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Prozess in Bonn: Mann soll wegen Steinwurf auf Gerichtsgebäude und Autobahn in die Psychiatrie

Prozess in Bonn : Mann soll wegen Steinwurf auf Gerichtsgebäude und Autobahn in die Psychiatrie

Im Mai 2020 soll ein 58-jähriger Bonner mehrfach Steine auf den Gerichtskomplex an der Wilhelmstraße und auf die A562 geworfen haben. Nun entscheidet das Landgericht aber nicht über die Schuld des Mannes: Es geht um eine mögliche Einweisung in eine psychiatrische Klinik.

Sein Tatmotiv soll Frust über eine Entscheidung des Bonner Amtsgerichts gewesen sein: Am Dienstagmorgen hat vor dem Landgericht die Verhandlung gegen einen 58-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem vor, am 9. und 10. Mai vergangenen Jahres eine Ampel beziehungsweise Gegensprechanlagen am Gerichtskomplex an der Wilhelmstraße mehrfach mit Steinen beworfen zu haben.

Unterbringung in Psychiatrie droht

Eigentlich hätte der Prozess wegen Sachbeschädigung und Störung öffentlicher Betriebe sowie gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr bereits im vergangenen November beginnen sollen. Der Angeklagte war jedoch am ersten Verhandlungstag nicht vor Gericht erschienen. Nachdem ein Gutachter dem Mann dann wegen psychischer Störungen eine dauerhafte Verhandlungsunfähigkeit attestiert hatte, wurde das Verfahren eingestellt und aus der Anklage eine sogenannte Antragsschrift. Nun müssen die Richter der 1. Großen Strafkammer nicht mehr über die Schuld des Mannes befinden, sondern stattdessen entscheiden, ob der Beschuldigte dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird.

Auch am Dienstagvormittag blieb der Mann dem Gericht fern – dieses Mal allerdings mit Wissen und Billigung der Kammer. Bereits Ende März hatte das Gericht Gelegenheit, den Beschuldigten in einer Klinik im Ruhrgebiet in Anwesenheit seines Betreuers, eines Sachverständigen sowie der zuständigen Ärzte zu befragen. Offen und freundlich sei der 58-Jährige, ein gebürtiger Dresdner, zunächst gewesen, wie einer der beisitzenden Richter aus dem Protokoll verlas. Seine Kindheit und Jugend habe er in mehreren psychiatrischen Einrichtungen in der früheren DDR verbracht, bevor er im Zuge der Wende 1989 nach Bonn gekommen sei. Auch hier habe er viel Zeit in Kliniken, aber offenbar auch in Obdachlosenheimen verbracht. Auslöser der Steinwürfe gegen das Gerichtsgebäude sei sein Unmut über einen Rechtsstreit gewesen, dessen Ergebnis der Verlust seiner Wohnung gewesen sei.

Laut Anklage soll der Mann erstmals am Abend des 9. Mai gegen 23 Uhr in der Tiefgaragenzufahrt des Gerichts eine Ampel mit einem Stein beworfen haben. Am nächsten Tag soll es dann zu zwei weiteren Würfen auf Gegensprechanlagen gekommen sein. Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, Gegenstände auf die Autobahn 562 geworfen sowie an der Straßenbahnhaltestelle Ollenhauerstraße randaliert zu haben.

Mit einer Entscheidung der Kammer wird Ende des Monats gerechnet.