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Wohnen in Bonn: Magnetfabrik und IHK wehren sich gegen Bauprojekt

Wohnen in Bonn : Magnetfabrik und IHK wehren sich gegen Bauprojekt

Es gibt Sorgen um den Industriestandort in der Bonner Nordstadt. Der Investor Vonovia plant dort eine Nachverdichtung mit bis zu 140 Wohneinheiten.

Der Investor Vonovia plant eine Nachverdichtung seiner Wohnanlage an der Dorotheenstraße. Sowohl die naheliegende Magnetfabrik als auch die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK) lehnen das Vorhaben in der jetzigen Form ab. Sie fürchten um den Industriestandort, wenn dort noch mehr Wohnungen entstehen. Die Magnetfabrik produziert im Drei-Schicht-Betrieb wochentags rund um die Uhr und erzeugt Lärm.

Unter dem Namen „Dorotheengärten“ firmiert das Vonovia-Bauprojekt, das die Runde durch die politischen Gremien macht. Der Name ist euphemistisch gewählt, denn auch Eingriffe in den Baumbestand stehen zur Disposition. In einem Grundsatzbeschluss haben Planungsausschuss, Bezirksvertretung Bonn und Wirtschaftsausschuss zugestimmt.

Allerdings sehen Politiker und Stadtverwaltung Nachholbedarf bei den Konzepten. Neben Aufstockungen auf die Bestandsbauten an der Ecke Dorotheenstraße, Nonnstraße und Ellerstraße sind in den vier Plänen auch Neubauten angedacht, die näher zur Dorotheenstraße hin entstünden.

Davon hält der Geschäftsführer der Magnetfabrik, Martin Grönefeld, überhaupt nichts. „Ich wundere mich, dass Planungen vorgelegt werden, ohne uns nach einer Einschätzung zu fragen“, erklärte Grönefeld. Zur Wirtschaftsförderung gebe es Kontakte, aber die Vonovia sei noch nicht auf ihn zugekommen.

Er hält nicht nur den Abstand zwischen Straße und Wohnhäusern für wichtig, sondern auch die Ausrichtung der Fenster von etwaigen Neubauten, die Lage der Schlafzimmer und die Vegetation dazwischen. „Der Baumbestand muss bleiben. Die Bäume halten Lärm ab und sind für das gute Zusammenleben mit Anwohnern unerlässlich.“ Grönefeld betont, es sei aus seiner Sicht notwendig, die Nachbarn über das Vorhaben gut aufzuklären.

Die IHK argumentiert ähnlich: „Wenn es zur baulichen Verdichtung kommt, fällt der vorhandene Lärmschutz weg. Damit sind Klagen der neuen Bewohner programmiert“, haben die IHK–Geschäftsführer die Politiker in einem Schreiben wissen lassen. Und zugleich gefordert, den Grundsatzbeschluss abzulehnen und den Erhalt der Magnetfabrik zu sichern.

Die Verwaltung greift die Einwände im Grundsatzbeschluss auf: „Grundsätzlich begrüßt die Stadt die Nachverdichtungspläne, allerdings darf das Geschäft der Magnetfabrik nicht tangiert werden“, so Kerstin Hemminger, Abteilungsleiterin für Bezirks- und Ortsteilplanung im Planungsamt.

Dieser Auflage am nächsten käme ein Vorschlag, die durchgängig dreistöckigen Bestandsgebäude ganz oder teilweise um eine Etage aufzustocken. Den beiden kleineren Neubauten an der Dorotheenstraße steht die Verwaltung kritisch gegenüber, weitere an der Nonn- und Ellerstraße hält sie für tragbar. Die Notwendigkeit für eine Bauleitplanung, die Entwicklungsziele formuliert, sieht die Stadt derzeit nicht. „Wir befinden uns in Gesprächen mit dem Investor“, sagte Hemminger.

Vonovia plant je nach Variante 35 bis 140 Wohneinheiten. Gewerbeflächen könnten beispielsweise an der Ellerstraße in einem Neubau entstehen, wo eine eingeschossige Ladenzeile liegt. Wie Vonovia-Sprecherin Bettina Benner sagte, sei die wenig einladende „Eingangssituation der Siedlung mit den vorhandenen kleinen Pavillons nicht mehr zeitgemäß“.

Das sei Ausgangspunkt für die Nachverdichtungspläne gewesen. Erste Konzepte in Zusammenarbeit mit einem Bochumer Professor seien erst in der Abstimmungsphase mit dem Stadtplanungsamt. Benner: „Auswirkungen, beziehungsweise weitere Beeinträchtigungen auf die Magnetfabrik wird es nicht geben.“