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Kommentar zum Bonner Ordnungsamt: Leider nötig

Kommentar zum Bonner Ordnungsamt : Leider nötig

Die Leitstelle und der Streifendienst des Bonner Ordnungsamtes werden im kommenden Frühjahr deutlich aufgestockt. Die Stadt reagiert damit auf die gestiegenen Beschwerden durch Bürger.

Die Stadt Bonn tut das Richtige, wenn sie einem Eindruck begegnet, der sich immer mehr in den Köpfen der Bevölkerung festsetzt: dass viele Probleme nicht erkannt, noch viel mehr Probleme allerdings tabuisiert, folglich nicht gelöst und dadurch immer größer werden. Mit der personellen Aufstockung des Stadtordnungsdienstes setzen Verwaltung und Politik somit durchaus das richtige Signal. Inwiefern neun Neueinstellungen tatsächlich eine signifikante Wirkung erzielen, wird sich beispielsweise im nächsten Partysommer zeigen, wenn bei mediterranen Temperaturen auf Schulhöfen oder in Parkanlagen wieder gruppenweise die Nacht zum Tag gemacht wird. Traurig ist, dass diese Reaktion erforderlich wurde.

Doch offenbar wächst auch in Bonn die Zahl jener Leute, die nicht wissen (oder die es nicht interessiert), ab welchem Lärmpegel man Mitmenschen stört und wie man öffentliche Mülleimer benutzt. Noch schwerer wiegt indes die latente Aggressivität, die ein Teil der Störenfriede aufweist. Die Stadt wird ihre Gründe haben, wenn sie ihre Sicherheitsstreife inzwischen nur noch mit Schutzweste und „Einsatzmehrzweckstock“ auf die Straße lässt. Indikatoren wie diese nähren zumindest Zweifel an der These, die Sicherheitsdebatte werde aufgebauscht und Probleme mit renitenten Jugendlichen habe es doch zu allen Zeiten gegeben.

Sofern sich der Zuwachs beim Ordnungsamt jetzt nicht nur auf Falschparker stürzt, werden die Bürger seine Präsenz sicher mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen – auch wenn er für sie nun jährlich mit mehr als einer Million Euro zu Buche schlägt. Und noch jemand kann sich freuen: Im vergangenen Jahr ergab eine Umfrage des Amtes für Wirtschaftsförderung, dass die Sicherheit als Standortfaktor unter Bonner Unternehmern höchsten Stellenwert genießt. Die schlechte Note, die sie der Stadt dabei seinerzeit ausstellten, muss jetzt nicht mehr in Stein gemeißelt sein. Bericht nächste Seite