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Wiedereröffnung im Oktober: LVR-Museum in Bonn bleibt wegen Umbauten weiter zu

Wiedereröffnung im Oktober : LVR-Museum in Bonn bleibt wegen Umbauten weiter zu

Das LVR-Museum in Bonn bleibt trotz Lockerungen bis September geschlossen. Der Grund ist der aktuelle Umbau, der rund acht Millionen Euro kostet.

„…aler“ klebt testweise eine schwarze Beschriftung auf dem neuen Ausstellungsrondell im Foyer des LVR-Landesmuseums in der Colmantstraße. Die menschlichen Knochen aus dem Neandertal in einer Vitrine daneben legen nahe, wie spätestens am 1. Oktober die vollständige Beschriftung lauten soll. „Unser ältester Mitarbeiter“, schmunzelt die scheidende Direktorin Gabriele Uelsberg liebevoll. Künftig soll der wertvolle Original-Fund gleich hinter dem Eingang zum Besuch der Dauerausstellung durch die Geschichte des Rheinlands einladen.

Nach dem Lockdown im März hat das Museum anders als andere große Bonner Häuser noch nicht wieder geöffnet. Zum Bedauern vieler Eltern, die in früheren Jahren gerne das umfangreiche Ferienprogramm für ihre Kinder gebucht hatten. Erst zum 1. Oktober soll das Haus nach sechs Monaten voraussichtlich wieder Besucher empfangen.

Der Grund dafür ist leicht ersichtlich, wenn man mit Pressesprecherin Stephanie Müller den bisherigen Eingangsbereich betritt. Der ist noch immer eine große Baustelle. Eine Säge für Holzpanelen steht mitten im Raum. Hinten werkelt ein Mann an einer Verkabelung. Die weißen Kassentresen fehlen noch. Zu seinem 200-jährigen Bestehen gönnt der Landschaftsverband Rheinland (LVR) dem Haus erstmals seit dem großen Umbau von 2002 eine Verjüngungskur.

Vor allem zwei zentrale Aufzüge sollen Besucher künftig jeweils an den Beginn von Ausstellungsarealen zur Regionalgeschichte im ersten und zweiten Stock befördern. Die thematischen Bereiche werden zugunsten der Chronologie nach und nach aufgelöst, die von der Kasse unter einem Lichtstrahl zum Neandertaler und dann stetig aufwärts bis in die Neuzeit führen soll. Sonderschauen und die beliebten Mitmach-Ausstellungen werden künftig im dritten Geschoss präsentiert. Darüber wird dann als krönender Abschluss die Dachterrasse einen neuartigen Rundblick über die heutige Innenstadt eröffnen.

„Unsere Gäste sollen immer wissen, wo sie sich zeitlich befinden“, erklärt Direktorin Uelsberg das Konzept. 8,3 Millionen Euro lässt der LVR sich die Teilrenovierung kosten. Dass das Haus sich mit mehr Platz, klar ersichtlichen geraden Wegen und ausgewählten Leitexponaten noch besser auf die inklusiven Bedürfnisse Älterer, Behinderter oder von Familien mit Kinderwagen einstellt, sei in der Zeit der Pandemie ein Segen.

Mit ihren Mitarbeitern und mit Ratschlägen aus anderen Museen etwa in den Niederlanden arbeitet Uelsberg im Moment daran, wie das Museum ab Oktober als Bildungseinrichtung wieder geöffnet werden kann. Viele Mitmachstationen mit Objekten zum Anfassen oder Ausprobieren verbieten sich derzeit. Dafür kann das Team Besuchern bald digitale Zusatzangebote über deren Smartphone oder Tablet machen. Bis 2019 durfte das Haus kein offenes WLAN-Netz betreiben, weil der LVR Sicherheitsbedenken hegte.

Eigentlich sollte der Umbau im laufenden Betrieb erfolgen. An der Seite war bereits eine Behelfskasse eingerichtet, dahinter ein gelber Strich am Boden um mehrere Ecken und durch Verwaltungsgänge ins alte Foyer. Corona kam dazwischen. „Wir hätten eine Ampel schalten müssen für Einbahnverkehr“, sagt Uelsberg, „das wäre sehr ungemütlich geworden“.

Einen alternativen Ausgang über den Hof habe man nicht einrichten können, weil er für die Baustellenzufahrt genutzt würde. So bleibt das Museum nun ein halbes Jahr zu. Die Vorfreude auf den Neustart mit modernerem Konzept wiege diese Widrigkeit auf, hofft Uelsberg. Auch wenn es vielleicht noch nicht überall so aussehe, bleibe man sowohl im Kostenrahmen wie im Zeitplan, freut sie sich. Geöffnet – dienstags bis sonntags von 12 bis 22 Uhr – hat bereits jetzt das Restaurant „Delikart“, und das neuerdings mit einer großen Terrasse und breiten Sonnenschirmen.