1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Vorlesen nach Lust und Laune: Lesebühne in der Bonner Musikkneipe Limes

Vorlesen nach Lust und Laune : Lesebühne in der Bonner Musikkneipe Limes

Einmal im Monat verwandelt sich die Musikkneipe Limes in eine Lesebühne. Jeder, der will, kann seine Texte vortragen und gegen andere Slammer antreten.

„Wir wollten unsere Texte einfach nur mal vorlesen“, erinnert sich Jörn Bickert (34) an die Anfänge der Lesebühne in der Musikkneipe Limes an der Theaterstraße. Sieben Jahre ist es her, dass der Freundeskreis um Bickert den Wirt Martin Marzoll fragte, ob man nicht einmal im Jahr bei ihm einen Leseabend veranstalten könnte.

Zu der Zeit betrieben die Freunde zusammen den Verlag „Kopfnuss“, der immer noch der Lesebühne ihren Namen gibt und für alternative Literatur wie die von Dirk Bernemann oder Jan Off stand. Schnell wurden aus den zunächst kaum mehr als zehn Besuchern bis zu 70 (mehr passen in das Lokal nicht hinein) und aus „einmal im Jahr“ sind nun monatliche, meist ausverkaufte Veranstaltungen geworden. Längst hätte man in größere Räume wechseln können, doch die Lesebühne bleibt den unterstützenden Anfängen, Ort und Wirt, treu.

Elena, Marock, Patrizia, Sophie und Valentin sind die fünf Protagonisten des ersten Abends im neuen Jahr. „Der Käptn“ stellt sie vor. Nach Nora, die den Slam über drei Jahre lang erfolgreich moderierte, führt nun der nur „Käptn“ genannt werden wollende Kölner Fernsehredakteur, der mit seinen 40 Jahren zu den ältesten Anwesenden im Limes gehören dürfte, durch den meist kurzweiligen Abend. So auch an diesem Mittwochabend, den er mit einem eigenen Text beginnt. Auch bei ihm hat die Liebe zum Schreiben und dem Vortrag schon früh begonnen. Zunächst als Gast in der Lesebühne, ist „Der Käptn“ inzwischen so etwas wie ihr Markenzeichen geworden. Geschickt weiß er zwischen Stimmungmachen und leiseren Tönen zu wechseln.

Fliegenklatschen zur Abtstimmung

Sein Vortrag setzt dem einsamen Demonstranten Thomas, der während des SPD-Parteitags vor dem WCCB auf Andrea Nahles wartet, um „der Mutter eine Schraube zu überreichen“, ein literarisches Denkmal. Im weiteren Verlauf des Abends ist er es, der die Reihenfolge der Lesenden auslost und erklärt, dass die beim Einlass erhaltene Fliegenklatsche bei der Abstimmung über das Gefallen an den Vorträgen in die Höhe gehalten werden soll.

„Meinen ersten Text habe ich in der Nacht vor meiner Abiklausur geschrieben“, erinnert sich Sophie Raspels (21) aus Bonn. Mit dem Schreiben konnte sie damals nicht nur ihre Ängste beruhigen, sondern auch den ersten Erfolg beim Vortrag ihrer Zeilen auf dem Abiball feiern. Seitdem schreibt und liest sie, wo es ihr möglich ist. Köln, Essen und demnächst in Frankfurt. Schon einmal konnte sie die „50 Euro in bar“, die dem Sieger des Bonner Lesebühnenabends versprochen sind, mit nach Hause nehmen. Obwohl sie mit ihrem frei vorgetragenen Text über den langen Weg ihrer sieben Jahre dauernden Ausbildung zur Lehrerin großen Applaus bekommt, reicht es am Ende nicht, unter die Finalisten zu kommen.

Publikum honoriert Blödelei

Ebenso erging es der 19-jährigen Patrizia und der 24-jährigen Elena. Beide kamen aus Troisdorf ins Limes. Beide konnten trotz ihrer einfühlsamen und literarisch anmutenden Texte das Publikum nicht überzeugen. Vielleicht wollte man an diesem Abend weniger ernsthaft unterhalten sein. Kurz zuvor war von Patrizia noch über ihre Motivation zu hören, „ich mag es einfach, wenn die Leute etwas mit meinen Texten anfangen können. Wenn sie sich damit identifizieren können. Das ist einfach ein cooles Gefühl.“ Doch ihr bewegendes „Märchen vom Gutenachtkuss“ konnte die durchaus aufmerksamen Zuhörer nicht erreichen. Ganz im Gegenteil zu Marock und Valentin, die in der Endrunde gegeneinander antraten. „Wem hat der sympathisch arrogante Tonfall von Valentin gefallen?“, fragte „Der Käptn“ in die Runde und viele Fliegenklatschen schnellten in die Höhe. Noch mehr mussten es schlussendlich für Marock sein, der die ausgelobten 50 Euro mit nach Bochum nehmen konnte. „Ich liebe einfach die Blödelei“, hatte er noch vor seinem Auftritt gesagt und traf damit wohl auch die Stimmung des Publikums nach drei überaus unterhaltsamen Stunden.

Jeder Autor kann sich entweder per Mail an keinkultur@web.de anmelden oder einfach spontan vorbeikommen. Die nächste Lesebühne im Limes, Theaterstraße 2, findet am 28. Februar, 20 Uhr, statt. Eintritt 4 Euro