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300 Jahre Alter Friedhof: Letzte Ruhestätte für "gemeine Einwöhner"

300 Jahre Alter Friedhof : Letzte Ruhestätte für "gemeine Einwöhner"

300 Jahre ist es her, als der Alte Friedhof für "gemeine Einwöhner, Paßanten und Soldaten" damals noch vor den Toren der Stadt Bonn auf Initiative von Kurfürst Josef Clemens eröffnet wurde.

"Neuer Friedhof" hieß er einst und war bei den Bonnern keineswegs beliebt. Sie bestatteten ihre Toten lieber nahe bei den Stadtkirchen, wo jedoch kaum noch Platz war. Heute gilt der Alte Friedhof als eine der bedeutendsten Begräbnisstätten Deutschlands. Sein Jubiläum will die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs in diesem Jahr gebührend feiern. Zum Auftakt pflanzten Vereinsmitglieder gestern einen Kirschbaum auf dem Friedhofsgelände im Schatten des Stadthauses.

Und auch die Freunde und Förderer des 1984 unter Denkmalschutz gestellten Friedhofs haben allen Grund zu feiern: Ihre Gesellschaft wird 40 Jahre alt. Vorsitzende Eva Hüttenhain erinnerte an die Ursprünge des Vereins: "Die damalige Stadtplanung sah vor, über den Friedhof eine Brücke zu führen. Das hätte ihm sehr geschadet." Aus der damaligen Bürgerinitiative gegen das geplante Verkehrsprojekt ist ein Verein entstanden, der sich mit großem Engagement um den Erhalt und die Pflege der heute von dichten Verkehr umbrandeten kunsthistorischen Stätte kümmert. Ein Friedhof, der sich nicht zuletzt auch durch die Gründung der Bonner Universität 1818 mehr und mehr zur letzten Ruhestätte vieler Prominenter wandelte. Das wohl bekannteste Grab ist das von Robert und Clara Schumann. Auch Beethovens Mutter Maria Magdalena wurde dort begraben ebenso wie Friedrich Schillers Frau und Sohn, Charlotte und Ernst Wilhelm Schiller. Auch die Grabstätten zahlreicher Universitätsprofessoren findet man auf dem Alten Friedhof, unter anderem von Friedrich Wilhelm Argelander, Ernst Moritz Arndt und August Wilhelm Schlegel.

Bereits 1884 waren alle Erweiterungsmöglichkeiten des heute 2800 Grabstätten zählenden Alten Friedhofes ausgeschöpft. Er musste geschlossen werden. Seither sind nur noch Bestattungen in einigen Familiengrabstätten, in Ehrengräbern und in sogenannten Patenschaftsgräbern vorgesehen, erläuterte Hüttenhain. Heißt: Wer für eines der Gräber eine Patenschaft übernimmt, kann sich nach seinem Tod dort beisetzen lassen. Die Pflanzung des Kirchbaumes erklärte Hüttenhain so: "Früher war es üblich, auf Friedhöfen Obstbäume und auf den Gräbern Kräuter zu pflanzen. An diese Tradition wollen wir mit unsere Aktion zum Jubiläumsauftakt erinnern."

Die Wahl der Kirschsorte hatte Vereinsmitglied Ursula Brandis getroffen. Ihre Vorfahren Sir Dietrich und Lady Katharina Brandis ruhen ebenfalls auf dem Alten Friedhof. Ursula Brandis ist auch Mitglied des Fördervereins Botanischer Garten und stieß dort auf die alte Sorte "Poppelsdorfer Schwarze". Sie sei früher vor allem am Venusberghang verbreitet gewesen und habe im Frühjahr mit ihren weißen Blüten die Bürger in Massen angelockt, berichtete sie. Stifterin des Baumes ist Stadtsprecherin Monika Hörig. "Mir liegt der Erhalt regionaler Produkte, Pflanzen und Tierrassen am Herzen", sagte sie. Der Friedhof ist übrigens nach wie vor im städtischen Besitz. Zwei Mitarbeiter der Stadt sind ausschließlich für das Kleinod verantwortlich.