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Sozialausschuss berät überPilotprojekt des Vereins Anonymer Krankenschein: Medizinische Versorgung für alle

Sozialausschuss berät überPilotprojekt des Vereins Anonymer Krankenschein : Medizinische Versorgung für alle

Der Verein Anonymer Krankenschein Bonn setzt sich dafür ein, dass auch Menschen ohne Krankenversicherung Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten können.

Unterstützt werden sie dabei vom evangelischen Kirchenkreis und dem katholischen Stadtdekanat. Am Mittwoch berät der Sozialausschuss über einen Bürgerantrag des Vereins. Die Wichtigkeit eines Anonymen Krankenscheines zeige auch ein Fall, der sich kürzlich ereignete.

So habe eine Patientin aus Angst vor Abschiebung zu spät medizinische Hilfe in Anspruch genommen. Für sie sei ein anonymer Krankenschein vielleicht lebensrettend gewesen, wie der Verein MediNetz Bonn berichtet.

„Medizinische Grundversorgung muss eine staatliche Aufgabe sein“, sagt Johannes Schwerdt. Er ist Medizinstudent und zweiter Vorsitzender des Vereins Anonymer Krankenschein. Im Februar stellte der Verein einen Antrag an die Stadt. „Wir haben uns dann mit dem Sozialamt abgestimmt“, sagt Schwerdt. Das sei von Anfang an ein sehr guter Austausch gewesen.

Die Stadtverwaltung hat sich für ein zunächst einjähriges Modellprojekt ausgesprochen, das in Abstimmung mit dem Verein entwickelt wurde. Demnach solle nach dem Beschluss des Modellprojektes durch den Fachausschuss entsprechende Haushaltsmittel angemeldet werden.

Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Für die Einführung des anonymen Krankenscheins rechnet der Verein mit Kosten von rund 311 000 Euro pro Jahr sowie im Anfangsjahr mit zusätzlichen Investitionskosten in nicht genannter Höhe.“ Die Kosten basieren auf den Erfahrungen eines gleichartigen Modellprojekts in Düsseldorf und einer hochgerechneten angenommenen Anzahl von Patienten in Bonn.

In Gesprächen mit dem Verein wolle die Verwaltung deshalb ein Konzept für ein Modellprojekt erarbeiten. Darin gehe es darum, die Rahmenbedingungen und den Umfang der tatsächlichen Bedarfe eines solchen Projektes zu entwickeln, heißt es.

Unterstützung kommt von der katholischen und evangelischen Kirche. „Wir müssen Wege finden, dass allen Menschen durch unser Gesundheitssystem geholfen wird“, teilt Superintendent Dietmar Pistorius am Montag mit.