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Marienhospital in Bonn: Clowns besuchen virtuell die Kinderstation

Kinderstation im Bonner Marienhospital : Clowns heitern auch in Coronazeiten kranke Kinder auf

Auf der Kinderstation im Marienhospital in Bonn gibt es derzeit virtuelle Visiten für kranke Mädchen und Jungen: Die Klinikclowns lenken sie im Homeoffice mit ihren Späßen vom Alltag ab.

Yolla hat den Mund ziemlich voll genommen. Mit ihrem knallgrünen Schwimmreifen um den Bauch glaubt sie wirklich, dass sie die beste Schwimmerin auf der Welt ist. Und damit nicht genug. Yolla ist tatsächlich davon überzeugt, dass in ihr außerdem ein bisher unentdecktes Musikgenie steckt. Doch Yolla (Bernadette Kallus) hat die Rechnung ohne Jonas, acht Jahre alt, und Kaspar, sechs Jahre alt, gemacht. Erst als Clown Elsa (Eva-Maria Michel) mit der roten Nase ein Lied anstimmt, gehen die Daumen der beiden Jungs in die Höhe. „Elsa kann besser singen als Du“, sind sie sich einig.

Auf der Kinderstation des Marienhospitals gehören die wöchentlichen Klinikclown-Visiten der Stiftung Humor hilft heilen zu den besonderen Momenten, auf die sich die kleinen Patienten und die Mitarbeiter immer ganz besonders freuen. Seit 2003 kommen die liebenswürdigen und teils tollpatschigen Rotnasen regelmäßig auf die Kinderstation. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie und den damit verbundenen, teils strengen Hygieneregeln ist auch im Krankenhaus auf dem Venusberg nichts mehr so, wie es bisher war.

Trotzdem sollen die kleinen Patienten auch während dieser Phase wenigstens für ein paar Minuten vom Klinikalltag abgelenkt werden. Dafür schalten sich die Clowns jetzt per Livestream in die Krankenzimmer. So bekamen auch Kaspar und Jonas am Dienstag Besuch von den Clowns Yolla und Elsa und machten bei ihren Späßen mit.

Zuvor hatten Kinderkrankenschwester Eva Hüngsberg und Sven Dannemann, Abteilungsleiter Pflege der Einrichtung, alles für die Video­schalte vorbereitet. So wie oftmals viele Mitarbeiter in unterschiedlichen Unternehmen, die in den vergangenen Wochen vom Homeoffice aus Konferenzen und Besprechungen mit den Kollegen organisieren mussten, so betraten auch die Clowns im Marienhospital technisches Neuland. „Natürlich mussten wir uns langsam an die neue Technik herantasten, und es funktionierte nicht alles auf Anhieb“, gab Elsa zu. Aber es sei beiden Darstellerinnen wichtig gewesen, dass sie ihre Arbeit trotzdem machen. „Alle redeten in der Krise von Krankheiten. Aber wir wollen den Blick auf Schönes und Heiteres lenken“, fügte Yolla hinzu.

Die kleinen Patienten und Clowns winken sich im Livestream zu. Foto: Benjamin Westhoff

Individuelle Visite für die Kinder

Die beiden ausgebildeten Clowns gestalten für jedes Kind eine individuelle, interaktive Visite. Sie wissen nur, wie das Kind heißt und wie alt es ist. Und dann improvisieren sie, entwickeln spontane Dialoge mit den kleinen Zuschauern, hören zu, gehen auf ihr Gegenüber ein. „Wir erspüren, was das Kind gerade braucht und was gerade möglich ist“, sagt Bernadette Kalus. „Wir versuchen, eine innere Verbindung aufzubauen.“ Und das gelingt sichtbar.

Bei Jonas und Kasper ging die Rechnung ebenfalls voll auf. Anfangs reagierten die beiden Jungs nur verhalten auf die Streiche der Clowns auf dem Bildschirm, doch schon nach wenigen Minuten war die Scheu verschwunden. Und ihren Favoriten hatten sie ebenfalls schnell ausgemacht. „Elsa kann alles besser als Du“, waren sie sich einig.

„Wir sind priviligiert“

„Wir sind privilegiert, dass wir die Clowns hier haben können“, freute sich auch Dr. Stephan Buderus, Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin der GFO-Kliniken Bonn, als Schwester Eva ihren Rundgang mit den Klinikclowns durch die insgesamt sieben Zimmer der Station startete. „Das ist nicht nur eine schöne Abwechslung für die Kinder, die ja zurzeit ihre Zimmer nur ausnahmsweise verlassen dürfen, sondern auch für die Eltern und Mitarbeitenden.“ Diesen Eindruck kann Eva Hüngsberg nur bestätigen: „Die Heiterkeit färbt auf die ganze Station ab, es ist eine ganz andere Atmosphäre hier.“

Als Schwester Eva am Ende der Vorstellung wie von Zauberhand dann auch noch zwei rote Nasen an Kaspar und Jonas verteilte, waren bei den Kindern Angst und Schmerzen zumindest für einen Moment spürbar vergessen. „Give me five“, forderte Elsa die Jungs dann auf, und ohne zu zögern, klatschen sie mit ihren Händen in Richtung Bildschirm ab.