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Bonner Haus der Bildung: Medienkonsum auf Lümmelkissen

Bonner Haus der Bildung : Medienkonsum auf Lümmelkissen

Der Zeitpunkt war bewusst gewählt: Am Samstag, dem Tag des Buches, hatte die Stadtbibliothek im Haus der Bildung die neue Jugendabteilung der Öffentlichkeit präsentiert. Damit sind erstmals Kinder- und Jugendmedien getrennt, stehen nicht länger Vampirromane neben Bilderbüchern.

Vielmehr ist der neue Raum am Ende der Zentralbücherei ganz bewusst für 12- bis 18-Jährige konzipiert worden. Ein Dutzend Sitzsäcke, so genannte Lümmelkissen, deren Anschaffung zur Hälfte von Knauber gesponsert wurde, liegen in dem stufenförmigen Zimmer. „Wir wollten ganz bewusst einen Raum der Freizeit schaffen“, erklärt die Leiterin der Kinderbibliothek, Nicole Krämer. „Deswegen finden sich hier auch keine Lernhilfen – dafür haben wir einen eigenen Bereich, den die meisten Jugendlichen ohnehin schon durch Führungen kennen.“

Unter den etwa 3800 Medien für die Zielgruppe stehen neben gut 3000 Büchern diverse CDs, DVDs und Konsolenspiele zur Ausleihe bereit. Letztere können die Jugendlichen auch direkt vor Ort ausprobieren, eine Wii U sowie zwei Playstation 4 sind samt Großbildfernseher und Beamer extra zu diesem Zweck für das mit Landesmitteln geförderte Projekt angeschafft worden. „Allerdings können nur die Mitarbeiter die Spiele gegen Vorlage des Bibliotheksausweises freigeben und einlegen“, erklärt Krämer. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass Altersbeschränkungen auch greifen.

Spielekonsolen und Beamer

Weitere Einschränkungen soll es aber nicht geben. Vielmehr ist das Ziel, einen Kommunikations- und Erlebnisort anzubieten und die Medienkompetenz zu fördern. So finden sich neben den Konsolen auch zwei Laptops im Raum, später soll ein 3 D-Drucker hinzukommen.

Eine Überraschung gab es am Eröffnungstag auch noch: Nachdem Comic-Autor Tobi Dahmen aus seiner autobiografischen Graphic Novel „Fahrradmod“ vorgelesen hatte (was leider so gut wie keinen Jugendlichen und nur einige Erwachsene in den neuen Raum lockte), konnten die Bibliotheksmitarbeiter das neu erstandene „MaKey-MaKey“-Set vorstellen, mit dem Alltagsgegenstände wie Äpfel, Möhren oder Münzen zu Steuerungselementen umfunktioniert werden.

Alles, was Strom leitet, kann so zu einer Sprung- oder Richtungstaste mutieren, mit etwas Arbeit lässt sich sogar ein Bananen-Keyboard oder ein aus Menschen bestehendes Drumset basteln. „Wir wollen die Kreativität anregen und fordern auf diese Weise dazu auf, sich mit den modernen medialen Möglichkeiten spielerisch auseinanderzusetzen“, erklärte Krämer. Jetzt müssen nur noch die Jugendlichen kommen.