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Margot Käßmann ruft zur Besonnenheit im Umgang mit der Pandemie auf

Reformationstag in Bonn : Käßmann ruft zur Besonnenheit im Umgang mit der Pandemie auf

Theologin Margot Käßmann ruft beim Reformationstag zur Besonnenheit im Umgang mit der Pandemie auf. Sie kritisiert die Corona-Politik, während des ersten Lockdowns Beerdigungen untersagt zu haben.

1500 Karten hätte die evangelische Kirche für ihren zentralen Reformationsgottesdienst am Samstagabend vergeben können. Letztendlich waren coronabedingt 250 Besucherinnen und Besucher in der Kreuzkirche am Kaiserplatz zugelassen, um die Predigt von Gastpredigerin Margot Käßmann, der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, zu hören. Zuvor diskutierte die prominente Theologin mit Joachim Gerhardt, Pfarrer der Lutherkirchengemeinde, und Zuhörerinnen und Zuhörern in einer Open-Air-Veranstaltung vor der Kirche über Herausforderungen in Zeiten der Pandemie.

Zum Reformationstag hatte Käßmann eine zentrale Botschaft im Gepäck. Man komme gar nicht drum herum, am Reformationstag über Freiheit zu reden. „Freiheit bedeutet aber nicht Egomanie, sondern Verantwortung vor anderen und vor Gott“, so die 62-Jährige. Auf die Pandemie bezogen bedeutet das für Käßmann: „Es gibt Entscheidungen, die kann einem kein Politiker abnehmen.“ Jeder müsse selbst abwägen, inwieweit Familienbesuche an Weihnachten sinnvoll sind.

Selbst Verantwortung zu übernehmen für das eigene Handeln, diese Botschaft kam beim Publikum gut an. „Ich will so leben und arbeiten, wie ich es für richtig halte“, sagt eine Bonnerin. Am Reformationstag sei es wichtig, sich an den Verantwortungs- und Freiheitsgedanken Martin Luthers zu orientieren.

Käßmann machte deutlich, dass sich die Menschen auch heute an Luthers Handeln orientieren sollten. Dieser habe die Menschen immer zum Nachdenken angeregt. „Ich erwarte von Menschen auch heute, dass sie nachdenken und mehrere Quellen und Meinungen hören“, forderte sie mit Blich auf radikale Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen.

Zuhörer äußerten jedoch auch ihren Unmut über die aktuelle Corona-Politik. Für nicht nachvollziehbar hielten einige, dass nun Restaurants geschlossen werden müssten. Andere forderten von der Kirche, sie möge sich kritischer zum Umgang mit der Pandemie äußern. Der Kritik, die Kirche habe während der Pandemie zu wenig getan, trat Käßmann entschieden entgegen: „Wir waren nicht zu passiv, dass Engagement der Kollegen war allerdings nicht immer öffentlich.“

Bestimmte Entscheidungen habe auch sie nicht nachvollziehen können. „Ich fand es unmöglich, Beerdigungen zu untersagen. Einen Abschied kann man schließlich nicht verschieben.“ Auf Friedhöfen könnten alle Hygienebestimmungen eingehalten werden. Zuletzt betonte Käßmann, wie wichtig es sei, sich nicht von Furcht leiten zu lassen. Damit sei jedoch nicht gemeint, sorglos zu handeln. „Wir müssen im Geist der Solidarität und der Besonnenheit agieren.“