli, sehen sein soll.

Wie auf der Internetseite des Veranstalters nachzulesen ist, soll mit der Ausstellung das Ziel verfolgt werden, „anatomisches Wissen an interessierte Besucher zu vermitteln“. Grundlage für dieses Mission bilde die umfangreiche Sammlung von Exponaten, bestehend aus konservierten menschlichen Körpern und Organen.

Insgesamt sollen etwa 200 Exponate gezeigt werden. Woher diese stammen, steht dort nicht, dafür die Eintrittspreise von zwölf, ermäßigt zehn Euro. Und Kinder bis sechs Jahre zahlen vier Euro. Das Impressum verrät, dass der Veranstalter Harald Sperlich im märkischen Oderland in Neuhardenberg, nahe der polnischen Grenze, seinen Sitz hat. Eine Rufnummer existiert nicht. Lediglich eine E-Mail-Adresse, von der es auch nach mehrmaligen Kontaktversuchen zunächst keine Antwort gibt. Die Presseeinladung an den General-Anzeiger wiederum kommt von Leon Sperlich aus Raduhn, einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern. Offenbar ein Familienunternehmen.

Entsetzen bei Vorsitzendem des Ortsausschusses

Klaus Kraus, Vorsitzender des Ortsausschusses Buschdorf, ist entsetzt über das, was auf dem Platz hinter dem Einrichtungshaus zu sehen sein soll. „Ich bin vorgestern erst aus dem Urlaub gekommen. Mich haben schon unzählige Leute angesprochen, warum wir so was machen. Wir als Ortsausschuss haben damit aber überhaupt nichts zu tun.“

Wer Leichenteile ausstellt, muss eine Genehmigung vorweisen. Offenbar nicht in Bonn. Das Presseamt der Stadt schreibt auf eine erste Anfrage des General-Anzeigers: „Da sich die Ausstellung auf privater Fläche befindet, gibt es keine Genehmigung durch die Stadt. Wir haben keine Ansprechpartner, der Kontakt zu den Ausstellern hätte, und wir wissen nichts über die Ausstellungsgegenstände und deren Herkunft.“

Genehmigung vorhanden

Harald Sperlich, der sich dann doch auf Umwegen in der Redaktion meldete, versichert: „Natürlich haben wir eine Genehmigung. Das hat meine Sekretärin erledigt.“ Bestatter Werner Kentrup weist auf Anfrage darauf hin, dass das Bestattungsgesetz NRW vorgibt, dass die Ordnungsbehörde des Ausstellungsortes – in diesem Fall die Stadt Bonn – eine Genehmigung für die Zurschaustellung von Toten und deren Teilen erteilen muss. Auch diese Dokumente habe man, sagt Sperlich. Ungenau ist dagegen seine Aussage, woher die Leichen genau stammen, die er ausstellt. Den Namen des Unternehmens, das in den USA sitzt, konnte er nicht exakt benennen. Auch über das Alter der Leichen vermochte er im Gespräch mit dem GA nichts zu sagen.

Ärger gab es Anfang des Jahres im niedersächsischen Stade. Wie die Dezernentin für Gesundheit, Nicole Streitz, dem GA sagt, habe Stade der Ausstellung keine Ausnahmegenehmigung erteilt, was einem Verbot gleichkommt. Der Grund: Es fehlten die nötigen Dokumente. „Jeder Körper und jedes Stück Körperteil muss einer bestimmten Person zugeordnet werden können. Das war bei der Überprüfung der Dokumente nicht gegeben“, sagt Streitz. Wie das Presseamt der Stadt am Mittwoch auf wiederholte Anfrage mitteilte, werde das Ordnungsamt die Sache jetzt überprüfen. Ob noch vor der Ausstellung oder währenddessen, stand noch nicht fest.