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Lidl in Bonn: Neue Filiale hat 365 Tage im Jahr geöffnet

365 Tage im Jahr geöffnet : Neuer Lidl in Bonn hat auch sonntags offen

Der neue Lidl in der unterirdischen Einkaufspassage des Urban Soul Quartiers hat auch sonntags geöffnet. Das passt nicht jedem.

Einen roten Teppich hatte die Lidl-Filiale im Bonner Hauptbahnhof zu ihrer Neueröffnung für die Gäste ausgerollt und mit Rabatten in der unterirdischen Einkaufspassage des Urban Soul Quartiers gelockt. Auf rund 730 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet der Discounter nun etwa 4000 Artikel an. Das Besondere: Das Geschäft hat auch sonntags geöffnet.

Am Allerheiligenfest standen die Menschen schon vormittags Schlange an den Kassen, die Resonanz bei den Kunden war durchweg positiv: „Es ist total praktisch, ein großer Supermarkt hat uns hier gefehlt“, sagte die 61-jährige Iliana Urlaub aus Friesdorf. In vielen Ländern sei es längst normal, dass die Geschäfte auch sonntags geöffnet haben. Besonders Reisende und Stadtbesucher freuen sich über den neuen Discounter im Bahnhof, der nun -- wie auch die Kioske und Rewe To Go an Feiertagen geöffnet hat. „Sonntags liegt hier eigentlich der Hund begraben“, sagte Karsten Bruhns, der in der Innenstadt wohnt. „Wenn nicht einmal die Bäcker offen haben, ist es cool, jetzt hier einkaufen zu können.“ Svenja Braun schließt sich der Meinung an: „Es ist klasse, für den Kinderwagen ist hier genug Platz, und man findet alles, was man braucht“, so die junge Mutter.

Bonns zehnte Lidl-Filiale hat 365 Tage im Jahr geöffnet. Zugrunde liegt eine Sonderregelung im Ladenöffnungsgesetz, die vorsieht, dass Geschäfte auf Personenbahnhöfen für den Verkauf von Reisebedarf täglich geöffnet haben dürfen. Während sich Pendler und Sonntagskunden über die zeitliche Flexibilität des neuen Discounters freuen, sehen die Gewerkschaften darin die Sonntagsruhe in Gefahr. Als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung sei der Schutz des Sonntags „gerade in der aktuellen Situation wichtiger denn je“, mahnte Jana Zorn vom Fachbereich Handel der Gewerkschaft Verdi. Viele Beschäftigte erhielten derzeit nur begrenzten Schutz von ihren Arbeitgebern und seien „immer häufiger Kritik und Anfeindungen aus dem Kundenumfeld ausgesetzt“, so die Gewerkschaftlerin.

Lidl begründet die Filialöffnung mit dem veränderten Einkaufsverhalten von Kunden, dem man begegnen wolle. „Insbesondere in den Metropolen findet der Lebensmitteleinkauf verstärkt nach Feierabend statt“, sagte Unternehmenssprecher Kolja Kolander. Nur in wenigen wichtigen Bahnhöfen, etwa in Hamburg oder Essen, gebe es solche Lidl-Märkte. Die neue Bahnhofsfiliale, die täglich zwischen 6 und 22 Uhr und sonntags von 8 bis 21 Uhr geöffnet hat, sei daher eine gute Möglichkeit, um Kunden in Ballungsräumen wie Bonn besser zu erreichen.

Da der Discounter an Feiertagen nur Produkte für den Reisebedarf anbieten darf, hoffen Gewerkschaftsvertreter, dass Lidl verantwortungsvoll mit der Öffnung seiner neuen Filiale umgeht.

Zum Reisebedarf zählen neben Lebens- und Genussmitteln unter anderem auch Hygieneartikel, Tabakwaren oder Souvenirs. An Feiertagen müsste der neue Supermarkt einzelne Bereiche, die nicht zum Reisebedarf zählen, absperren, erklärte Verdi-Sprecherin Jana Zorn.