Endenicher Friedhof Lockerer Grabstein der Großeltern erregt Unmut

BONN · Die Geschichte von Ralf Breuer spielt in Endenich. Aber sie hätte sich auch in jedem anderen Ort mit Friedhof ereignen können. Im Juli erhielt der Bornheimer Post aus der Nachbarstadt, dass der Grabstein seiner Großeltern locker sei. Er legte innerhalb der Vier-Wochen-Frist Widerspruch ein, so dass es jetzt zum Ortstermin mit dem Amt für Stadtgrün in Endenich kam.

 Wer hat Schuld, dass der Grabstein locker ist? Peter Kießling (v.l.), Josef Simon und Ralf Breuer diskutieren.

Wer hat Schuld, dass der Grabstein locker ist? Peter Kießling (v.l.), Josef Simon und Ralf Breuer diskutieren.

Foto: Max Malsch

"Ich bestreite gar nicht, dass der Stein wackelt, aber ich weiß genau, dass er es vor drei Monaten noch nicht getan hat", sagte Breuer dem GA. Denn er habe sich regelmäßig mit seinen immerhin 120 Kilo über den Grabstein gelegt, um die Standfestigkeit zu prüfen.

"Ich glaube vielmehr, dass er seit dem Test der Stadt Bonn locker ist", so der Mann aus Hersel. Um mit solchen "Vorurteilen" auszuräumen, biete die Stadt den Nutzungsberechtigten der Grabstätten Gespräche an, meinte Peter Kießling, stellvertretender Amtsleiter.

"Wir müssen die Grabsteine jährlich ein Mal prüfen. Das machen wir immer im Frühjahr, denn der Winter kann dem ein oder anderen Stein zugesetzt haben", so Kießling. Bewege sich der Stein während der Prüfung, bekomme er einen grünen Warn-Aufkleber, und der Nutzungsberechtigte werde angeschrieben. "Er ist zur Sicherheit verpflichtet und haftet im Schadensfall", erzählt Kießling.

Nachdem in anderen Teilen Deutschlands schon Kinder von lockeren Grabsteinen erschlagen worden seien, hätten Steinmetz-Genossenschaft und der Zentralverband Gartenbau strenge Richtlinien vorgegeben. "Eigentlich müssten wir mit 0,5-Kilo-Newton (50 Kilo, Anm. d. Red.) testen, aber da wir keine Maschinen, sondern nur die Hände benutzen, erreichen wir den Druck gar nicht", betont Kießling. Man wolle lediglich sicherstellen, dass das Monument noch ein weiteres Jahr sicher steht.

Eigentlich also gut für den Nutzungsberechtigten, aber Ralf Breuer zeigt sich noch nicht überzeugt. Bis Steinbildhauermeister Josef Simon das Wort ergreift: "Zum einen gibt es schlicht Steinmetze, die Murks machen, zum anderen war bei älteren Steinen der Stand der Technik ein anderer." Im vorliegenden 750 Kilogramm schweren Fall tippt er auf Letzteres. "Der Granitstein wurde 1977 gesetzt und ist mit Sicherheit nur mit einem durchgehenden Dübel im Erdreich befestigt worden." Zwingend seien zwei Dübel.

Häufig gebe es aber auch Probleme, weil Wasser ins Fundament dringe, dieses aufquelle und den Stein nach oben drücke. "Wichtig ist ferner, dass sich im Mörtelbett keine Luftkammern bilden können", so der Experte. 250 Euro, so schätzt er, muss Breuer für Überprüfung und Schadensbehebung einplanen. Die Wahl des Steinmetzes liegt bei ihm. Am Ende zeigt sich der Herseler einsichtig, wenn auch grummelnd.

Alleine auf dem Endenicher Friedhof haben die Leute um Amtsmitarbeiter Udo Rüffer dieses Jahr zehn lockere Grabsteine festgestellt. "Und er ist mit zwei Hektar ein eher kleiner unter den 40 städtischen Anlagen", so Rüffer.

Es dürften wohl weit mehr sein, würde die Stadt der Anregung von Josef Simon folgen: "Das Amt für Stadtgrün könnte sich manchen Ärger sparen, wenn die Mitarbeiter ein technisches Gerät benutzen würden, das ein Diagramm samt Uhrzeit ausspuckt." Aber das Gerät übe eben auch mehr Druck aus, so Simon.

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