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Bonner Rheinaue: Maroder Sportplatz soll Wiese weichen

Bonner Rheinaue : Maroder Sportplatz soll Wiese weichen

Die Stadt Bonn plant einen Rückbau der Leichtathletik-Anlage in der Rheinaue. Der Stadtsportbund hält das für einen Fehler, weil es keinen Ersatzplatz gibt.

Die alte Leichtathletik-Anlage in der Rheinaue könnte bald einer Wiese weichen. Weil sich auf der maroden Anlage Unfälle nicht ausschließen lassen und der heruntergekommene Platz das Erscheinungsbild von Bonns „grüner Lunge“ stark beeinträchtigt, plant die Verwaltung dort eine Rasenfläche. Auch im Hinblick auf die im November in Bonn stattfindende UN-Klimakonferenz. Dafür wird dort eine Zeltstadt errichtet. Derzeit sorgt die Beschlussvorlage zum Rückbau aber noch für reichlich Diskussionsstoff in der Politik.

„Ich halte es für einen Fehler, den Sportplatz verschwinden zu lassen“, sagt Elmar Heide-Schoenrock vom Stadtsportbund. „Es gibt dort nämlich keine Ersatzanlage für Freizeitsportler, für die das Feld da ist.“ Er plädiert stattdessen dafür, vor einer Entscheidung die kommende Sportentwicklungsplanung abzuwarten. Dafür wird ein Institut aus Karlsruhe Daten über den Zustand der städtischen Sportanlagen erheben und danach einen Bedarfsplan mit den dazugehörigen Maßnahmen erstellen. Bis es soweit ist, kann es allerdings noch bis zu zwei Jahren dauern.

„Der Sportplatz in der Rheinaue ist so nicht mehr brauchbar“, meint dagegen Christos Katzidis (CDU). Zugegeben, eine Augenweide sei das 38 Jahre alte Feld mit der 100 Meter langen Laufbahn, zwei Wurffeldern und zwei multifunktionalen Spielfelder nicht gerade. Im Kunststoffbelag sind Löcher, an manchen Stellen kann man ihn mit der bloßen Hand vom Asphalt abziehen und auf der Laufbahn fehlen sogar mehrere Meter Boden. Unzählige Pfotenabdrücke im Sand deuten zudem darauf hin, dass sich die Sprunggrube mit der Zeit in ein Hundeklo verwandelt hat. Eine sportliche Nutzung scheint kaum möglich.

Parteien verlangen Bedarfsanalyse

Daher verlangen die Parteien jetzt eine Bedarfsanalyse, die klären soll, ob der Platz überhaupt noch durch Freizeitsportler genutzt wird. „Wenn niemand auf der Anlage Sport treibt, macht ein Erhalt keinen Sinn“, sagt Katzidis. Denn neben dem Vorschlag der Verwaltung steht noch eine Sanierung des maroden Sportplatzes im Raum.

Doch für die Stadt scheint die Sache klar. „Für eine leichtathletische Anlage an dieser Stelle sieht die Sportverwaltung keinen Bedarf mehr“, sagt Stefan Günther, Leiter des Sport- und Bäderamts. Aus diesem Grund komme eine grundlegende Erneuerung nicht in Betracht – eine Position, die auch die SPD teilt.

Ob Sanierung oder Rasenfläche: Fraglich ist auch, was für die Stadt am Ende billiger ist. Immerhin schätzt die Verwaltung die Kosten des Rückbaus auf 210 000 Euro, die durch die Übertragung von Haushaltsausgaberesten des vergangenen Jahres abgedeckt werden sollen.

Diese belaufen sich für den Sportetat auf insgesamt 4,6 Millionen Euro, die für neue Kunstrasenplätze und die Modernisierung der Bonner Sportstätten eingesetzt werden können. Bei den Bürgern kommen die Pläne der Verwaltung nicht so gut an. „Ich gehe häufig in der Rheinaue joggen“, sagt Gerd Landsberg.. „Am Wochenende sehe ich dabei viele Jugendliche, die auf der Anlage Sport treiben. Daher fände ich eine Sanierung sinnvoller als eine Wiese.“ Auch eine Mutter, die mit ihren Kindern durch die Aue spaziert, hält nicht viel davon, den Sportplatz verschwinden zu lassen. „Der Platz gehört ja auch irgendwie zur kulturellen Landschaft der Stadt“, sagt sie.

Mitte März gibt es zu dem Thema eine Anhörung im Umweltausschuss, danach fällt der Bauausschuss einen Beschluss. Sollte der Sportplatz einer Wiese weichen, bleibt Freizeitsportlern in der Rheinaue noch die im Oktober eröffnete Trainingsstation nahe der U-Bahnhaltestelle Rheinaue. Dort können sich die Bonner an Barren, Reck, Hangelleiter und Kletterstangen austoben.